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Annette Schavan Mit nicht nur heimlichem Hochmut

 ·  Verteidigungsminister zu Guttenberg versetzte sie einst den politischen Todesstoß. Nun will Bildungsministerin Schavan mit einer Klage gegen den Entzug des Doktorgrades ihren eigenen Rücktritt vermeiden.

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Das Bild hat sich tief in das kollektive Gedächtnis eingegraben: Kanzlerin und Bundesbildungsministerin stehen im März 2011 nebeneinander auf der Computermesse Cebit. Angela Merkel (CDU) zeigt ihrer Vertrauten Annette Schavan (CDU) eine Kurznachricht auf dem Handy und während sie liest huscht ein verschmitzt-siegesgewisses Lächeln über das Gesicht der Ministerin.

Es war, so wurde später vermutet, gerade die Nachricht über den Rücktritt des damaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingegangen. Frau Schavan war es, die ihm in einem Zeitungsgespräch öffentlich die Unterstützung der Kanzlerin entzogen hatte - mit der vielzitierten Äußerung, als Wissenschaftlerin schäme sie sich „nicht nur heimlich“.

Es ist kein Wunder, dass sich viele - da der Ministerin selbst der Doktorgrad aberkannt wurde - nun wieder an diesen Satz erinnern. Und es erstaunt nicht, dass die einzige Rücktrittsforderung aus der FDP vom bayerischen Fraktionsvorsitzenden Thomas Hacker stammt, der die gleichen Maßstäbe an die Wissenschaftsministerin anlegen will wie an Guttenberg. Wenn nun in der CDU gesagt wird, dass Frau Schavan wegen ihrer fachlichen Eignung Ministerin sei und nicht aufgrund ihres Doktorgrades, erinnert das fatal an die Bagatellisierung im Falle Guttenbergs. Damals sagte die Kanzlerin, sie habe keinen wissenschaftlichen Assistenten, sondern einen Verteidigungsminister berufen. Dass solche Einlassungen eher kontraproduktiv sind, hätten CDU-Politiker damals lernen können.

Frau Schavan ist zu sehr Politikerin, um in der Debatte über ihre Dissertation jemals jene Selbstzweifel geäußert zu haben, die Wissenschaftlern eigen sind. Mehr als Flüchtigkeitsfehler, die ihr nicht peinlich seien, hatte Frau Schavan nicht zugegeben. Anstatt sich jeglichen Kommentars zu enthalten, bis die Universität Düsseldorf ihr Urteil gefällt hat, kündigte sie immer wieder an, kämpfen zu wollen. Das sei sie „der Wissenschaft“ schuldig, so die nicht gerade unbescheidene Feststellung.

Allzu rechthaberisch und siegesgewiss

An einem kalten Dezemberabend im vergangenen Jahr hielt sie eine denkwürdige Rede zur Verabschiedung des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wie so oft, wenn es galt, persönliche Worte zu finden, redete sie aus dem Stegreif und in diesem Falle auch über sich. Es gelte in der Politik, die Balance zwischen Eitelkeit und Demut zu halten. Gefährlich werde es immer dann, wenn die Eitelkeit über die Demut herrsche, sagte sie damals, als habe sie selbst geahnt, dass sie sich in der Diskussion über ihre Dissertation allzu rechthaberisch und siegesgewiss geäußert hatte. Im Publikum machte sich leichte Betretenheit breit.

Sie selbst hat den Plagiatsvorwurf immer als Anschlag auf ihre moralische Integrität verstanden. Nichts habe sie so verletzt wie der Vorwurf der Täuschung und Unredlichkeit, sagte sie kürzlich in einem Zeitungsgespräch. Äußerlich wirkte sie auch in den vergangenen Monaten gefasst und lenkte sich mit öffentlichen Auftritten und der Arbeit ab. Hinter den Kulissen war sie wohl mit Krisenmanagement und Stabilisierungsstrategien beschäftigt. Der Umgang mit Kritik gehört nicht zu ihren starken Seiten. Wenn es darum geht, Nerven zu bewahren und durchzuhalten, ist sie allerdings manch anderem Politiker überlegen.

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