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Frankfurter Zeitung 25.02.1918 : Das Unternehmen Bagdadbahn

  • Aktualisiert am

Die Bagdadbahn im Dezember 1917. Die Eisenbahnlinie ist über 3200 Kilometer lang. Bild: Picture-Alliance

Von 1903 bis 1940 wird eine Zugstrecke von Konya (heute Türkei) nach Bagdad (heute Irak) gebaut. Das Großprojekt entsteht unter Beteiligung Deutschlands.

          In der Senckenbergischen Gesellschaft sprach Bankdirektor Arthur v. Gwinner (Berlin) vor einer zahlreichen Zuhörerschaft über das Bagdadbahn-Unternehmen. Unter Zuhilfenahme von Karten und Lichtbildern erläuterte er die geologische Struktur der von der Bahn durchschnittenen Gebiete, in denen zwei schwierige Gebirgsstrecken, der Cilicische Taurus und das Amanusgebirge, zu überwinden sind.

          Sie geben Anlaß zu den verschiedensten Kunstbauten und führen die Bahn bis zu 1455 bezw. 874 Meter Meereshöhe hinauf. Herr v. Gwinner ging sodann auf die Vorgeschichte des Bahnbaues ein. Die Verlängerung der von Dr. v. Siemens gegründeten Anatolischen Bahn über Konia hinaus, für die der Sultan 1899 die Konzession erteilt hatte, war ursprünglich als ein internationales Werk geplant, an dem sich insbesondere auch die Engländer und Franzosen beteiligen sollten. Dr. v. Siemens, der sich dem Plan mit größter Hingebung widmete, und nach seinem Tode (1901) Herr v. Gwinner, suchten die englischen und französischen Finanzkreise heranzuziehen, aber die Gegnerschaft in der öffentlichen Meinung Englands, namentlich auch bei der „Times“ war so stark, daß Balfour im April 1903 im Unterhaus die englische Beteiligung für unmöglich erklärte. Ebenso verbot Delcaffé der Banque Ottomane, an der Finanzierung mitzuwirken.

          Somit hatte der deutsche Kapitalmarkt allein die Mittel zu Durchführung des Projektes aufzubringen, daß anfänglich rein geschäftlicher Natur war, später aber einen politischen Charakter erhielt und deswegen viele Anfeindungen erfuhr. Politische, technische und geldliche Gründe bewirkten, daß es mit dem Bau nur sehr langsam vorwärts ging. In den fünf Jahren 1899 bis 1904 wurden nur etwa 200 Kilometer gebaut; darauf trat bis 1909 eine völlige Stockung ein. Es folgte dann ein kräftiger Aufschwung, dem jedoch seit 1911 vier Kriege wieder Abbruch taten. Gegenwärtig ist die Betriebslänge bis über 1000 Kilometer gediehen. Eine von Bagdad nach Norden gebaute Teilstrecke von 120 Kilometer ist den Engländern in die Hände gefallen.

          Die Bahn ist bei weitem das größte deutsche Auslandsunternehmen, und es ist schon annähernd eine halbe Milliarde Mark darin angelegt. Für die Türkei spielt sie nicht nur wirtschaftlich (Getreidetransporte usw.) eine ungeheure Rolle, sondern ist auch als ein militärisches Werkzeug ersten Ranges zu erachten, wenn sie auch von vorneherein nicht als solches gedacht war. Sie darf das Allheilmittel der Türkei genannt werden.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 27. Februar 2018.

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