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Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Wohnungsbau Lückenfüller Holz

01.03.2010 ·  Was Ikea ankündigt, können andere schon lange: mehrgeschossige Holzhäuser in Ballungszentren bauen. Längst entstehen Wohngebäude mit fünf Stockwerken und mehr. Noch sind sie Exoten. Doch das könnte sich ändern.

Von Jörg Niendorf
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Am Mittwoch dieser Woche wird das Ikea-Haus in Deutschland vorgestellt. Kostengünstige Eigenheime will der schwedische Möbelkonzern auf den Markt bringen, natürlich im typischen Klick-und-Steck-System: Fertigbauten in Holzbauweise, deren Module sich konkurrenzlos schnell vorfertigen und aufrichten lassen. Selbst zusammenschrauben müssen die Käufer ihre Häuser nicht, die Montage übernimmt eine professionelle Baufirma, die die Hausteile auch produziert.

Auch Mehrfamilienhäuser soll es von Ikea geben, speziell für die Ballungsräume und zur Nachverdichtung in Wohngebieten. Der Holzbauweise in den Städten, und damit einem Fertigbau mit mehreren Stockwerken, könnte das ganz neuen Auftrieb geben. Denn Fachleute fordern schon seit längerem: Erfahrungen aus dem effizienten, industrialisierten Einfamilienhausbau sollten in den Wohnungsbau übernommen werden.

Holzbau für die Stadt

„Notwendig ist ein fünfgeschossiger, industriell vorgefertigter Holzbau für die Stadt“, sagt etwa Carsten Roth, Professor für Konstruktives Entwerfen an der Technischen Universität Braunschweig. Solch ein „urbanes Fertighaus“ hat Roth in einem Forschungsvorhaben entwickelt, in Hamburg will der Architekt einen Prototyp bauen lassen. Andere Leuchtturmprojekte gibt es schon in Berlin, in Freiburg und anderen Städten. Dort haben experimentierfreudige, meist auf das ökologische Bauen ausgerichtete Baugruppen mitsamt Architekten ihre Mehrfamilienhäuser aus Holz verwirklicht. Die Strahlkraft ist groß, aber der Nachahmereffekt im großen Stil bleibt noch aus. Wohl aber hätte die Holztafelbauweise das Zeug zur Massentauglichkeit, sagt Roth. Das heißt, der Einsatz von hölzernen Wandtafeln, die im Nu zusammengesetzt werden können.

Dieses Baukastenprinzip, nach dem in den Vororten und auf dem Land gebaut wird, lasse sich genauso in jeder Baulücke im Zentrum verwirklichen. Damit könnten auch innerstädtische Grundstücke günstig bebaut werden. Im Eigenheimbau hat sich gezeigt, dass individuelle Grundrisse möglich sind, darauf haben sich die Fertighausanbieter eingestellt und entsprechende Produktionsanlagen entwickelt. Diese Variabilität und eine breite Produktpalette sind wichtig für größere Vorhaben, um auch dort vielgestaltige Wohnungsformen auf allen Ebenen zu ermöglichen.

Im Idealfall: Mischbauweise

Dass der Bedarf in Citylagen vorhanden sei, sei unstrittig, meint Planer Roth. Für eine Klientel, die bewusst im Zentrum leben will, seien es nun Genossenschaften, jüngere Familien, Singles oder ältere Paare, müssten Angebote geschaffen werden. Nicht mehr nur für Kleinfamilien in suburbanen Gebieten.

Eine Mischbauweise gilt als Idealfall: zum Beispiel ein tragendes Gerüst aus Stahlbeton, das dann innen und außen mit Holzwänden verkleidet wird, sagt auch Detlef Bühmann, Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF). Die Dämmwerte der Beschichtungen dieser Wandtafeln sind hoch, energetische Kriterien sind auch im Geschosswohnungsbau ein großes Thema. „Aus einem Skelettbau, der zunächst wie ein Parkhaus aussieht, machen wir mit unserer Technologie ein Passivhaus“, schwärmt Bühmann. Gerade wird solch ein siebenstöckiges Haus mit Holzhülle in Berlin-Prenzlauer Berg errichtet, und daneben soll der gleiche Hybridbau sogar noch einmal entstehen.

