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Beratersuche Hilfe! Wer coacht mich?

Profil Coaching, Mental Coaching, After Work Coaching - das Internet ist voll mit Angeboten. Doch für den Laien bleibt vieles im Nebulösen. Wie findet man den passenden Berater? Ein Coaching für die Suche nach dem Coach.

© Cyprian Koscielniak Vergrößern

Sie wollen Ihre Kompetenzen und Ihr Potential besser nutzen? Ich begleite Sie beim Finden des ,Schlüssels’ und beim Öffnen bislang verschlossener Türen.“ Solche Sätze fallen bei Susanne Thieme (Name von der Redaktion geändert) zurzeit auf fruchtbaren Boden. Die 49 Jahre alte Frankfurterin hat kürzlich ihren Arbeitsplatz als Teamleiterin bei einer Bank verloren - eine betriebsbedingte Kündigung in Folge eines Sparprogramms. Seitdem ist sie, wie sie sagt, „ziemlich mickrig unterwegs“.

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Anfangs war sie noch zuversichtlich. „Schließlich hatte ich nicht das Paradies verlassen.“ Zudem gab es eine großzügige Abfindung. Doch mit dem Herbst kam der Katzenjammer. Wo sollte sie mit Ende Vierzig in ihrer Branche noch hin? Und macht ihr der Beruf überhaupt noch Spaß? Wollte sie nicht immer schon etwas ganz anderes machen, etwas Kreatives, eine Arbeit mit den Händen? Beim Arbeitsamt fühlte sie sich mit diesen Fragen nach Orientierung nicht gut aufgehoben. „Lass dich doch coachen“, rieten Freunde.

„Der Mann war mir überhaupt nicht gewachsen“

Der erste Berater war Sinologe, „ein etwas blasser, akademischer Typ“. Die Adresse hatte die Frankfurterin von einem befreundeten Arzt. Doch schon nach kurzer Zeit im Vorgespräch war beiden klar: Es hat keinen Zweck. „Ich hatte das Gefühl, der Mann war mir überhaupt nicht gewachsen“, sagt Thieme.

Den zweiten Coach, eine Frau, hatte eine frühere Kollegin empfohlen, die, ebenfalls gekündigt, von der Beratung begeistert war. Thieme vereinbarte einen Termin und fand sich in einem „traurigen Frankfurter Vorort“ wieder. Die Armlehnen der Bürosessel waren mit Schonbezügen abgedeckt. Die Besucherin war auch an diesem Tag sehr dünnhäutig. Als ihr Gegenüber feststellt: „Sehen Sie, Sie können ja doch lachen“, ist auch dieser Versuch für Thieme gelaufen. Jetzt hat die arbeitslose Frau noch ein Problem: „Wie finde ich einen guten Coach?“

Die Erklärungsversuche bleiben oft schwammig

An Angeboten mangelt es nicht. Das Internet ist voll mit Homepages, auf denen Berater - auch mal ganz originell in Anzug und barfuß abgelichtet - ausführlich über sich selbst (“Ich über mich“) und ihre Coaching-Methoden (“systemisch“, „lösungsorientiert“, „Neurolinguistisches Programmieren“) berichten. Doch was sagt das schon? Die Erklärungsversuche gängiger Begriffe im Coaching gelingen oft nicht, weil sie schwammig bleiben oder Selbstverständliches wie etwa ein humanistisches Weltbild als Besonderheit herauskehren. Außerdem versteht der Laie die Sprache nicht. „Ich kann mit diesem Therapeuten-Deutsch nichts anfangen“, sagt Thieme.

Fakt ist: Der Begriff „Coach“ ist nicht geschützt. Im Prinzip darf sich jeder so nennen, eine staatlich anerkannte Ausbildung gibt es nicht. Dafür konkurriert in der Branche inzwischen jedoch eine Vielzahl von Verbänden, die jeder für sich Standards in der Ausbildung und im Coaching definieren. Uneinig ist sich die Branche zum Beispiel schon bei der Frage, ob ein Coach seinem Klienten Ratschläge geben darf oder nicht. Das macht die Orientierung nicht einfacher. Auch fehlt eine übergeordnete Organisation, die für alle spricht. „Jeder Verband kocht im Prinzip sein eigenes Süppchen“, sagt ein Branchen-Insider.

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Coach wird man in der Regel mit Hochschulabschluss und einigen Jahren Berufserfahrung. Das können Betriebswirte und Psychologen sein, aber auch Theologen und Ingenieure mit entsprechender Fort- und Weiterbildung. Die Verbände bieten dafür zertifizierte Coaching-Lehrgänge an. Sie führen zudem Datenbanken, in denen sich Coaches, in der Regel gegen Gebühr, listen lassen können. Die Berater müssen dafür nicht zwingend Mitglied im Verband sein, sie müssen aber bestimmte Qualifikationen vorlegen. Das spricht für eine gewisse Professionalität. Auch sind die Datenbanken ein gutes Nachschlagewerk für Ratsuchende.

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Veröffentlicht: 21.11.2012, 06:00 Uhr

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