05.04.2008 · Architekt Dominik Heinrich über häufige Fehler in der Altbausanierung
FRAGE: Herr Heinrich, was zeichnet aus Ihrer Sicht die Arbeit mit alten Bauernhäusern und Weingütern aus?
ANTWORT: Das Besondere ist zweifellos, dass diese Gebäude eine Geschichte zu erzählen haben. Sie haben eine Seele, die man aufspüren und bewahren sollte. Der "genius loci" ergibt sich aus deren Lage, den Proportionen, der Gebäudestruktur, den Materialien und Farben. Allerdings ändert sich ihre Nutzung, ein Stall bleibt nicht ein Stall, sondern wird zum Wohnraum, um nur ein Beispiel zu nennen. Das zu planen hat schon seinen Reiz.
FRAGE: Jede Sanierung und Renovierung bringt Veränderungen mit sich. Wie kann man dem Charakter solcher Gebäude dennoch gerecht werden?
ANTWORT: Neue Eingriffe in die Bausubstanz dürfen nicht dazu führen, dass die Altbauten ihr Gesicht verlieren. Das bedeutet aber nicht, dass man sich ihnen anbiedern muss. Man sollte bei den Veränderungen die Gegenwart, das Moderne nicht verleugnen. Gerade die Ablesbarkeit von Alt und Neu kann eine hohe Architekturqualität schaffen. Voraussetzung hierfür ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand und eine auf die Bauaufgabe maßgeschneiderte Detailplanung. Im Übrigen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die gesamte Planung in einem engen Dialog mit dem Eigentümer geschieht. Nur dann kann das tatsächliche Potential des Gebäudes mit der Erwartungshaltung seiner künftigen Bewohner in Einklang gebracht werden.
FRAGE: Welche Fehler werden denn im Umgang mit alten Bauernhäusern häufig gemacht?
ANTWORT: Ohne fachlichen Rat wird der Bauzustand oft überschätzt und gleichzeitig der technische Aufwand unterschätzt. Dies führt zur Kostenexplosion. Häufig werden die vorgefundenen architektonischen Qualitäten nicht erkannt, Proportionen missachtet und falsche Materialien gewählt. Das Resultat ist dann verheerend.
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