27.10.2008 · 1,4 Million Wohnungen müssen weg. Vor allem in Ostdeutschland wird der Bevölkerungsschwund für riesigen Leerstand sorgen. Allein Sachsen-Anhalt und Thüringen werden in den kommenden Jahren noch ein Drittel ihrer Einwohner verlieren.
Mit einem Paukenschlag haben die Vorstände der sieben ostdeutschen Mitgliederverbände im GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen ihren Stadtumbaukongress in Leipzig abgeschlossen. Sie weisen auf Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hin, wonach bis 2050 eine Abnahme der Bevölkerung um ein Drittel droht, auf dann nur noch 9,13 Millionen Menschen und in Westdeutschland 14 Prozent weniger, auf dann nur noch 56,7 Millionen Menschen.
Bis 2020, so heißt es in der gemeinsam von den Verbänden verabschiedeten „Leipziger Erklärung“ müssten im Ostteil des Landes bis zu 1,4 Millionen leerstehende Wohnungen abgerissen werden - allein zwischen 2010 und 2016 jährlich 200.000 bis 250.000. Diese von 2010 an heranrollende Leerstandswelle überfordere die Wohnungswirtschaft ebenso wie die Städte und Gemeinden. Deshalb müsse der Abriss mit 60 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gefördert werden. Dieser Betrag decke in etwa die Kosten der Unternehmen durch den Rückbau.
Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland hält an
Während die Bevölkerung in den alten Bundesländern seit der politischen Wende Anfang der neunziger Jahre um 6,7 Prozent zugenommen hat, das sind 4,1 Millionen Menschen, sank sie in den neuen Bundesländern um 1,6 Millionen Menschen; das entspricht einem Verlust von 11 Prozent. Vor allem junge Menschen wanderten in den Westen ab. Sachsen-Anhalt wird nach den Erwartungen bis 2050 weitere 35,3 Prozent seiner Bevölkerung verlieren, Thüringen fast 33 Prozent, Hessen und Nordrhein-Westfalen jeweils 15,4 Prozent, Berlin 14,3 Prozent, Bayern 10,1 Prozent, Baden-Württemberg 9,7 Prozent und Hamburg 4,9 Prozent.
Ohne Abrisse drohe eine Abwärtsspirale und werde die Zahl der Leerstände von heute 780 000 bis zum Jahr 2020 auf 1,4 Millionen steigen lassen. Der Abriss sei städtebaulich unbedingt erforderlich, sagen die Verbandsdirektoren. Nur auf diese Weise könne sichergestellt werden, dass die Städte trotz der sinkenden Bevölkerungszahlen ihre Rolle als Entwicklungs- und Versorgungszentren aufrechterhalten. Andernfalls drohe eine Spirale aus Abwanderung, leerstehenden Quartieren und weiterer Abwanderung. Nur ein geordneter Rückbau könne die Zukunftsfähigkeit der ostdeutschen Städte sichern.
Wohnungsunternehmen fordern Förderung
Neben der 60 Euro-Abrissprämie fordert die Wohnungswirtschaft im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms ein ganzes Bündel von Förderungen:
- die Beibehaltung der hälftigen Verteilung der Programmmittel auf Abriss und Aufwertung,
- eine Anschlussregelung in der Altschuldenregelung über 2010 hinaus und eine solide Neuschuldenregelung,
- Konzentration der Förderung auf Innenstädte und zukunftsfähige Stadtteile,
- Wiedereinführung einer bundesweiten Investitionszulage zur Stärkung der Innenentwicklung
- sowie den Stadtumbau Ost als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Die Mitgliedsunternehmen der sieben in Leipzig tagenden wohnungswirtschaftlichen Verbände bewirtschaften in den neuen Bundesländern gut 2,3 Millionen Wohnungen. Das entspricht mehr als der Hälfte des dortigen Mietwohnungsbestandes. Bis Ende 2007 sind im Rahmen des Stadtumbau-Ost-Programms annähernd 200.000 Wohnungen abgerissen worden. Bis 2010 sollen weitere 150.000 folgen. Aufgrund dieses Rückbaus ist der Leerstand bei den Mitgliedsunternehmen der sieben in Leipzig tagenden Wohnungsverbände seit seinem Höhepunkt im Jahr 2002 von 16,4 Prozent auf mittlerweile 11,4 Prozent gesunken; das sind 252.000 Wohnungen.