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Abu Dhabi Fass auf, Öl raus, Kunst rein

Der Verpackungskünstler Christo plant in Abu Dhabi eine Skulptur aus 410.000 Ölfässern. Sie kostet 340 Millionen Dollar. Was soll der Irrsinn?

© dpa Vergrößern Für die Verhüllung des Berliner Reichstages im Jahr 1995 bekam Christo noch viel Applaus. Für seine Pläne in Abu Dhabi wird er jetzt kritisiert.

Abu Dhabi ist bekannt für seine megalomanen Kulturprojekte. Mit dem Plan des millionenschweren Louvre-Ablegers und der Guggenheim-Zweigstelle hat das Emirat bereits bewiesen, dass es dem Westen in Sachen Kulturprotzerei um nichts nachsteht. Wenn Ölscheichs nun aber auf ebenso megalomane Künstler treffen, wird es Zeit, unseren Begriff der Superlative zu überdenken. Die neue Monstrosität stammt von Christo. Inmitten der Wüste Abu Dhabis will er rund 410 000 leere Ölfässer zu einer gigantischen Skulptur auftürmen, die mit 150 Metern Höhe die Pyramiden von Gizeh in den Schatten stellen könnte.

Die leeren Ölfässer als kritische Kunst?

Mit geschätzten 340 Millionen Dollar wird die „Mastaba“ das teuerste Kunstwerk der Welt werden, so berichtete „The Guardian“ vergangenen Samstag. Bereits Ende der siebziger Jahre entwarf Christo mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude die ersten Pläne für das Projekt. Nun wurden die nötigen „unabhängigen“ Privatsponsoren gefunden. Wer sind sie? Darüber will Christo ungern Auskunft geben. Die königliche Familie sei jedenfalls „davon begeistert“. Nicht verwunderlich, dass bei einem solchen Vorhaben die Meinungen auseinandergehen. Die einen verurteilen die Hybris und Geldverschwendung des Projekts, die anderen wollen Christo hingegen eine politische Agenda andichten.

Die leeren Ölfässer werden als kritisches Monument für die in Abu Dhabi angeblich in dreißig Jahren zu Ende gehenden Ölvorkommen gelesen und als subversive Gesellschaftskritik gelobt. Es erfordert durchaus Phantasie, will man Christo als politisch engagierten Umweltaktivisten ernstnehmen, zumal seine vergangenen Verhüllungsprojekte häufig selbst die Kritik von Naturschützern auf sich zogen. Laut eigener Aussage des Künstlers hat die „Mastaba“ (deren Name auf altägyptische Elite-Grabbauten verweist) keinerlei politischen Gehalt: „Wir machen nur Arbeiten aus Freude und Schönheit.“ Ungeschickt wirkt es dann aber, wenn diese Schönheit ausgerechnet in einem der bedeutendsten Ölländer in Form von Ölfässern daherkommt (und dabei auch noch von Ölscheichs finanziert wird). Man muss kein Politikexperte sein, um die platte Symbolik - sei sie nun beabsichtigt oder nicht - geschmacklos zu finden.

Der Traum vom Gold kostet viel Geld

„Wenn die Sonne aufgeht“, so schwelgt Christo, wird die vertikale Wand aus roten und gelben Fässern wie ein Mosaik glitzern, „als wäre sie ganz aus Gold“. Über Gold (wenn auch in anderer Form) werden sich wohl auch die Investoren freuen, die dem „achten Weltwunder“ gleich noch einen „Kunst-Campus“ samt Luxushotels und Restaurants anheften. Schließlich soll die „Mastaba“ auch noch einen weiteren Rekord sprengen. Pro Jahr werden zwei Millionen Kunstpilger erwartet.

Quelle: F.A.Z.

 
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