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Badezimmer Tausende Euro für die private Badeanstalt

 ·  Von wegen Nasszelle! Die Deutschen möbeln ihre Bäder auf. Für viel Geld gönnen sie sich überdimensionierte Badewannen, wasserfeste Fernseher sowie die Dusche zum Liegen. Da bleibt kein Auge trocken.

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© VDS Vergrößern Privates Spa: Ein Bad der Luxus-Klasse kostet schnell 50.000 Euro. Hier sammeln die Deutschen Kraft und Energie, im Schnitt 40 Minuten am Tag

Nichts ist mehr, wie es mal war im Badezimmer. Das fängt schon beim Namen an. Sprach man früher noch von der „Nasszelle“, läuft das Bad heute unter fulminanten Titeln wie „Salon d’Eau“, „Wohnbad“ oder „Private Spa“.

In einer solchen Oase geht niemand verschämt der Körperhygiene nach. Nein, die Deutschen floaten dort, sie revitalisieren, sammeln Kraft und Energie, verbringen in dem „hide-away“ ihre „quality time“. Zumindest trichtern uns das seit einigen Jahren Designer und Innenarchitekten ein.

Und das mit zunehmendem Erfolg: Die Deutschen geben immer mehr Geld für ihre Bäder aus. So konnte die Sanitärbranche ihre Umsätze von 16,3 Milliarden im Jahr 2005 auf 21,5 Milliarden Euro steigern. Die werte Kundschaft zu den Investitionen zu animieren, das war nicht einfach. Denn das Bad war Jahrzehnte lang das Stiefkind der Häuslebauer und ihrer Planer. Haus- und Wohnungseigentümer (Mieter sowieso) beschäftigten sich zwar gerne mit modernen Einbauküchen und Sofalandschaften, aber nur im äußersten Notfall mit dem Status quo ihrer Sanitärausstattung. Ein Bad hatte vor allem funktional zu sein, auf möglichst wenig Raum. Vier bis fünf Quadratmeter groß waren die Badezimmer in den 50er Jahren, schon das galt als Luxus (zuvor gab es die Toilette im Treppenhaus). Erst seit den 90er Jahren hat jede Wohnung ihr eigenes Bad. Wenn jeder Haushalt versorgt ist, kann es im nächsten Schritt nur darum gehen, das vorhandene Bad aufzumöbeln oder das Zweit-Bad zu etablieren.

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© Aquavision Vergrößern Multimedia beim Zähneputzen: Der Fernseher im neuen Bad ist wasserfest. Wasserspritzer können den neuesten Geräten (von 1500 Euro an aufwärts) nichts mehr anhaben (fürs Pissoir gibt es Mini-Modelle für 1300 Euro).

Beide Trends setzen sich hierzulande durch: Bald jede zweite Wohnung besitzt heute ein Gäste-WC, bei Eigenheimen kommt immer öfter gar noch ein „Master“-Bad hinter dem Eltern-Schlafzimmer hinzu.

Zudem arbeiten Designer wie Philippe Starck an der Aufwertung des Bads. So stellte Starck 1994 die Badewanne mitten in den Raum, statt sie wie zuvor an die Wand zu quetschen. Das sieht hübsch aus, braucht aber Platz. Wie auch alles andere, was im Kommen ist: Lounge-Möbel, XXL-Duschen, ausladende Waschtisch-Skulpturen, Kamin-Ecken, wasserdichte Fernseher. Die Bäder werden deshalb künftig größer, prognostiziert Jens Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft. „Wer heute ein Eigenheim plant, räumt dem Bad eine höhere Bedeutung und mehr Platz ein.“

Da ist es natürlich ein Problem, wenn das Bad - wie in immerhin fünf Millionen Wohnungen der Fall - 25 oder mehr Jahre alt und unrenoviert ist. Kein Wunder, dass 60 Prozent der Deutschen ihr Bad deshalb als „nicht entspannend“ ablehnen. Sie stört vor allem, dass es zu klein ist und dringend renoviert werden müsste (siehe Grafik).

Was hindert sie daran, die alten Kacheln abzuschlagen? Vermutlich die Kosten: Bei einer Renovierung sind schnell 10.000 bis 20.000 Euro fällig - und da ist noch kein Schnickschnack dabei, wie ihn die Bilder rundum zeigen.

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