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ArcoMadrid Die Liebe zur Kunst in den Zeiten der Krise

Die ArcoMadrid startet gut: Die Messe für zeitgenössische Kunst in Spanien behauptet sich gegen alle Abgesänge und setzt auf internationale Sammler.

© Enrique Lejárraga Vergrößern Rogelio López Cuencas Leinwand „Kunstwerk im Zeitalter des Urheberrechtsschutzes“ hat Juana de Aizpuru für 22.000 Euro verkauft.

Allen Abgesängen zum Trotz kam das Jammern am ersten der beiden „Professional Days“ nur vom Band und sollte eine tote Taube reanimieren. Das erhoffte sich der junge spanische Künstler Juan Zamora mit seinem Werk am Stand der Galerie Art Nueve aus Murcia (4500 Euro). Zweihundert Galerien aus dreißig Ländern, davon 146 im Hauptprogramm, zeigen auf der Madrider Kunstmesse Arco Klassische Moderne bis zu ganz frischen Werken junger Künstler. Unkenrufe gab es im Vorfeld auch für die Messe angesichts der Mehrwertsteuererhöhung für Kunst in Spanien auf 21Prozent, der zunehmend schlechten Wirtschaftslage und der katastrophalen Arbeitssituation im einstigen Bauboomland. Doch die internationalen Galerien und Sammler sind zahlreich angetreten und werden von einer kunstbegeisterten Stadt Madrid empfangen.

Ein leuchtender Mann fiel im Gedränge um

Das Gedränge jedenfalls war groß. Bei Max Estrella aus Madrid fiel ein leuchtender Mann von Benardí Roig um und brach sich die Arme (55000 Euro, reserviert), bei DAN aus São Paulo gerieten die filigranen Mobiles des Österreichers Knopp Ferro in Schwingungen (32000 Euro, reserviert). Als herzlicher Jahrmarkt stellt sich auch die 32.Ausgabe der Arco vor. Nicht angespannt, sondern entspannt sei die Atmosphäre, hört man immer wieder. Es wird neugierig nachgefragt, verglichen, verhandelt, zwischen den beiden Hallen acht und zehn hin und her gepilgert, reserviert und auch verkauft. Nach wenigen Stunden, die nach Aussagen vieler Galeristen besser besucht waren als noch 2012, konnten zahlreiche Abschlüsse gemeldet werden, die meisten allerdings im vier- und fünfstelligen Bereich. Jede Menge Fotografie, Skulptur, aber auch großflächige Malerei datiert auf das Jahr 2013. Solche Großformate gingen meistens an Sammlungen und Stiftungen. Namen werden nicht genannt, aber die Rechnung des Messeleiters Carlos Urroz, die Budgetkürzungen der spanischen Institutionen, Museen und Stiftungen durch das Einfliegen internationaler Sammler aufzufangen, scheint auch dieses Mal wieder aufzugehen.

23214528 © Enrique Lejárraga Vergrößern Nachfolger des Papsts? „Suspicious Minds“ von Viktoria Binschtok aus dem Jahr 2009 kostet bei Klemm’s aus Berlin 3800 Euro (Auflage 3, 40 mal 76 cm).

Bei Thomas Schulte aus Berlin liest man an der Kojenwand: „Kultur = Kapital“ in Neonleuchtschrift von Alfredo Jaar. Das Werk wurde sogleich von einem belgischen Sammler erworben (Auflage7; 15000 Euro). Die junge Madrider Galerie The Goma (eine Anspielung auf das New Yorker MoMA) hat vor zwei Jahren den Start gewagt, als die Krise sich bereits anbahnte. Der Galerist sieht gerade in diesen Zeiten seine Chance: Er bietet kleine Formate und erschwingliche Preise. Vier Arbeiten hat er verkauft. Enrique Radigales’ Arbeiten von 2013 wirken wie gestreifte farbige Landschaften, sind aber Zufallsprodukte der Informatik. Ein großformatiger Ausdruck gelöschter digitaler Archive ist für 5000 Euro zu haben.

Wer schafft es gut durch die Krise?

Krinzinger aus Wien glaubt fest an Abnehmer im oberen Preissegment: Da gebe es immer Sammler. Viel schwieriger sei es für die passionierten Käufer in der unteren Liga, die wohl eher überlegen müssten, wofür sie ihr Geld ausgeben. Eine Anspielung auf die wirtschaftliche Lage vieler durchaus kulturell interessierter Spanier, die angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten und unsicheren Arbeitsplätze Zurückhaltung üben müssen. Krinzinger hat ein Großformat von Secundino Hernández an einen spanischen Sammler abgegeben, „Transparent Radiation“ von 2013 ist eine sprühende Mischtechnik (37.000 Euro). Ein schon getrockneter Jonathan Meese von 2012, wir kürzen den Titel ab mit „Oberstoberstl’ ,Las Vegas‘ brüllt...“, sucht für 640.000 Euro noch einen Käufer.

Für Lelong hat sich die Teilnahme schon gelohnt

Bei Heinrich Ehrhardt aus Madrid wartet ein ebenfalls großes, wildes Gemälde von Secundino Hernández für 36.000 Euro auf einen Liebhaber mit viel Platz. Wer wenig Platz hat, aber über ein großzügiges Budget verfügt, darf sich bei Leandro Navarro, ebenfalls aus Madrid, in ein kleines zartes Bild von Picasso von 1919 verlieben. Für „Compotier, bouteille, guitare devant une fenêtre ouverte“ werden 1,68 Millionen Euro verlangt. Eine Arbeit von José Guerrero von 1966, „Tanto monta, monta tanto“, wurde für 172.000 Euro schon vermittelt. Gleich gegenüber zeigt Edward Tyler Nahem Fine Art aus New York eine kleines „Abstraktes Bild 817-2“ von Gerhard Richter, das 1,35 Millionen Dollar kostet. Für Lelong aus Paris dürfte sich die Teilnahme mit dem Verkauf einer großen Skulptur Jaume Plensas aus dem Jahr 2011 bereits gelohnt haben (240.000 Euro).

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Veröffentlicht: 17.02.2013, 09:38 Uhr

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Von Holger Steltzner

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