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Alternativen zur Kernkraft Energieagentur warnt vor Folgen des Atomausstiegs

 ·  Mit mehr Kohlendioxid und höheren Energiepreisen sei zu rechnen, sagt Chefökonom Fatih Birol und lobt zugleich Deutschland für den Ausbau alternativer Energien. Er hält Emissionshandel als eine wichtige Bedingung für den Erfolg von alternativen Energien.

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Ein Zurückdrängen der Atomenergie wird die Kohlendioxidemission und die Energiepreise wesentlich erhöhen. Dies sagt die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris in ihrer jüngsten Prognose voraus. Zudem fürchtet die Agentur weiter hohe Ölpreise infolge der politischen Spannungen in Nordafrika. Es sei möglich, dass die Kohlendioxidemission bei einem weltweiten Teilrückzug aus der Kernenergie im Jahr 2035 um 500 Millionen Tonnen höher liegen wird als ohne diesen Teilrückzug, sagte der IEA-Chefökonom Fatih Birol im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das entspräche ungefähr dem weltweiten Wachstum der Kohlendioxidemissionen von fünf Jahren“, hat der Energiefachmann der zur Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) gehörenden Agentur errechnet. „Dies würde es schwer machen, den Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen.“

Birol sagt, er respektiere Entscheidungen gegen die Atomkraft wie jene der deutschen Regierung. Kein Land solle eine Energiepolitik gegen die Wünsche seiner Bürger durchsetzen. Er hofft jedoch, dass Politiker und Bürger auf der Basis vollständiger Informationen handeln. Denn Beschlüsse hätten eine Tragweite von 40 bis 50 Jahren. „Ich hoffe, dass die Konsequenzen nicht nur im Blick auf die nuklearen Risiken, sondern auch auf den Klimawandel und die Energiepreise in den kommenden Monaten mehr und mehr der Öffentlichkeit klargemacht werden.“

Für seine jüngste Modellrechnung legt er die IEA-Prognose von Ende 2010 zugrunde, die seine Agentur zu diesem Zeitpunkt für am wahrscheinlichsten hielt. Damals ging die IEA davon aus, dass sich die nukleare Energie-Erzeugungskapazität der Welt in den kommenden 25 Jahren um 360 Gigawatt erhöhe. Wenn sich diese Zunahme infolge der Katastrophe von Fukushima nun halbieren sollte, dann sei eine verstärkte Nutzung von Kohle, Gas und erneuerbaren Energien wahrscheinlich. Dafür veranschlagt er jeweils eine Zunahme von einem Drittel. Der Anteil der Nuklearenergie schrumpfe dann von 14 auf 9 Prozent. Neben höheren Preisen, die er nicht schätzen will, und mehr Kohlendioxidemissionen sinke dadurch auch die Versorgungssicherheit. „Denn je diversifizierter die Energiequellen sind, desto besser.“

„Das Zeitalter billigen Öls ist vorbei“

Der Ölpreis wird von den Vorgängen in Fukushima nur am Rande beeinflusst. Wichtiger seien auf diesem Markt die Nachfrage in China und den Vereinigten Staaten sowie die Erwartungen zur Angebotsausweitung. „Bisher gingen wir davon aus, dass 90 Prozent des Produktionsanstiegs in den kommenden zehn Jahren aus dem Nahen Osten und Nordafrika kommen würden“, erläutert Birol. „Doch aufgrund der geopolitischen Spannungen wird es nun immer schwieriger, in dieser Region zu investieren.“

Der Energie-Experte rechnet daher mit fortgesetzt hohen Ölpreisen. „Ich wäre schon nicht sehr unglücklich, wenn wir 2011 einen Durchschnittspreis von 100 Dollar je Barrel (je 159 Liter) hätten.“ Zum Vergleich: Im Jahr 2008 - das die Fachleute als „schreckliches Jahr“ bezeichnen, weil der Preis im August 147 Dollar erreichte - betrug der Durchschnittspreis 96 Dollar. Seit Anfang 2011 notiert der Preis durchschnittlich bereits bei 107 Dollar. „In den letzten vierzig Jahren hat sich gezeigt, dass solchen Preisspitzen immer Rezessionen folgten“. Das sei derzeit besonders zu bedenken, weil der Aufschwung noch zart sei.

„Das Zeitalter billigen Öls ist vorbei“, meint Birol. Er heißt in diesem Zusammenhang den Ausbau der erneuerbaren Energien gut. „Was Deutschland gemacht hat, ist bewundernswert. Das kann ein Modell für viele Länder sein.“ Er bedauert es, dass der Klimawandel schon vor Fukushima in den Augen etlicher Regierungen an Bedeutung verloren hat. Eine wichtige Bedingung für den Erfolg von alternativen Energien sei der Emissionshandel. Er sollte sich so wie heute nicht nur auf Europa beschränken. Die europäischen Preise für Kohlendioxidemissionen hält er aber noch für zu niedrig. Der IEA-Chefökonom spricht sich zudem dafür aus, die Subventionen nur auf Energiequellen mit wirtschaftlicher Zukunft zu konzentrieren. „In vielen europäischen Ländern sollte geprüft werden, ob alle Sonnenenergie-Projekte die hohen Subventionen wirklich wert sind.“ Schon aus haushaltspolitischen Gründen sollte keine Energiequelle lange subventioniert werden, die nicht über die Jahre eine Senkung ihrer Kosten und damit des Subventionsbedarfs unter Beweis stellen könne.

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