Holz hat ein gutes Images

Das Image von Holz ist gut, die früher weit verbreiteten Vorbehalte gegenüber einer Leichtbauweise schwinden. Stattdessen sind Fertigbauer auf einmal Teil einer Avantgarde. Ein Markt tue sich auf, zwar langsam, aber sicher, sagt der BDF-Präsident. Und schon plädiert der Verband selbstbewusst für einen behutsamen Stadtumbau mit Holz, wo es sinnvoll erscheint. Wenn etwa ein maroder Innenstadtbau die Sanierung kaum lohne, dann könne eine preiswerte Alternative der Abriss und ein Energiesparhaus mit Holz-Fertigelementen sein. Gegenüber Beton schneidet eine Holzwand in energetischer Hinsicht immer besser ab. Außerdem ist der Grad der Vorfertigung bei den Holztafeln wirklich am höchsten, die Bauteile kommen mit allen Fenstern und Verkleidungen auf die Baustelle. „Das Haus ist sofort dicht und trocken“, sagt der Verbandspräsident.

Meistens sieht man den Gebäuden ihren hohen Holzanteil trotzdem nicht an. Auch das ist typisch, denn ursprünglich wurden die leichten Konstruktionen ja ersonnen, weil sie zweckmäßig sind und nicht wegen ihrer positiven Öko-Bilanz oder gar der Ästhetik. Holztafelbauten sind daher auch an ihren ersten innerstädtischen Standorten brav verputzt und Holzfassaden selten - allein, weil sie pflegeintensiv sind.

Feuerfeste Beschichtung notwendig

Aus Brandschutzgründen brauchen City-Holzhäuser in enger Zeilenbebauung außerdem feuerfest verkleidete Beschichtungen zu den Nachbarhäusern, so wie jeder andere Bau auch. Oft haben sie zudem betonummantelte Treppenhäuser. Ansonsten jedoch sind Holzbauten bis zu fünf Etagen kaum mehr Beschränkungen unterworfen, seit nach der Jahrtausendwende die Vorschriften in Bund und Ländern gelockert wurden.

Bei sechs und sieben Stockwerken helfen spezielle Gutachten. Dort, wo auch das tragende Gerüst des Hauses aus Holz errichtet wird, ist zur Sicherheit eine Kapselung der Balken angeordnet. So hat zum Beispiel der Berliner Architekt Tom Kaden mit seinem Büropartner Tom Klingbeil das erste sieben Stockwerke hohe Holzhaus überhaupt in Pfosten-und-Riegel-Bauweise errichtet. Selbst die Wände bestehen aus massiven Holzplatten. Bei einem ihrer neuen Berliner Bauprojekte, das von April an gezimmert wird und dessen Volumen dreimal größer ist als das erste Wohnhaus, verwenden sie nun noch mehr Holz und weniger Stahl. Kaden und Klingbeil schwören auf die Verwendung von Vollholz, auch bei diesem Werkstoff ist schon ein hoher Grad an modularer Vorfertigung im Sägewerk möglich. So perfekt wie bei den leichten Holztafelelementen kann dieser allerdings nicht sein.

Der Holztafelbau als Zwischenstufe

Dennoch liege die Zukunft gewiss beim Massivholz, da ist sich Architekt Kaden sicher. Für hohe Bauten sei das einfach ideal, weil das Material extrem robust ist und auch im Brandschutz besser abschneidet. Dies rührt daher, dass beim Massivholz Hohlräume fehlen. Insofern sei „der Holztafelbau eher eine Zwischenstufe“, prophezeit Kaden. Aber eine wichtige.

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