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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Beratersuche Hilfe! Wer coacht mich?

 ·  Profil Coaching, Mental Coaching, After Work Coaching - das Internet ist voll mit Angeboten. Doch für den Laien bleibt vieles im Nebulösen. Wie findet man den passenden Berater? Ein Coaching für die Suche nach dem Coach.

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© Cyprian Koscielniak

Sie wollen Ihre Kompetenzen und Ihr Potential besser nutzen? Ich begleite Sie beim Finden des ,Schlüssels’ und beim Öffnen bislang verschlossener Türen.“ Solche Sätze fallen bei Susanne Thieme (Name von der Redaktion geändert) zurzeit auf fruchtbaren Boden. Die 49 Jahre alte Frankfurterin hat kürzlich ihren Arbeitsplatz als Teamleiterin bei einer Bank verloren - eine betriebsbedingte Kündigung in Folge eines Sparprogramms. Seitdem ist sie, wie sie sagt, „ziemlich mickrig unterwegs“.

Anfangs war sie noch zuversichtlich. „Schließlich hatte ich nicht das Paradies verlassen.“ Zudem gab es eine großzügige Abfindung. Doch mit dem Herbst kam der Katzenjammer. Wo sollte sie mit Ende Vierzig in ihrer Branche noch hin? Und macht ihr der Beruf überhaupt noch Spaß? Wollte sie nicht immer schon etwas ganz anderes machen, etwas Kreatives, eine Arbeit mit den Händen? Beim Arbeitsamt fühlte sie sich mit diesen Fragen nach Orientierung nicht gut aufgehoben. „Lass dich doch coachen“, rieten Freunde.

„Der Mann war mir überhaupt nicht gewachsen“

Der erste Berater war Sinologe, „ein etwas blasser, akademischer Typ“. Die Adresse hatte die Frankfurterin von einem befreundeten Arzt. Doch schon nach kurzer Zeit im Vorgespräch war beiden klar: Es hat keinen Zweck. „Ich hatte das Gefühl, der Mann war mir überhaupt nicht gewachsen“, sagt Thieme.

Den zweiten Coach, eine Frau, hatte eine frühere Kollegin empfohlen, die, ebenfalls gekündigt, von der Beratung begeistert war. Thieme vereinbarte einen Termin und fand sich in einem „traurigen Frankfurter Vorort“ wieder. Die Armlehnen der Bürosessel waren mit Schonbezügen abgedeckt. Die Besucherin war auch an diesem Tag sehr dünnhäutig. Als ihr Gegenüber feststellt: „Sehen Sie, Sie können ja doch lachen“, ist auch dieser Versuch für Thieme gelaufen. Jetzt hat die arbeitslose Frau noch ein Problem: „Wie finde ich einen guten Coach?“

Die Erklärungsversuche bleiben oft schwammig

An Angeboten mangelt es nicht. Das Internet ist voll mit Homepages, auf denen Berater - auch mal ganz originell in Anzug und barfuß abgelichtet - ausführlich über sich selbst (“Ich über mich“) und ihre Coaching-Methoden (“systemisch“, „lösungsorientiert“, „Neurolinguistisches Programmieren“) berichten. Doch was sagt das schon? Die Erklärungsversuche gängiger Begriffe im Coaching gelingen oft nicht, weil sie schwammig bleiben oder Selbstverständliches wie etwa ein humanistisches Weltbild als Besonderheit herauskehren. Außerdem versteht der Laie die Sprache nicht. „Ich kann mit diesem Therapeuten-Deutsch nichts anfangen“, sagt Thieme.

Fakt ist: Der Begriff „Coach“ ist nicht geschützt. Im Prinzip darf sich jeder so nennen, eine staatlich anerkannte Ausbildung gibt es nicht. Dafür konkurriert in der Branche inzwischen jedoch eine Vielzahl von Verbänden, die jeder für sich Standards in der Ausbildung und im Coaching definieren. Uneinig ist sich die Branche zum Beispiel schon bei der Frage, ob ein Coach seinem Klienten Ratschläge geben darf oder nicht. Das macht die Orientierung nicht einfacher. Auch fehlt eine übergeordnete Organisation, die für alle spricht. „Jeder Verband kocht im Prinzip sein eigenes Süppchen“, sagt ein Branchen-Insider.

Coach wird man in der Regel mit Hochschulabschluss und einigen Jahren Berufserfahrung. Das können Betriebswirte und Psychologen sein, aber auch Theologen und Ingenieure mit entsprechender Fort- und Weiterbildung. Die Verbände bieten dafür zertifizierte Coaching-Lehrgänge an. Sie führen zudem Datenbanken, in denen sich Coaches, in der Regel gegen Gebühr, listen lassen können. Die Berater müssen dafür nicht zwingend Mitglied im Verband sein, sie müssen aber bestimmte Qualifikationen vorlegen. Das spricht für eine gewisse Professionalität. Auch sind die Datenbanken ein gutes Nachschlagewerk für Ratsuchende.

Immer vorausgesetzt, die Verbände sind mehr als reine Marketingzirkel und lassen nicht jeden „Wald-und-Wiesen-Coach“ auf ihre Seite. Coach kann man sich auch schon mit einer Woche Fortbildung nennen. „Es gibt nur eine Handvoll Verbände, die tatsächlich an Qualität orientiert sind“, sagt Christopher Rauen, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbandes Coaching (DBVC), der auf Führungskräfte spezialisiert ist. Rauen wie auch Lutz Salamon, Vorsitzender des Deutschen Coaching Verbandes (DCV), nehmen für sich und ihre Organisationen in Anspruch, zu den seriösen, anerkannten Verbänden zu gehören, die hohe Anforderungen stellen. Salamon räumt allerdings ein, dass es auch „gute Coaches gibt, die noch nicht organisiert sind“. Das werde sich aber sicher ändern.

