19.08.2005 · Wer weit genug auf die Seenkette hinaussegelt, wird irgendwann den Wunsch des Erfinders Alexander Graham Bell verstehen, ein Leben lang gelassen über die „Bras d'or lakes“ zu schauen.
Von Tilman SpreckelsenElsie ziert sich nicht lange. Sie fährt mit jedem, der dafür bezahlt. Die kleine Yacht, die der Erfinder Alexander Graham Bell 1917 für seine Tochter bauen ließ, liegt noch immer im Hafen des Städtchens Baddeck auf der Insel Cape Breton, der Nordspitze der kanadischen Provinz Nova Scotia, die im 17. Jahrhundert ganz von Franzosen besiedelt war. Wer auf der Elsie eine Weile über die „Bras d'or lakes“ segelt, wird nicht genug bekommen von dem Blick auf die umliegenden Wälder, die sanften Abhänge zum Wasser, die hohen Berge im Hintergrund.
Bell, reich geworden durch die Erfindung des Telefons, hatte sich auf einer der Anhöhen eine prächtige Villa gebaut, um dort oben mit Schafzucht und Flugdrachen, unten mit Schnell- und U-Booten zu experimentieren, und wer weit genug auf die Seenkette hinaussegelt, erhascht einen Blick auf die Fassade. Und weil nur das schiefergraue Wasser des Nordens so glitzert, weil die Sonne nur hier so freundlich und beruhigend durch die Regenwolken strahlt, weil keine Farbe der Welt gegen das Feuerwerk des Indianersommers ankommt, weil man auf einem sanft schaukelnden Zweimaster so unfehlbar zur Ruhe kommt, kann man Bells Wunsch, ein Leben lang gelassen über die „Bras d'or lakes“ zu schauen, sofort verstehen.
Tilman Spreckelsen Jahrgang 1967, Redakteur im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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