14.09.2008 · Wo eine Krise tobt, sind die Krisengewinnler meist nicht fern. Amerikanische Immobilienmakler organisieren schon Bustouren durch ganze Wohnviertel, in denen ein Haus neben dem anderen leer steht. Selbst manche Makler finden das gruselig.
Ein paar Ersparnisse, ein bisschen Zeit, dazu noch etwas Risikobereitschaft, und schon kann der Ausflug zur Frontbesichtigung in der Immobilienkrise losgehen. „Heute schauen wir uns 12 bis 14 Objekte an, wir sollten uns also ein wenig beeilen“, begrüßt Tommy Burch die Gäste seiner Bustour, die im Washingtoner Vorort Centreville zwangsversteigerte Häuser ansteuert.
Es ist eine Reise in die Welt der zerstörten Hoffnungen vom Eigenheim: Millionen Hauskäufer in Amerika sind in den vergangenen zwölf Monaten zahlungsunfähig geworden, Banken bieten die Häuser zum Schnäppchenpreis an. Tommy Burch und seine Frau Sheri bieten jedes Wochenende Bustouren an, um Kaufinteressenten diese Objekte zu zeigen.
Preise zum Teil um 40 Prozent gefallen
„Es ist schon hart, wenn man bedenkt, dass hier Leute lebten, die ihr Haus und alles andere verloren haben“, sagt Makler Burch. „Wir versuchen trotzdem, daraus eine angenehme Veranstaltung zu machen, die ja immerhin eine gute Gelegenheit für solche Leute ist, die sich noch vor drei Jahren kein Haus leisten konnten.“
Im Verlauf der letzten zwölf Monate sei der Preis für viele Häuser auf seiner Tour bis zu 40 Prozent gefallen. Normalerweise schließe er bei jeder Bustour ein bis zwei Kaufverträge ab, sagt Burch. Zu den Ausflugsgästen zählt der Unternehmensberater Pankaj Giroti, der auf der Suche nach einer Schnäppchenimmobilie ist.
Krise eröffnet viele Optionen
Wo es eine Krise gibt, sind Krisengewinnler nicht fern. Insofern eröffnet die Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt viele Optionen. Im Jahr 2007 gab es in Amerika 2,2 Millionen Zwangsversteigerungen. Im zweiten Quartal 2008 lag die Zahl noch einmal weit über dem Doppelten des Vorjahresquartals. Zu den Käufern zählen auch Kanadier. Sie haben in den vergangenen zwölf Monaten annähernd 200000 Objekte in den benachbarten „Staaten“ erworben.
Die hochwertigeren Wohnungsmärkte in Amerika sind von der Krise aber nicht betroffen. Das berichtet die Maklerorganisation „www.n5r.com“. „High-end properties“ im modischen Manhattan haben nach dessen Angaben im Preis sogar zugelegt. An der Upper East Side von Manhattan kostet ein exklusives Dreibettzimmer-Apartment annähernd 3,65 Millionen Dollar; vor einem Jahr waren es 2,17 Millionen Dollar.