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Immobilien Strikte Klimaauflagen für Neubauten

19.11.2009 ·  Neubauten müssen in der EU von Ende 2020 an strikte Energiesparziele erfüllen. Private Neubauten dürfen künftig so gut wie keine Treibhausgase mehr emittieren. Für öffentlich genutzte Gebäude gilt das sogar schon zwei Jahre früher.

Von Hendrik Kafsack
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Neubauten müssen in der EU von Ende 2020 an strikte Energiesparziele erfüllen. Darauf haben sich Vertreter von Europaparlament und EU-Staaten in der Nacht zum Mittwoch in Brüssel nach langem Streit geeinigt. Private Neubauten dürfen damit künftig so gut wie keine Treibhausgase mehr emittieren. Für öffentlich genutzte Gebäude gilt das sogar schon zwei Jahre früher. Die Energie, die sie trotzdem noch benötigen, muss zu einem bedeutsamen Anteil aus erneuerbaren Quellen stammen. Weiterhin müssen die EU-Staaten die Umwandlung bestehender Gebäude in Nullenergiehäuser vorantreiben. Nach Angaben der EU-Kommission werden die Verbraucher durch die neuen Auflagen jährlich durchschnittlich 300 Euro sparen, weil ihre Nebenkosten sinken. Außerdem wirke die Neuregelung wie ein Investitionsprogramm für die Baubranche.

Der Gebäudesektor verbraucht in der Europäischen Union (EU) rund 40 Prozent der Endenergie und verursacht mehr als ein Drittel der EU-Kohlendioxidemissionen. Das Parlament wollte ursprünglich schon von Ende 2018 an nur noch Nullenergiehäuser in der EU erlauben - wie das in Großbritannien schon vorgesehen ist. Die meisten anderen EU-Staaten hatten sich aber gegen derart strikte Vorgaben gesperrt. Auch die deutschen Spitzenverbände der Wohnungswirtschaft nannten den Vorstoß einen Todesstoß für den Wohnungsbau.

Umweltverbände kritisierten, die EU werde ihre Klimaziele verfehlen, wenn der Energieverbrauch der Gebäude nicht vor 2020 deutlich reduziert werde. Die in diesem Dossier federführende EU-Abgeordnete Silvia-Adriana Ticau von der sozialistischen Fraktion und die EU-Kommission bezeichneten die Einigung als wichtiges Signal für den in drei Wochen beginnenden Weltklimagipfel in Kopenhagen. Dort wollen die Staaten der Welt sich auf ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll einigen.

Energieausweis wird überarbeitet

Bei Altbauten muss nach dem Kompromiss im Zuge größerer Umbauarbeiten auch die Energiebilanz verbessert werden, soweit das möglich ist. Die EU-Staaten sollen dazu den Einbau von Solaranlagen sowie effizienter Heizungen und Klimaanlagen fördern. Auch die Nutzung "intelligenter Stromzähler" sei vorgesehen. Sie versetzen die Bewohner in die Lage, ihren Verbrauch genau zu kontrollieren und so anzupassen, dass sie Strom sparen (siehe auch Das Stromnetz beginnt zu denken). Um die Umbauten zu finanzieren, sollen die Staaten und die EU Subventionen zahlen. Genaue Förderprogramme muss die EU noch ausarbeiten.

Auch der Energieausweis für Gebäude wird überarbeitet: Er soll neben Angaben zur Energieeffizienz und zum Anteil der erneuerbaren Energie Empfehlungen für Verbesserungen der Energiebilanz enthalten. Der Ausweis muss bei jedem Neubau und Wechsel des Eigentümers oder Mieters erstellt werden. Zur Ausgestaltung will die EU-Kommission bis 2011 einen Vorschlag vorlegen.

Der deutsche Energieausweis muss damit auf jeden Fall überarbeitet werden. Bei der Ausgestaltung der Details erhalten die Mitgliedstaaten Spielraum. So legen sie letztlich fest, was unter einem "beinahe emissionsfreien" Haus zu verstehen ist, und wie viel Energie aus erneuerbaren Quellen Gebäude künftig tatsächlich nutzen müssen. Begründet wird dies unter anderem mit den großen klimatischen Unterschieden in den 27 Mitgliedstaaten. Ausgenommen von den neuen EU-Regeln sind Häuser mit einer Fläche von unter 50 Quadratmetern, weniger als vier Monate im Jahr bewohnte Ferienhäuser und religiös genutzte Gebäude. Denkmalgeschützte Häuser müssen die Vorgaben nur erfüllen, wenn das ihr Erscheinungsbild nicht unangemessen stark beeinträchtigt. EU-Parlament und Mitgliedsstaaten müssen den Kompromiss noch annehmen. Das gilt als Formsache und dürfte bis Anfang Januar geschehen. Anschließend haben die EU-Staaten zwei Jahre Zeit, um die Vorgaben umzusetzen.

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