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Académie Française Arrogante Sprache

 ·  Das französische Parlament will die regionalen Sprachen - das Korsische und das Bretonische, die Sprache der Elsässer und der Basken - zum nationalen Kulturgut erklären. Die „Académie Française“ sieht nun die französische Sprache bedroht.

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Öffentliche Verlautbarungen der „Académie Française“ haben Seltenheitswert. Zwar sind ihre – bei Vollbesetzung – vierzig Mitglieder in den kulturellen und politischen Debatten präsent. Doch als Institution übt sich „die alte Dame vom Quai Conti“, an deren wöchentlichen Zusammenkünften am Wörterbuch der französischen Sprache gearbeitet wird und die anstehenden Wahlen sowie Preisverleihungen vorbereitet werden, in politischer Abstinenz.

Nur wenn es um die Sprache geht, greift die Akademie der „Unsterblichen“ in die Gegenwart ein. Sie bremste die Rechtschreibereform aus, bezog zu Fragen des Schulunterrichts Stellung und bekämpft nach wie vor die weibliche Schreibweise der Berufsbezeichnungen. Verzweifelt halten die unsterblichen Männer und ein paar Frauen an „Madame le professeur“ fest und wollen keine „écrivaine“, Schriftstellerin. Jetzt aber geht es nicht um irgendwelche Zerfallserscheinungen des Französischen, das die Akademiker – in Uniform und mit einem Schwert – symbolisch und nicht ganz erfolglos verteidigen. Zumindest bis weit ins Jahr 2008 hat es allen Prognosen zum Trotz sogar das Englische überlebt.

Zusammenhalt bedroht

„Seit mehr als fünf Jahrhunderten“, beginnt die Erklärung, welche die selbst fast vierhundert Jahre alte „Académie Française“ an ihrer letzten Sitzung einstimmig gefasst hat: „Seit mehr als fünf Jahrhunderten hält die französische Sprache Frankreich zusammen.“ Dieser Zusammenhalt ist bedroht – und mit ihm „die nationale Identität“. Das sehr viel jüngere Parlament berät über eine Verfassungsreform. Und darin halten Linke und Rechte fest, dass die regionalen Sprachen – das Korsische und das Bretonische, die Sprache der Elsässer und der Basken – nationales Kulturgut sind. „Daran zweifelt niemand“, empört sich die Akademie.

Im Prozess der Zivilisierung und der Zentralisierung verdrängte das Französische die Sprachen der Minderheiten und wurde zum Idiom der unteilbaren Republik. Die Akademie appelliert an den Senat, die zweite Kammer, und will den historischen Irrtum rückgängig machen. In der Bretagne und anderen Regionen hält man die Anerkennung ihrer gebeutelten Sprache für einen ebenso historischen Fortschritt. Und „in einer Zeit, da nach Australien auch Kanada gerade bei seinen Ureinwohnern Abbitte geleistet hat“, eher für ein Minimum. Frankreichs Minderheiten haben die Demütigungen aus fünfhundert Jahren Zentralismus nicht ganz vergessen: „Arrogante Akademie“. Ihr wird vorgeworfen, einen alten Kulturkampf neu entfacht zu haben. Er ist so überflüssig wie es der Streit um den Laizismus (und das islamische Kopftuch) war.

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Jahrgang 1951, Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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