Home
http://www.faz.net/-gpc-74din
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Attraktiver Arbeitsmarkt „Zuwanderer aus Südeuropa sind meistens gut qualifiziert“

Die Erwerbstätigkeit in Deutschland ist auf Rekordniveau. Das lockt krisengebeutelte Südeuropäer, aber auch Polen, Rumänen und Bulgaren. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

© dpa Vergrößern

Die Suche nach einem Arbeitsplatz treibt immer mehr Ausländer nach Deutschland. Vor allem Südeuropäer sehen darin zunehmend einen Ausweg aus der Schuldenkrise in ihren Heimatländern. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Ankömmlinge aus Griechenland gegenüber dem Vorjahr um 78 Prozent, aus Spanien und Portugal jeweils um 53 Prozent. Insgesamt kamen von Januar bis Ende Juni eine halbe Million Menschen nach Deutschland (plus 15 Prozent). 318 000 verließen das Land (plus 6 Prozent). Der Wanderungssaldo kletterte damit um 35 Prozent auf 182 000 Personen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Dazu gab die Wiesbadener Behörde bekannt, dass die Zahl der Erwerbstätigen auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung geklettert ist. Zwischen Juli und September waren es im Durchschnitt 41,7 Millionen Menschen.

Zuwanderung nach Deutschland

Sven Astheimer Folgen:  

“Deutschland hat durch die Krise an Attraktivität gewonnen“, sagt Herbert Brücker, Ökonom und Migrationsfachmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Zuwanderung sei zum Wachstumstreiber geworden, sagt Brücker. „Zuwanderer aus Südeuropa, vor allem aus Griechenland, sind in der Regel sehr gut qualifiziert, teilweise besser als die meisten Deutschen.“ Deshalb seien die Aussichten sehr hoch, rasch eine Stelle zu finden. Allerdings weist der Ökonom darauf hin, dass trotz der hohen Zuwachsraten die Südeuropäer immer noch eine kleine Gruppe darstellen. In der Tat: Aus Spanien, Portugal und Griechenland kamen zusammengenommen im ersten Halbjahr rund 13 000 Personen. Zum Vergleich: Das größte Kontingent stellt Polen mit allein 89 000 Migranten.

Migrantenströme werden umgelenkt

Die Krise habe jedoch auch indirekte Folgen, sagt Brücker. Spanien und auch Italien seien in der Vergangenheit für Rumänien und Bulgaren höchst attraktive Ziele gewesen. Diese Ströme seien teilweise nach Deutschland umgelenkt worden, wie die Zahlen belegen: Der Zuzug aus den beiden EU-Staaten wuchs um 24 Prozent auf 88 000. Hauptgrund für Deutschlands neue Attraktivität ist vor allem die vergleichsweise gute Entwicklung am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren. Im September betrug die Arbeitslosenquote im Euroraum 11,6 Prozent, die europäische Statistikbehörde Eurostat geht von 18,5 Millionen Betroffenen aus. In Griechenland und Spanien lagen die Quoten jeweils über 25 Prozent. Deutschland dagegen wies mit einer nach internationalen Standards erhobenen Erwerbslosenquote von 5,4 Prozent den drittniedrigsten Wert nach Österreich und Luxemburg auf.

Die Konjunkturabkühlung trübte zuletzt aber auch die Lage am deutschen Arbeitsmarkt. Die Herbstbelebung fiel deutlich geringer aus als üblich. Die Bundesagentur für Arbeit hat deshalb ihre Prognosen für nächstes Jahr leicht auf mehr als 2,9 Millionen Arbeitslose im Jahresdurchschnitt korrigiert. IAB-Wissenschaftler Brücker sieht deshalb zunächst eine Abkühlung, aber keine Trendwende für die Entwicklung der Zuwanderung.

„Zuwanderer aus Südeuropa sind in der Regel sehr gut qualifiziert.“ Herbert Brücker, IAB

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Feri stuft Anleihe der MS Deutschland auf CC herab

Ekosem-Agrar verzeichnet ein gemischtes Halbjahr. KTG Agrar berichtet über eine erfolgreiche Erntesaison. Die Centrosolar-Gläubiger sollen keine Aktien erhalten. Mehr

16.09.2014, 16:03 Uhr | Finanzen
Rechtspopulisten in Großbritannien Favorit

Bei der Europawahl Ende Mai könnte die rechtspopulistische Anti-Zuwanderer-Partei UKIP in Großbritannien die meisten Stimmen holen, vor allen anderen Parteien. Die europaskeptischen Parolen von Parteichef Nigel Farage kommen bei vielen Briten gut an. Mehr

08.05.2014, 11:30 Uhr | Aktuell
Wohnungsamt Frankfurt überfordert Überbelegung in allen Stadtteilen

Haarsträubende Verhältnisse sieht das Wohnungsamt teilweise, wenn es Fälle von überbelegten Häusern in Frankfurt prüft. Doch weil die Fälle so zahlreich sind, ist das Amt längst überfordert. Mehr

13.09.2014, 11:00 Uhr | Rhein-Main
Neue Krise für Portugal?

Portugals Krisenbewältigung gilt als Musterbeispiel. Nun trüben Finanzprobleme der Bankiersfamilie Espírito Santo das Bild. Droht eine neue Bankenkrise? Darüber spricht Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Mehr

30.07.2014, 09:11 Uhr | Wirtschaft
Volleyball-Nationalspieler Wanderarbeiter am Netz

Fast alle deutschen Volleyball-Nationalspieler, die derzeit bei der WM für Furore sorgen, verdienen ihr Geld im Ausland. Das hat gute Gründe. Sportliche - aber vor allem finanzielle. Mehr

15.09.2014, 10:54 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.11.2012, 14:43 Uhr

Deutsche Milch für China und Weißrussland

Von Jan Grossarth

Putin hat sich verschätzt: Wie erwartet bricht sein Boykott westlicher Lebensmittel den Bauern nicht das Genick. Milch und Fleisch werden ohnehin schon länger günstiger. Mehr 5 7

FAZ.NET-Sonderseite Schicksalswahl in Schottland

An diesem Donnerstag entscheiden die Schotten darüber, ob sie künftig unabhängig vom Vereinten Königreich sein wollen. Die Briten zittern - in den Umfragen steht es denkbar knapp. Alle Hintergründe auf der FAZ.NET-Sonderseite. Mehr

Sagen Sie mal, Frau Doktor Kann man weniger Schwitzen lernen?

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: das Kreuz mit dem Schweiß. Mehr 2

Segelflug Ein Himmel voller Dinos

Im Flugsport leben moderne Elektronik und Aerodynamik im Einklang mit uralter Technik. Das ist kein Zufall und sogar gut. Ein Tag auf dem Segelflugplatz, und du bist hin und weg. Mehr Von Reinhold Wagner 12