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991 Stimmen im ersten Wahlgang Joachim Gauck zum Bundespräsidenten gewählt

Joachim Gauck ist der elfte Bundespräsident Deutschlands. Der 72 Jahre alte Theologe erhielt in der Bundesversammlung im ersten Wahlgang 991 von 1228 gültigen Stimmen. Gegenkandidatin Beate Klarsfeld bekam drei Stimmen mehr als die Linke Wahlleute entsandt hatte.

© dpa Die Bundeskanzlerin gratuliert: Mit Angela Merkel und Joachim Gauck stehen nun zwei ostdeutsche Protestanten an der Spitze des Staates


Der neugewählte Bundespräsident Gauck möchte zu einem Abbau der Kluft zwischen Politik und Bürgern beitragen. Nach seiner Wahl durch die Bundesversammlung sagte der 72 Jahre alte Theologe am Sonntag: „Ich werde mit all meinen Kräften und meinem Herzen ,Ja‘ sagen zu der Verantwortung, die Sie mir heute gegeben haben.“ Er wolle „unbedingt mitwirken“, dass sich Regierende und Bürger wieder einander annäherten. Seine kurze Ansprache im Plenarsaal des Bundestages begann Gauck mit dem Satz: „Was für ein schöner Sonntag.“

Er bezog das vor allem auf den 18. März 1990 – den Tag der ersten freien Wahl zur DDR-Volkskammer, für die er damals für das „Neue Form“ kandidiert hatte. Damals habe er sich geschworen: „Ich werde niemals eine Wahl versäumen.“ Erstmals habe er damals Bürger sein und mitbestimmen dürfen, wer regieren solle. „Nie werde ich diese Wahl vergessen.“ Gauck sagte, er werde nicht alle Erwartungen an ihn erfüllen können. Er werde sich auf neue Themen, Probleme und Personen „einlassen“.

© reuters Joachim Gauck neuer Bundespräsident

Gauck wurde im ersten Wahlgang gewählt. Von den 1232 abgegebenen Stimmen erhielt er 991 Stimmen. Die von der Linkspartei aufgestellte Beate Klarsfeld bekam 126 Stimmen; seitens der Linkspartei waren 123 Delegierte anwesend gewesen. Der Historiker Olaf Rose, der von der NPD (drei Delegierte) nominiert worden war, bekam drei Stimmen. 108 Delegierte enthielten sich, vier Stimmen waren ungültig. Von den 1240 Delegierten der Bundesversammlung hatten acht gefehlt.

Mit seiner Wahl durch die 15. Bundesversammlung ist Gauck der elfte Bundespräsident seit 1949. Als Nachfolger des am 17. Februar zurückgetretenen Christian Wulff nimmt Gauck an diesem Montag seine Amtsgeschäfte auf. Am Dienstag wird er beim Festakt zum 800. Jubiläum des Thomanerchores in Leipzig zugegen sein. Am Freitag ist die Vereidigung Gaucks vor Bundestag und Bundesrat im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes vorgesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: „Und dann wird er sein Amt gut für unser Land wahrnehmen.“ Der Oberbürgermeister von Rostock, Roland Methling, kündigte an, die Bürgerschaft von Gaucks Heimatstadt werde am 4. April über die Vergabe der Ehrenbürgerschaft an den neuen Bundespräsidenten befinden.

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Zur Eröffnung der Bundesversammlung sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU): „Demokratie braucht Vertrauen. Sie basiert vor allem auch auf dem Vertrauen in ihre Repräsentanten.“ Mit Blick auf den zweiten Fall in Folge, dass ein Bundespräsident vor Ablauf der Wahlperiode seines Vorgängers zu wählen sei, äußerte Lammert: „Der vorzeitige Wechsel im höchsten politischen Amt der Republik ist weder eine Staatskrise noch eine Routineangelegenheit.“ Lammert sagte weiter, es gebe Anlass „für selbstkritische Betrachtungen, nicht nur an eine Adresse“.

Er nannte es „eine glückliche Fügung“, dass die Bundesversammlung auf den historisch bedeutenden 18. März falle und – den normalen Fünf-Jahres-Rhythmus vorausgesetzt – auch bei den nächsten Bundespräsidentenwahlen fallen werde. Lammert verwies auf die Ereignisse im März 1848 und darauf, dass am 18. März 1990 die ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer abgehalten worden seien.

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