16.02.2012 · Ein Meer von „Kimjongilia“-Blumen, dazu eine riesige Militärparade, Eislauf-Show, Synchronschwimmen und Feuerwerk. Nordkorea feiert den 70. Geburtstag des verstorbenen Staatsführer Kim Jong-il.
Von Petra Kolonko, PekingNordkorea hat mit einer Militärparade und sportlichen Großveranstaltungen den Geburtstag eines Verstorbenen gefeiert. Staatsführer Kim Jong-il wäre am heutigen Donnerstag 70 Jahre alt geworden. Er starb am 18. Dezember an einem Herzanfall. In klirrender Kälte strömten bereits am frühen Morgen in Pjöngjang Menschen zum Kumsusan-Palast, in dem Kim Jong-il aufgebahrt ist. Sie legten dort Blumen nieder, darunter auch die nach dem verstorbenen Machthaber benannte spezielle Begonienzüchtung „Kimjongilia“.
Kim Jong-ils Geburtstag ist bereits seit Langem in Nordkorea Feiertag, jetzt wurde er als „Tag des strahlenden Sterns“ benannt. Dieses Jahr hätte der Geburtstag besonders groß gefeiert werden sollen, weil auch der 100. Geburtstag des Vaters und Begründers der Kim-Dynastie, Kim Il-sung, zu begehen ist. Die Parteizeitung „Rodong Simbum“ lobte die Verdienste des Verstorbenen. Er habe Nordkorea zu einer Atommacht gemacht, die niemand geringschätzen dürfe. Auf der ganzen Welt gebe es keinen Führer wie ihn, zitierten die staatlichen Medien Trauergäste.
Kim Jong-il hat Nordkorea 17 Jahre in uneingeschränkter Machtfülle geführt, jetzt wird er noch posthum mit Ehrungen überhäuft. Vor wenigen Tagen ist er zum Generalissimus ernannt worden, ein Titel der bislang nur seinem Vater zugestanden hatte. Eine Inschrift mit seinem Namen wurde an einer riesigen Felswand enthüllt. Am Dienstag war eine sechs Meter hohe Bronzestatue eingeweiht worden, die Kim Jong-il zusammen mit seinem Vater hoch zu Ross zeigt. Eine Sonder-Medaille wurde geprägt, die auf der einen Seite ein Jugendbildnis Kim Jong-ils und auf der anderen ein Bild des Blockhauses zeigt, in dem er angeblich geboren wurde. Die Prägung der Medaille lautet „Der große Genosse Kim Jong-il lebt ewig“. Die Medaille wurde als besondere Auszeichnung zum Geburtstag 132 verdienten Genossen, vor allem Spitzenfunktionären von Partei und Militär verliehen.
Ein in schwarz gekleideter Sohn und Nachfolger Kim Jong-un nahm eine Militärparade ab. Er verbeugte sich tief vor dem Porträt seines Vaters. Die nordkoreanischen Medien nutzten die Gelegenheit, um Militär und Bevölkerung auf den jungen Nachfolger einzuschwören. Daher gab es nicht nur Trauerfeierlichkeiten, sondern auch seltene Vergnügungen, wie eine Eislauf-Show, Synchronschwimmen, ein Feuerwerk und eine Ausstellung von Kimjongilia-Blumen. Kim Yong-nam, der als Staatsoberhaupt fungiert - der verstorbene Staatsgründer Kim Il-sung gilt als der „ewige Präsident“ - versicherte, dass das Militär den neuen jungen Führer Kim Jong-un mit seinem Leben verteidigen werde.
Der erst 29 Jahre alte Kim Jong-un hat sich seit dem Tod seines Vaters, besonders beim Militär eingeführt und bei verschiedenen Einheiten Antrittsbesuche gemacht. Er wird von der Propaganda als militärisches Genie gepriesen, da er bereits in jungen Jahren große Leistungen vollbracht habe. Von Leistungen in der Wirtschaftspolitik, die das arme Land dringend nötig hätte, war noch nicht die Rede.
die blume Kimjongilia
Detlef Weise (detlef.weise)
- 16.02.2012, 17:00 Uhr
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