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Veröffentlicht: 28.05.2014, 18:10 Uhr

Abchasien Ein Umsturz von Moskaus Gnaden?

In der von Georgien abtrünnigen Provinz Abchasien ist ein Machtkampf zwischen der Opposition und dem „Präsidenten“ entbrannt - und der Kreml redet ein kräftiges Wörtchen mit.

von , Moskau
© Reuters Schöner Wohnen: Demonstranten machen es sich im gestürmten Präsidentenpalast gemütlich

Im postsowjetischen Raum ist die Besetzung öffentlicher Gebäude in den vergangenen Monaten ein beliebtes Mittel politischer Aktion geworden. Dabei gilt der „Majdan“ als Vorbild - zumindest rhetorisch sogar in Moskau, wo die Eroberung südostukrainischer Behördensitze durch bewaffnete Männer in Flecktarn als authentische Äußerung des Volkszorns nach Kiewer Vorbild gewertet wird. Nun soll auch die abchasische Hauptstadt Suchumi ihren „Majdan“ haben, wie die russische Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ schreibt. Offen bleibt derweil, was für ein „Majdan“ es ist.

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In der von Georgien abtrünnigen Region Abchasien hatten Anhänger der Opposition kurzzeitig den Sitz der sogenannten Präsidialverwaltung in Suchumi gestürmt, Sicherheitskräfte drängten sie aber wieder zurück. „Sogenannten“, weil Alexander Ankwab außerhalb Abchasiens nur an wenigen Orten als Präsident anerkannt ist.

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2008 hatte sich die Provinz nach dem kurzen russisch-georgischen Krieg von Tiflis losgesagt. Außer Russland erkennen Abchasien nur Venezuela, Nicaragua und Nauru als Staat an; der Inselstaat Tuvalu nahm seine Anerkennung Ende März zurück, weil sich seine neue Regierung entschieden hatte, wieder diplomatische Beziehungen mit Georgien aufzunehmen. Hinzu kommen Anerkennungen durch Südossetien, jene ebenfalls seit 2008 von Georgien abtrünnige Provinz, Nagornyj Karabach und Transnistrien. Als „Präsident“ hat Ankwab somit ohnehin wenige Freunde in der Welt, doch nun hat er es offenbar sogar innerhalb Abchasiens schwer, und womöglich, was noch gravierender wäre, auch in Moskau.

Die Staatskassen sind leer

Das zeigt der genaue Verlauf des Geschehens: Am Dienstagabend demonstrierten zunächst Oppositionelle vor dem Sitz der Präsidentenverwaltung. Laut russischen Medienberichten wandten sie sich gegen Korruption und gegen den autoritären Führungsstil der Regierung. Der russische Internetdienst „newsru.com“ berichtete, auf der Protestveranstaltung sei gerügt worden, dass Abchasien trotz einer russischen Unterstützung von 900 Millionen Dollar kurz vor dem Bankrott stehe, weil das Geld in Stadions, Schwimmbäder und weitere Bauten zur privaten Verwendung des „Präsidenten“ geflossen sei. Bis zu 10.000 Menschen sollen gekommen sein - bei gut 240.000 Einwohnern Abchasiens wären das viele.

Doch angeblich ging es nicht nur um Korruptionsvorwürfe: „Newsru.com“ zitierte einen abchasischen Oppositionellen, Wladimir Santarija, mit dem Vorwurf, die Regierung kümmere sich nicht genug um die „Integration Abchasiens mit Russland“. Staatliche russische Nachrichtenagenturen berichteten, Ankwab habe sich auch auf wiederholtes Verlangen der „Volksversammlung“ nicht gezeigt. Er sei aber in Verhandlungen mit Vertretern der Opposition getreten, in deren Verlauf er sich zur Entlassung seiner Regierung, des Generalstaatsanwalts und Leitern dreier Kreise bereiterklärt habe. Die Oppositionellen hätten Ankwab versichert, es werde nicht zu einem Sturm des Gebäudes gekommen, dann aber die Kontrolle über die Demonstranten verloren. Einige von diesen seien ins Gebäude eingedrungen, woraufhin Ankwab versichert habe, keine Entscheidung unter Druck treffen zu wollen.

Sondersitzung des Parlaments gescheitert

Am Mittwoch gab es unterschiedliche Angaben darüber, ob die betreffenden Personen noch im Amt seien. Ankwab, so schrieb „newsru.com“ unter Berufung auf einen abchasischen Blogger, sei in seinem Privatauto geflohen. Dem abchasischen Fernsehen sagte der „Präsident“ am Mittwoch, das Gebäude seiner Verwaltung sei besetzt worden. Von einem unbekannten Ort wies er Berichte zurück, er sei nicht mehr in Abchasien. Er sagte, er berate mit seinem Sicherheitsrat über die Lage. „Die Sicherheitskräfte stehen loyal zum Staat und treffen Maßnahmen, die Lage zu stabilisieren.“ Es handele sich um einen Versuch, die Macht mit Gewalt zu ergreifen. Auch ein Fernsehgebäude sei besetzt worden, unter anderem von bewaffneten Männern.

29438347 © AFP Vergrößern Raul Khadjimba, einer der Führer der abchaischen Opposition, vor dem Eingang des Präsidentenbüros im abchasischen Suchomi

Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte aus einer gemeinsamen Erklärung des abchasischen Innenministeriums, die vor „katastrophalen Folgen“ einer „Eskalation“ warnten. Sie verurteilten demnach die „verfassungswidrigen Methoden, die zu einer Destabilisierung der Lage im Land führen“. Einer der Anführer der Opposition, Raul Chadschimba, äußerte, ein „Koordinationsrat von Oppositionsparteien und -organisationen Abchasiens“ habe die Macht übernommen. Eine geplante Sondersitzung des Parlaments scheiterte - angeblich, weil zu wenige Abgeordnete anwesend waren. Die Opposition wollte eine Botschaft an das Volk vorbereiten, derweil Parteigänger Ankwabs ihre eigene Volksversammlung abhalten wollten.

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