http://www.faz.net/-gpc-7t17r

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

Ausstellung in Frankfurt : Besuch im härtesten Viertel von Kapstadt

  • -Aktualisiert am

Bild: Kai Middendorff

Die Filme des preisgekrönten Künstlers Teboho Edkins sind sparsam in ihren Mitteln, aber massiv in ihrer Wirkung. Aufgewachsen als Sohn eines Südafrikaners und einer Deutschen in Lesotho zeigt er die Probleme seiner Heimat.

          „Mein Vater ist ein Gangster“, sagt ein Junge. Er stottert massiv, dann lacht Brendon, in seinen Wangen bilden sich kleine Grübchen. Verschämt zieht er an seiner Hose: „Letzte Woche habe ich Topan sterben sehen.“ Teboho Edkins’ dreißigminütiger Film „Gangster Backstage“ in der Frankfurter Galerie Middendorff ist in einem der härtesten Viertel von Kapstadt entstanden. Alle, Männer und Frauen, die wir sehen, haben gemordet und Menschen auf der Straße sterben sehen. Doch sind sie schuldig? Haben sie eine Wahl? Eine Anklage fehlt.

          Um Moral oder gar Reue geht es hier nicht. Der harte Stoff wird zur Feier des Humanen, des Guten. Ein junger Mann, der von einer Messerstecherei Pflaster am Hals trägt, wippt ohne Unterbrechung leicht mit dem ganzen Körper, reißt seine Augen auf wie ein gejagtes Tier und sagt: „Ich denke jeden Tag an den Tod. Das Leben ist verständlich, aber den Tod verstehen wir nicht. Also habe ich Angst vor dem Tod und muss immer an ihn denken.“ Wie kam es zu diesem Geständnis von Edward?

          Die Frankfurter Ausstellung beginnt mit einer Zeitungsanzeige, die der Künstler in Kapstadt aufgegeben hat. Er sucht darin Darsteller für einen Gangster-Film, schauspielerisches Können sei keine Voraussetzung, heißt es, sondern Erfahrung im Kapstadter Bandenleben. Teboho Edkins selbst wurde 1980 in den Vereinigten Staaten geboren, wuchs aber in Lesotho in Südafrika auf. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater war Anti-Apartheid-Aktivist.

          Edkins hat freie Kunst in Kapstadt studiert, war länger in Frankreich und lebt nun in Berlin als Student an der Film-Akademie dffb. Doch seine Themen sucht er sich in seiner Heimat: HIV, Bandenleben und andere Alltagsabgründe. In dem Vorgängerfilm von „Gangster Backstage“ tritt Edkins selbst auf, als weißer Südafrikaner, der sich unbeholfen und ängstlich in die Welt der mit Pistolen fuchtelnden Männer begibt.

          Achtzig Bewerber melden sich schließlich auf die Anzeige für „Gangster Backstage“. In einem aufgeklebten Raumumriss auf dem Boden einer Bühne in einer kirchlichen Einrichtung - damit sie sich sicher fühlen konnten - spielen sie nun Szenen, die sie erlebt haben. Chaironesa klebt ihre Zelle, in der sie sechzehn Jahre lang ausharrte. Ein Mann, er heißt Lincon, legt sich auf den Boden, sagt: „Die Zeit steht still.“ Auch er zeigt seine Gefängniszeit, redet mit seinem Nachbarn, stellt fest, dass er keine Ahnung hat, wie viel Uhr es ist. Er ist dreiunddreißig Jahre alt, sein Gesicht ist von Schnittwunden gezeichnet.

          Ein anderer junger Mann ist frei und doch eingesperrt: „Als Gangster kannst du nicht einfach irgendwohin gehen. Es kann immer etwas passieren. Ein Auto kommt, jemand schießt.“ Teboho Edkins hat alle diese Männer und Frauen in eindrucksvollen Schwarzweiß-Porträts dokumentiert, die auch als eine Art Daseinsvergewisserung fungieren, weil diese Menschen meist nicht lang zu leben haben: Alle drei Männer aus dem Vorgängerfilm sind tot.

          „Gangster Backstage“ hat dieses Jahr den Hauptpreis der Internationalen Kurzfilmtage in Oberhausen gewonnen. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde seine Postproduktion „Faraway Friends“ mit dem Leoparden ausgezeichnet. Eine große Gelegenheit gibt nun die Galerie Middendorff, um das Werk von Teboho Edkins zu entdecken. Den Jungen vom Anfang treffen wir im Film wieder. In wenigen Sekunden zeigt er, dass der Weg nach draußen schwer wird. Sogar im Drogenrausch ruft er: „Da fliegt ein toter Vogel.“

          Teboho Edkins, Gangster Backstage. Galerie Kai Middendorff, Frankfurt, bis zum 6. September, Künstlergespräch am 4. September um 19 Uhr.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Bunt schimmert die Musikhalle

          Island : Bunt schimmert die Musikhalle

          Island hat sich zu einem beliebten Reiseziel entwickelt – vor allem wegen seiner Natur und weniger wegen der Hauptstadt Reykjavík. Dabei ist auch sie einen Trip wert.

          Mugabe will immer noch nicht weichen

          Zimbabwe : Mugabe will immer noch nicht weichen

          Mugabes eigene Partei hat sich von ihm abgewandt. Der frühere Vizepräsident Mnangagwa ist neuer Vorsitzender und wohl bald auch Präsident. Noch gibt Mugabe die Macht aber nicht ab.

          Im Rennen um einen Oscar Video-Seite öffnen

          Fatih Akins „Aus dem Nichts“ : Im Rennen um einen Oscar

          Die Wut über den NSU-Skandal inspirierte den Regisseur und Autor zu seinem jüngsten Film. In der Hauptrolle: Diane Kruger. Premiere feierte der Film auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes, jetzt wird er von Deutschland als Beitrag für den besten ausländischen Film bei den „Academy Awards“ ins Rennen geschickt.

          Topmeldungen

          Sondierung gescheitert : Liberale brechen Jamaika-Verhandlungen ab

          Die Verhandlungen von CDU, CSU, FDP und Grünen über ein Jamaika-Bündnis sind gescheitert. Die Liberalen ziehen sich aus den Gesprächen zurück. „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, sagt FDP-Chef Christian Lindner.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.