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Attraktiver Arbeitsmarkt : „Zuwanderer aus Südeuropa sind meistens gut qualifiziert“

Bild: dpa

Die Erwerbstätigkeit in Deutschland ist auf Rekordniveau. Das lockt krisengebeutelte Südeuropäer, aber auch Polen, Rumänen und Bulgaren. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

          Die Suche nach einem Arbeitsplatz treibt immer mehr Ausländer nach Deutschland. Vor allem Südeuropäer sehen darin zunehmend einen Ausweg aus der Schuldenkrise in ihren Heimatländern. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Ankömmlinge aus Griechenland gegenüber dem Vorjahr um 78 Prozent, aus Spanien und Portugal jeweils um 53 Prozent. Insgesamt kamen von Januar bis Ende Juni eine halbe Million Menschen nach Deutschland (plus 15 Prozent). 318 000 verließen das Land (plus 6 Prozent). Der Wanderungssaldo kletterte damit um 35 Prozent auf 182 000 Personen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Dazu gab die Wiesbadener Behörde bekannt, dass die Zahl der Erwerbstätigen auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung geklettert ist. Zwischen Juli und September waren es im Durchschnitt 41,7 Millionen Menschen.

          Bild: dapd
          Sven Astheimer

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          “Deutschland hat durch die Krise an Attraktivität gewonnen“, sagt Herbert Brücker, Ökonom und Migrationsfachmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Zuwanderung sei zum Wachstumstreiber geworden, sagt Brücker. „Zuwanderer aus Südeuropa, vor allem aus Griechenland, sind in der Regel sehr gut qualifiziert, teilweise besser als die meisten Deutschen.“ Deshalb seien die Aussichten sehr hoch, rasch eine Stelle zu finden. Allerdings weist der Ökonom darauf hin, dass trotz der hohen Zuwachsraten die Südeuropäer immer noch eine kleine Gruppe darstellen. In der Tat: Aus Spanien, Portugal und Griechenland kamen zusammengenommen im ersten Halbjahr rund 13 000 Personen. Zum Vergleich: Das größte Kontingent stellt Polen mit allein 89 000 Migranten.

          Migrantenströme werden umgelenkt

          Die Krise habe jedoch auch indirekte Folgen, sagt Brücker. Spanien und auch Italien seien in der Vergangenheit für Rumänien und Bulgaren höchst attraktive Ziele gewesen. Diese Ströme seien teilweise nach Deutschland umgelenkt worden, wie die Zahlen belegen: Der Zuzug aus den beiden EU-Staaten wuchs um 24 Prozent auf 88 000. Hauptgrund für Deutschlands neue Attraktivität ist vor allem die vergleichsweise gute Entwicklung am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren. Im September betrug die Arbeitslosenquote im Euroraum 11,6 Prozent, die europäische Statistikbehörde Eurostat geht von 18,5 Millionen Betroffenen aus. In Griechenland und Spanien lagen die Quoten jeweils über 25 Prozent. Deutschland dagegen wies mit einer nach internationalen Standards erhobenen Erwerbslosenquote von 5,4 Prozent den drittniedrigsten Wert nach Österreich und Luxemburg auf.

          Die Konjunkturabkühlung trübte zuletzt aber auch die Lage am deutschen Arbeitsmarkt. Die Herbstbelebung fiel deutlich geringer aus als üblich. Die Bundesagentur für Arbeit hat deshalb ihre Prognosen für nächstes Jahr leicht auf mehr als 2,9 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt korrigiert. IAB-Wissenschaftler Brücker sieht deshalb zunächst eine Abkühlung, aber keine Trendwende für die Entwicklung der Zuwanderung.

          „Zuwanderer aus Südeuropa sind in der Regel sehr gut qualifiziert.“ Herbert Brücker, IAB

          Quelle: F.A.Z.

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