Die milliardenschwere Umlage zur Finanzierung des Stroms aus erneuerbaren Quellen wird im nächsten Jahr voraussichtlich nicht wie von der Regierung nahegelegt sinken, sondern weiter steigen. Das legen Zahlen der vier Betreiber des Übertragungsstromnetzes nahe, die jetzt im Internet veröffentlicht wurden. Demnach lag das Konto, auf dem Einnahmen und Ausgaben nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) saldiert werden, trotz der Erhöhung der EEG-Umlage um 70 Prozent zu Jahresbeginn Ende August wieder mit 453 Millionen Euro im Minus. Im April hatte es noch einen Überschuss von 783 Millionen Euro ausgewiesen, bevor es im Juli ins Minus rutschte. Gründe sind der Vortrag des 2010 aufgelaufenen Milliardendefizits, der Bau neuer Anlagen und der weiter wachsende Anteil des Ökostroms am Energieverbrauch.
Deshalb könne die Netzumlage nicht sinken, sondern werde "moderat" in einer Größenordnung von vielleicht 10 Prozent steigen, mutmaßen Kreise der Netzbetreiber. Das sei alleine deshalb notwendig, weil immer mehr Windräder und Photovoltaikanlagen installiert werden müssten, um die Ausbauziele der Regierung zu erreichen. Die will, dass im Jahr 2020 mindestens 35 Prozent der Stromnachfrage aus regenerativen Quellen kommen. Im ersten Halbjahr waren es nach einem Frühjahr mit starkem Wind und hoher Sonneneinstrahlung 20 Prozent.
Für eine höhere Umlage als derzeit 3,5 Cent je Kilowattstunde spreche auch der im reformierten EEG vorgesehene mögliche Aufbau einer Liquiditätsreserve von 10 Prozent, hieß es bei den Netzbetreibern. Allein damit stiege die Umlage rechnerisch auf 3,85 Cent je Kilowattstunde. Allerdings debattierte man noch mit der Bundesnetzagentur darüber, ob die Regel 2012 oder erst 2013 anzuwenden sei.
Hintergrund ist der Umstand, dass das Gesetz zwar im Januar in Kraft tritt, die für 2012 gültige EEG-Umlage aber schon Mitte Oktober von der Bundesnetzagentur bekanntgegeben werden muss. Basis der Kalkulation sind die ersten neun Monate 2011. Damit stellt sich die Frage, ob die Liquiditätsreserve im Oktober für 2012 eingepreist werden darf.
Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte im Frühjahr den auch von Umweltverbänden und Grünen erweckten Eindruck gestärkt, die Umlage sei zu stark angehoben worden, weshalb sie 2012 sinken könne. Seine parlamentarische Staatssekretärin Katherina Reiche (CDU) hatte auf eine Anfrage der Grünen geantwortet, das Ministerium rechne damit, dass die Umlage nach dem erst 2012 vorliegenden endgültigen Rechnungsabschluss "unter 3 Cent je Kilowattstunde liegen wird". Das hätte Spielraum gegeben, um die Umlage zu verringern und Stromkosten zu senken.
Würde sich der Trend der vergangenen Monate dagegen im September fortsetzen, wofür nach Angaben von Fachleuten einiges spricht, wäre zum Stichtag mit einem Minus von 800 bis 900 Millionen Euro zu rechnen. Ende 2010 hatte das Defizit 1,2 Milliarden Euro betragen. Das immerhin ist durch die Erhöhung der Umlage weitgehend abgetragen worden.
Ende August hatten die Betreiber regenerativer Elektrizität für ihren Strom aus Wind, Photovoltaik, Wasser oder Biogas als Einspeisevergütung 10,87 Milliarden Euro erhalten. Da die Netzbetreiber den Strom nicht nur abnehmen, sondern auch an der Börse verkaufen müssen, ist dessen Wert bekannt. Er lag bei 2,98 Milliarden Euro. Das ist wenig mehr als ein Viertel der dafür aufgewandten Kosten. Netto, nach Abzug des Börsenverkaufspreises, ergibt sich für die ersten acht Monate eine EEG-Umlage für die Förderung des Ökostroms von 8,6 Milliarden Euro.
Röttgen sagte am Dienstag im Bundestag, 80 Prozent der Verbraucher fänden die EEG-Umlage "okay". Die Regierung werde die großen Potentiale der erneuerbaren Energien, "nachdem wir das im Strommarkt ermöglicht haben, auch im Wärmemarkt erschließen". Darum werde er im nächsten Jahr ein grundlegend novelliertes EEG-Wärmegesetz vorlegen.
@Thomas Wolfgang (Tom-Mogontiacum) Falsch!
Christian Wrobel (luke123)
- 09.09.2011, 17:21 Uhr
@ Ludwig Kirschstein (Bleyfuss): Wir haben allen Grund zu jammern!
Thomas Wolfgang (Tom-Mogontiacum)
- 09.09.2011, 10:51 Uhr
@ Christian Wrobel (luke123): Falsch!
Thomas Wolfgang (Tom-Mogontiacum)
- 09.09.2011, 10:30 Uhr
@Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung
Christian Wrobel (luke123)
- 08.09.2011, 21:18 Uhr
@Kirschstein
Frank Marx (NoGreen)
- 08.09.2011, 18:49 Uhr