16.08.2007 · Die großen Aktienindizes verzeichnen hohe Verluste / Fondsmanager machen eine Panikstimmung aus und fürchten eine neue Asienkrise wie vor zehn Jahren
fib. TOKIO, 16. August. An den großen Börsen in Asien macht sich Ausverkaufsstimmung breit. Nach schwachen Vorgaben von der Wall Street, einer drohenden Ausweitung der Hypothekenkrise in Amerika und neuen Geldmarkt-Interventionen der Zentralbanken schossen am Donnerstag die großen Aktienbarometer in die Tiefe. Der japanische Aktienindex Nikkei-225 verlor 2 Prozent und schloss auf einem Jahrestief. Den Kospi-Index in Korea zog es 7 Prozent nach unten. Die Leitindizes in Singapur, Taiwan und Thailand gaben jeweils mehr als 4 Prozent ab. Der australische Aktienindex ASX-200 büßte 2 Prozent ein.
"Er herrscht Verkaufspanik", lässt sich Mark Mobius von Templeton Asset Management zitieren. Zuvor hieß es seitens eines australischen Immobilienfinanzierers, es gebe Schwierigkeiten bei der Bedienung eines Kredits von umgerechnet fast 4 Milliarden Euro. Das rief Anleger in der ganzen Region auf den Plan. Im Markt herrsche viel Angst, erklärte Park Seh-Ick von Hanwah Investment in Seoul. "Viele Anleger überreagieren derzeit auch etwas", meinte er weiter. Auf den Verkaufslisten der Händler stand am Donnerstag vom koreanischen Unternehmen Samsung Electronics bis zur japanischen Mitsubishi-Gruppe und Taiwans Halbleiterhersteller TSMC alles, was in der Unternehmenswelt Rang und Namen hat.
Dabei stießen Investoren vor allem Aktien von Öl-, Schiffbau- und Stahlkonzernen ab. Die Aktien von Hyundai Heavy, dem weltgrößten Schiffbauer, fielen um 6 Prozent ab. Taiwan Semiconductor, der weltgrößte Auftragsfertiger von Computerchips, gab um 3 Prozent nach. In diesen Strudel zog es auch Asiens gewinnreiche Autobauer und Elektronikfirmen. "Von der schlechten Stimmung am Markt sind auch alle soliden Werte betroffen", sagte Yumi Nishimura vom Brokerhaus Daiwa.
Auslöser der jüngsten Kursverluste der japanischen Exporteure war die rasche Yen-Aufwertung des Yen. Wegen der weltweiten Marktturbulenzen lösten Devisenhändler zuletzt hochspekulative Kredit- und Handelspositionen zugunsten von Japans Währung auf. Damit gewann der Yen gegenüber dem neuseeländischen und dem australischen Dollar, aber auch gegenüber dem Euro an Wert.
Angesichts der heftigen Bewegungen auf den Devisenmärkten sorgen sich die Zentralbanker in Südostasien um die Stabilität ihrer Landeswährungen. An den Finanzmärkten hieß es, die Notenbanken von Indonesien, Singapur, den Philippinen, Taiwan und Malaysia hätten am Donnerstag Hunderte von Millionen Dollar auf den Markt geworfen, um die lokalen Währungen zu stützen. Allein Indonesien soll für 400 Millionen Dollar heimische Rupiah verkauft haben, um eine weitere Abwertung zu verhindern.
Zuvor schienen sich ausländische Portfolioinvestoren auf breiter Front aus der Region zurückzuziehen. Dies rief von Jakarta bis Kuala Lumpur Ängste wach, Südostasien könnte wie Ende der neunziger Jahre in eine Finanzkrise schlittern. Anders als damals galten die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Region bisher allerdings als stabil. Darüber hinaus haben im Frühjahr 13 Staaten Ostasiens mit Japan, China und Südkorea an der Spitze angekündigt, ihre Devisenreserven von fast 3 Billionen Dollar teilweise zusammenzulegen. Dieser Pool soll bessere Bedingungen für Direktinvestitionen schaffen und Schutz gegen Angriffe von Währungsspekulanten bieten. Die hatten 1997 als Auslöser der damaligen Asien-Krise gegolten. Damals konnten Spekulanten schwerwiegende wirtschaftliche Schwachpunkte der Länder zu riesigen Gewinnen nutzen. Nach Ansicht vieler Analysten droht ein solches Szenario heute nicht.
Dennoch schichten Investoren ihr Geld in sichere Anlagen um und greifen nach Anleihen. Das drückt deren Renditen. Japans richtungweisende zehnjährige Regierungstitel rentieren mit 1,66 Prozent, nachdem sie vor wenigen Wochen fast 2 Prozent erreicht hatten. Auch der Kurs für Koreas fünfjährige Staatsanleihe stieg und schickte die Rendite auf Talfahrt. Um die Märkte zu beruhigen, pumpten die Notenbanken Liquidität in die Geldmärkte. Die Bank von Japan setzte am Donnerstag ihre milliardenschweren Interventionen fort. Die Zentralbank von Australien zog mit. Die Notenbanken von Neuseeland und Korea wollen bei anhaltenden Marktturbulenzen das Gleiche tun.