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Arbeitsort Schwerin Glücklich zwischen sieben Seen

 ·  Das mecklenburgische Schwerin ist die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands und seit seiner Gründung vor allem ein Ort für Zugezogene.

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Schwerin macht glücklich!“ So steht es an den Eingangsstraßen der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Erfunden haben den Satz Luise Kolpin und Antje Kapanke, die in Heiligendamm und Wismar Grafikdesign studiert haben und sich zusammen mit anderen jungen Designern in Schwerin als „fachwerkler“ niedergelassen haben. „Dass Schwerin glücklich macht, entspricht auch meinen Erfahrungen“, sagt Antje Kapanke. „Vor allem für junge Familien ist es angenehm, in dieser Stadt der kurzen Wege zu arbeiten und zu leben.“ Schnell und unkompliziert habe sie einen Platz in der Kindertagesstätte bekommen, erzählt sie. Luise Kolpin, die eigentlich aus Berlin kommt, meint: „Wenn mich Freunde hier besuchen, sind sie immer ganz hingerissen.“




So hat es auch Oliver Heese schon oft erlebt, der 2011 nach Schwerin zog. Aber glücklich in Schwerin? Glücklich ist der Neurochirurg zumindest mit seiner Arbeit geworden. Das Hamburger Universitätsklinikum war zwar eine erste Adresse, bot aber nur ungewisse Karrierechancen. So entschied sich Heese mit 42 Jahren, Chefarzt für Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie in der Schweriner Helios-Klinik zu werden. Das Krankenhaus ist eines der größten im Konzern und mit mehr als 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber in Schwerin. Heese vermisst freilich die Hamburger Lebensqualität. „Die Freunde, die Restaurants, die türkischen Gemüsestände.“ In Hamburg wurde das Auto kaum benötigt, in Schwerin müssen es sogar zwei sein - nicht zuletzt für die regelmäßigen Sehnsuchtsfahrten nach Hamburg.

In Schwerin leben, in Hamburg arbeiten

Heeses Frau Claudia ist zwar Juristin, konnte sich aber mit dem Beruf nicht recht anfreunden. Sie hatte sowieso erst einmal mit den beiden kleinen Kindern zu tun, als sie nach Schwerin kam. Dann entschied sie sich zu tun, was sie eigentlich ausgeschlossen hatte. Sie übernahm die Firma ihres Vaters in Lübeck - ein Sarggroßlager. So hat sie sich unter die Pendler eingereiht. 40.000 sind es jeden Tag, die in Westmecklenburg - preiswert - leben und im Metropolenraum Hamburg - gut bezahlt - arbeiten. Jetzt weiß Claudia Schaland die Kinderbetreuung in Schwerin mit ihren langen Öffnungszeiten zu schätzen. Und sogar die Autobahn 20 mag sie, „gegen die ich einst kräftig protestiert habe“.

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© Lüdecke, Matthias Vergrößern Chefarzt Oliver Hesse hat den Umzug nach Schwerin beruflich nie bereut. Die Hamburger Lebensqualität vermisst er allerdings.

Die Helios-Chefärzte ziehen gern in die Schlossgartenallee mit ihren Villen. Heese aber hat sich für eine Wohnung am Pfaffenteich entschieden. Vielleicht weil sich hier so etwas wie ein Hamburg-Gefühl einstellen kann. Der Pfaffenteich gilt als „die Binnenalster für Arme“. Überhaupt muss sich Schwerin immerzu den Vergleich mit anderen Orten gefallen lassen. Auch über das Schloss, ein Meisterwerk des Historismus, heißt es: wie die Schlösser an der Loire. Das mag damit zu tun haben, dass Schwerin seit seiner Gründung ein Ort der Zugezogenen war. Schon in der Slawenzeit, als Heinrich der Löwe die Siedler in den ostelbischen Raum lockte. Schwerins Entwicklungsschübe, ob in der Zeit des Großherzogtums, der Gründerzeit, im Nationalsozialismus und in der DDR, kamen stets von außen. In gewisser Weise ist das bis heute so. Schwerin war mit mehr als 100 000 Einwohnern die in jeder Hinsicht jüngste Großstadt der DDR. Dann kam nach 1990 die Abwanderung. Derzeit sind es noch 91.000 Einwohner, knapp die Hälfte davon 50 Jahre und älter. Immerhin ziehen inzwischen mehr Menschen in die Stadt als fortgehen.

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20.09.2013, 10:26 Uhr

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