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Dienstag, 07. Februar 2012
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Kreativ-Quartiere Notting Hill an der Ruhr

12.12.2009 ·  Quartiere für Künstler und Kreative sollen neues Leben ins Ruhrgebiet bringen. Das Kulturhauptstadtjahr kann zum Startschuss für die Aufwertung ungenutzter Grundstücke und Gebäude werden.

Von Miriam Beul, Duisburg
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In Stadtvierteln, wo Wohnen und Leben wenig Geld kosten, siedeln sich zuweilen auch gern Künstler und Kreative an. Der Pariser Montmartre, der Stadtteil Brooklyn in New York oder Notting Hill in London stehen als international bekannte Beispiele für die erstaunliche Umwandlung von Problemquartieren oder ehemaligen Industriestandorten in lebenswerte Stadtviertel. Nach den Vorstellungen der Initiatoren der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 haben viele Orte im Ruhrgebiet ein ähnliches Potential.

Wenn erst einmal Künstler und Kreative aus aller Welt kämen, so das Kalkül, dann interessieren sich irgendwann auch andere Immobiliennutzer für aufgegebene Schulen, geschlossene Zechen oder leerstehende Büros und Läden. Umgekehrt müssen Städte und Immobilieneigentümer für diese Nutzergruppe sensibilisiert werden, damit sie Flächen, die sie ohnehin nicht mehr vermietet bekommen, günstiger abgeben.

Kein Verlustgeschäft

Daten aus den Niederlanden belegen, dass dies kein Minusgeschäft sein muss. Im Gegenteil: Dort hat sich gezeigt, dass sich Problemquartiere mit kreativer Betriebsamkeit rascher erholt haben als Quartiere ohne Kreativwirtschaft. Auch stiegen die Immobilienwerte in Stadtteilen mit kreativer Betriebsamkeit deutlicher und rascher an. „Wir müssen mit den Kreativ-Quartieren eine Entwicklung anstoßen, die auch nach dem Kulturhauptstadtjahr anhält“, erklärte Dieter Gorny, bei Ruhr 2010 verantwortlich für dieses Themengebiet, kürzlich auf einer Tagung in Dortmund. „Also sollen auch nach 2010 Leute in die Metropole einziehen und die Mieten bezahlen können.“

Die durch Schrumpfung und Abwanderung gebeutelte Region soll durch den Zuzug kreativer Unternehmen eine neue Perspektive bekommen. Wie in Notting Hill könnte es also auch in Dortmund funktionieren, wo gerade die ehemalige Union-Brauerei in das Kreativ-Quartier „Dortmunder U“ umgebaut wird.

Urbanes Zentrum

Oder auf der Zeche Lohberg in Dinslaken, die schon auf dem besten Wege ist, ein urbanes Arbeits-, Freizeit- und Kulturzentrum zu werden. Das Konzept für die Umwandlung des erst 2005 geschlossenen Bergwerksstandorts hat die Eigentümerin RAG Montan Immobilien GmbH (RAG MI) gemeinsam mit 90 Künstlern entwickelt. „Wir probieren viel aus, und wir werden auch Fehler machen - aber das ist uns egal, denn die Richtung stimmt“, sagt RAG-MI-Geschäftsführer Hans-Peter Noll. In Oberhausen (Quartier Altmarkt) und Bochum (Viktoria-Quartier) soll es günstige Wohn- und Arbeitsflächen für nationale und internationale Kreativunternehmen in den besten Innenstadtlagen geben - denn auch dort gibt es Leerstände.

Um Nachfrager und Immobilienanbieter zusammenzubringen, wird eigens eine Immobilienplattform im Internet ins Leben gerufen. Sie ist ab Ende dieses Jahres unter der Adresse www.2010lab.tv erreichbar. Das Prinzip ist einfach: Besitzer von Wohnungen, Gewerbe- oder Büroflächen, ehemaligen Industriegeländen, Garagen oder Lagern melden sich bei dem Projektteam der „Kreativ.Quartiere“ und geben nähere Details zu ihren Immobilien an. Die Informationen werden anschließend auf der Internetseite veröffentlicht.

Wachstumsbranche Kreativwirtschaft

Dort können sie dann von potentiellen Interessenten aufgespürt werden. Profitieren können am Ende beide Seiten: Die Anbieter, weil temporäre Nutzungen ihrer Immobilien schneller auch wieder zu rentablen Endnutzungen führen, hohe Anfangsinvestitionen entfallen und Verwahrlosung verhindert werden kann; und die Flächensuchenden aus der Kreativwirtschaft, weil sie preiswerte Arbeitsorte suchen und oftmals gerade den „Endzeitcharme“ leerstehender Gebäude zu schätzen wissen.

„Die Kreativwirtschaft ist eine Wachstumsbranche, das wird von vielen Menschen noch immer unterschätzt“, sagt Hans-Ludwig Brauser, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Metropole Ruhr. Zuletzt entsprach die Wertschöpfung der Branche einem Anteil von 2,6 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt. Auch im Ruhrgebiet ist die Kultur- und Kreativwirtschaft auf dem Vormarsch. 2008 gab es nach einer Erhebung der örtlichen Industrie- und Handelskammern 23 141 Unternehmen, die in diesem Wirtschaftszweig aktiv waren - 14,5 Prozent mehr als 2005.

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