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Al Qaida in Mali : In Timbuktu weht die schwarze Fahne

Schwarze Flagge über einer Kaserne in der malischen Stadt Timbuktu Bild: AFP

Al Qaida hat sich in Mali eingenistet - das Land wird zu einem afrikanischen Afghanistan. Der Welt droht ein enormer kultureller Verlust.

          Mali wird zu einem afrikanischen Afghanistan. Seit einigen Tagen kontrollieren radikale Islamisten weite Teile des Nordens, darunter die Städte Kidal, Gao und Timbuktu. Diese Islamistengruppe, die sich „Ansar al Din“ (Verteidiger des Islams) nennt, hat in Timbuktu, das zum Weltkulturerbe gehört, die Scharia eingeführt und die schwarze Fahne des Dschihad gehisst.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Vor allem unterhält Ansar al Din, die sich überwiegend aus malischen Tuareg rekrutiert, beste Kontakte zu der Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim), die seit mehr als zehn Jahren den Sahel terrorisiert. Drei der Aqim-Führer haben sich inzwischen in Timbuktu niedergelassen. Aqim ist neben der Al-Shabaab-Miliz in Somalia die gefährlichste Terrororganisation in Afrika. Sie hält 14 westliche Geiseln in ihrer Gewalt, darunter einen im Januar in Nigeria entführten deutschen Bauingenieur.

          Putsch gegen den Präsidenten

          Alles begann Mitte Januar mit einer neuen Rebellion der Tuareg im Norden Malis. Solche Aufstände hat es in den vergangenen 50 Jahren oft gegeben, doch waren die Forderungen der Tuareg nach wirtschaftlicher Entwicklung für ihr Siedlungsgebiet Azawad und mehr politischer Mitsprache immer in Verhandlungen berücksichtigt worden. Dieses Mal bestand aber der harte Kern der Tuareg-Rebellion aus Söldnern, die seit mehr als zwanzig Jahren für den libyschen Diktator Gaddafi gekämpft hatten. Nach Gaddafis Tod war diese Truppe von mehreren tausend Mann mitsamt schweren Waffen nach Mali zurückgekehrt, um die Unabhängigkeit Azawads von Mali zu erzwingen. Die chronisch schlecht ausgerüstete malische Armee hatte dem Furor der „Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad“ (MNLA) nichts entgegenzusetzen und floh in panischer Angst. Erst fiel die Garnison von Aguelhok, dann die von Kidal.

          Derweil putschte die malische Armee in der Hauptstadt Bamako gegen Präsident Amadou Toumani Touré, weil sie ihm „Unfähigkeit im Kampf gegen den islamischen Terror“ vorwarf. Die Tuareg nutzten das Chaos, um weitere Geländegewinne zu machen. Der Stützpunkt des Oberkommandos für den Norden in Gao wurde ebenso überrannt wie die im 12. Jahrhundert gegründete Stadt Timbuktu, die „Perle der Sahara“. Am Donnerstag riefen die Tuareg einen unabhängigen Staat Azawad aus. Mali ist zweigeteilt: Im Süden regiert eine unfähige Junta, im Norden herrscht Al Qaida.

          180 Millionen aus Lösegeldforderungen

          Die islamistische Komponente der Tuareg-Rebellion ist seit Beginn der Kämpfe Ende Januar sträflich unterschätzt worden. Der maßgebliche Grund dafür war, dass sich die Führung der MNLA mehrfach ausdrücklich von Aqim distanziert hatte. Gleichwohl hatten die Tuareg gemeinsame Sache mit dem Führer von Ansar al Din gemacht, einem Targi namens Iyad ag Ghaly. Der hat den Tuareg-Aufstand benutzt, um den Dschihad nach Mali zu tragen und Aqim einen Stützpunkt in Timbuktu zu verschaffen. Obwohl das Kräfteverhältnis innerhalb der Tuareg-Rebellion unklar ist, sieht es inzwischen so aus, als ob die Extremisten die Oberhand über die Söldner aus Libyen gewonnen hätten.

          Aqim unterhält seit 2007 seine Rückzugsgebiete im Norden Malis und organisiert von dort aus Überfälle und Entführungen vor allem in Niger und Mauretanien. Die malische Regierung hatte die Präsenz der Terroristen geflissentlich übersehen, und im Gegenzug hatte Aqim keine Terrorakte in Mali verübt. Allein mit Lösegeld für mehr als 80 Geiseln soll die Gruppe seither rund 180 Millionen Euro eingenommen haben. Hinzu kommen Einnahmen aus der Zusammenarbeit mit kolumbianischen Drogenkartellen, in deren Auftrag Aqim und etliche Tuareg-Sippen Kokain für den europäischen Markt durch die Sahara schmuggeln. Nach dem Zusammenbruch des libyschen Regimes haben die Terroristen ihr Geld in Waffen investiert, die aus geplünderten Armeedepots stammen. Aqim soll inzwischen sogar über Boden-Luft-Raketen verfügen. Und nicht nur das: In einem selbstgedrehten Video von Ansar al Din, das den Angriff auf Aguelhok dokumentiert, sind Schützenpanzer und Stalinorgeln zu sehen.

          Von den dramatischen politischen Folgen einer Präsenz Al Qaidas in Mali einmal abgesehen, droht der Welt nach der Einnahme von Timbuktu durch die Bärtigen ein enormer kultureller Verlust. Timbuktu beherbergt in 80 Bibliotheken mehr als 100.000 handgeschriebene Manuskripte, die während der Blütezeit der Stadt im 13. und 14. Jahrhundert entstanden und das gesammelte Wissen der islamischen Gelehrten aus dieser Zeit dokumentieren. Wie die Dschihadisten mit solchem Kulturgut umzugehen pflegen, hat das Schicksal der beiden riesenhaften Buddha-Statuen im afghanischen Bamyan gezeigt. 15 Jahrhunderte haben die Statuen in ihren Felsnischen gestanden, haben die Mongolenstürme im 13. Jahrhundert genauso überstanden wie die sowjetische Besatzung. Bis die Taliban sie in die Luft sprengten.

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