Mindestens 150 Stunden Weiterbildung sollten es schon sein

Für Qualität sprechen nach der Definition der Verbandsvorsitzenden außer Berufserfahrung und Spezialisierung vor allem hohe Standards in der Weiterbildung. Die Zertifizierungsordnungen sollten für jeden öffentlich einsehbar erklären, welche Qualifikationen dafür nachgewiesen wurden. Rauen nennt einen Mindestumfang von 150 Stunden an Weiterbildung, verteilt über mindestens zwölf Monate, besser noch eineinhalb Jahre. Kurse und Seminare, in denen bestenfalls „Psychomethoden“ vermittelt würden, aber wenig bis gar kein Coaching-Knowhow, reichten nicht aus. Ratsuchenden empfiehlt er, bei Anbietern gezielt nachzuhaken: „Was qualifiziert Sie eigentlich außer der Schule des Lebens?“

Es hilft also alles nichts: Der Ratsuchende muss sich kümmern, umhören und ausprobieren. Auf Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis und Freundeskreis zurückzugreifen ist aus Sicht der Fachleute richtig, wenngleich keine Garantie, dass es passt, wie die Erfahrungen von Susanne Thieme zeigen. „Coaching ist eine individuelle Dienstleistung. Da muss die Chemie stimmen. Das kann kein Zertifikat dieser Welt abnehmen“, sagt Rauen. Dass es nicht gleich beim ersten Versuch klappt und Arbeit macht, setzt er voraus: „Schließlich kauft man im Geschäft ja auch nicht den erstbesten Fernseher.“ Der Verbandsvorsitzende empfiehlt, ganz pragmatisch an die Sache heranzugehen: Komme ich mit der Person klar? Kommt sie für mein Anliegen in Frage? Wo trifft man sich? Und: Entspricht das Coaching meinen finanziellen Vorstellungen?

Coaching gibt es nicht für kleines Geld

An den Finanzen dürfte schon so mancher Wunsch nach professioneller Hilfe gescheitert sein. Coaching gibt es nicht für kleines Geld. Susanne Thieme war „ziemlich entsetzt“, als man ihr einen Tagessatz von 1200 Euro nannte. „Das ist viel Geld nur fürs Zuhören. Dafür muss ich schwerer und länger arbeiten.“ Die Verbände rechtfertigen solche Honorare mit der langen Berufserfahrung vieler Coaches und den hohen Investitionen in Weiterbildung, für die Summen in einer Spanne von 3000 bis 12.000 Euro genannt werden.

Interessierte finden im Internet aber schon Angebote für 80 Euro die Stunde. Rauen nennt Einstiegspreise von 160 Euro, im Schnitt 2000 bis 3000 Euro für eine Begleitung mit sechs bis zehn Terminen. Salamon hält 200 bis 300 Euro je Zeitstunde für angemessen. Der Verbandschef sieht das Problem eher bei den Preisdrückern. Viele Anfänger versuchten, über einen niedrigen Preis in den Markt zu drängen. „Das Risiko, dass zu niedrige Sätze verlangt werden, ist viel größer als der Wucher.“

„Coach Dich selbst“

Die ersten drei Stunden gratis - solche Angebote in Stadtmagazinen ärgern auch Gudrun Welter, die in Köln als Coach arbeitet. Nicht nur, weil die Preise dadurch „kaputtgemacht“ würden. „Nach drei Stunden bin ich in vielen Fällen schon durch mit der Beratung“, sagt die Betriebswirtin.

Eine schnelle Lösung ist bei Susanne Thieme vorerst nicht in Sicht. Die Frankfurterin hat bisher keinen weiteren Coaching-Versuch gestartet. „Ich werde mich aber weiter umhören“, sagt sie. Nun hat sie sich erst einmal ein Buch gekauft mit Tipps darüber, wie man berufliche und private Ziele schneller erreicht. Besonders gut habe ihr der Titel gefallen: „Coach Dich selbst, sonst coacht Dich keiner.“

Coaching - was ist das denn?
  • Unter Coaching - vom englischen Verb „to coach“ (betreuen, trainieren) - versteht man eine individuelle Begleitung und Unterstützung von Personen auf Zeit. Anlässe für das Coaching im beruflichen Umfeld (Business Coaching) können Spannungen im Team oder Konflikte mit einer Führungskraft sein, ebenso der Wunsch nach beruflicher Veränderung. Der Coachee, wie der Kunde heißt, soll die Aufgabe vorgeben und im Idealfall selbst Lösungen entwickeln.
  • Die Branche ist sehr unübersichtlich. Die Zahl der Methoden und Denkschulen im Coaching ist nahezu so groß wie die der Verbände und Weiterbildungszertifikate. Hinzu kommt: Coach kann sich in Prinzip jeder nennen. Eine staatlich anerkannte Ausbildung gibt es bisher nicht.
  • Allerdings bemüht sich eine Reihe von Verbänden, die sich aufgrund ihrer Qualitätsstandards zu den namhaften in der Branche zählen, gemeinsam am Runden Tisch um eine Professionalisierung des Berufsbildes, etwa auch um die „Definitionshoheit im Coaching“ und eine Honorarordnung. Mit am Tisch sitzen: der Deutsche Bundesverband Coaching (DBVC), der Deutsche Coaching Verband (DCV), die Deutsche Gesellschaft für Coaching (DGfC) und die International Coach Federation (ICF).
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Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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