03.04.2010 · Der Alpenlook bekommt Konkurrenz. Pultdach und klare Formen liegen in der Gartenlaubenarchitektur im Trend. Ein bisschen Romantik ist auch erlaubt.
Von Birgit OchsFrühling kommt, der Sperling piept . . . Duft aus Blütenkelchen“ - und für den einen oder die andere wird es höchste Zeit, sich ein Gartenhaus zuzulegen. Wer nicht selbst aus Brettern eine Bude zusammenschustert, hat die Qual der Wahl. Der Markt hält mittlerweile eine große Palette an Lauben bereit, für jeden Geldbeutel und Geschmack.
Die Nachfrage hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Dass Gartenfreunde und Laubenpieper jünger und städtischer geworden sind, bestätigt Theresia Theobald, Geschäftsführerin vom Bundesverband deutscher Kleingartenfreunde, dem 15 200 Kleingärtnervereine angehören. „Der Trend hält an“, sagt sie.
Ende der Biederkeit
Seit die urbane Klientel ihr Herz für Tomaten- und Salatanbau entdeckt hat, ist es mit der Blockbohlenbiederkeit vorbei, wie Ulf Panzer vom Hersteller Jorkisch den rustikalen Hüttenauftritt im Kleingarten nennt. Zwar hat der Anbieter aus Daldorf auch gediegenere Modelle im Programm. Die Nachfrage geht aber eindeutig zur „jüngeren, moderneren Laube“, hat Panzer beobachtet. Gefragt ist einerseits eine klare Formsprache, andererseits aber auch ein Schuss Romantik. Und: „Farblich darf es poppig sein.“ Seit fünf, sechs Jahren registriert das Unternehmen, dessen Produkte unter der Marke Joda laufen, einen sich verändernden Geschmack - und hat sich darauf eingestellt. Skandinavien ist nicht weit, und so überrascht es nicht, dass die Modelle der schleswig-holsteinischen Firma Namen wie Nautic, Nordic, Solvig und Aaborg tragen.
Aber auch auf der Schwäbischen Alb setzt man auf die Zugkraft des „Nordic Style“, wie ein Modell des Fertighausanbieters Schwörer heißt. Die Oberstettener haben auf die Nachfrage reagiert und sind seit 2005 mit Gartenhäusern auf dem Markt. Ursprünglich hatten sie mit den hiesigen Trendsettern im Gartenhausbau, dem Berliner Architektenbüro Hütten und Paläste, kooperieren wollen, das mit seinen bunten Lauben neue Maßstäbe gesetzt hat. Doch die Hüttenmaße passten nicht auf Schwörers Fertigungsstraßen. So hat der Systembauer eine eigene Reihe entwickelt und mittlerweile sechs Modelle im Programm. Auf Kundenwunsch werden auch individuelle Lauben gefertigt.
Baukastensystem als Idee
Der Bonner Anbieter Feinesse ist erst vor drei Jahren ins Gartenhausgeschäft eingestiegen und hat einen Architekten mit dem Entwurf eines Modells beauftragt, das als Baukastensystem funktioniert. Je nach Platzverhältnissen und Bedürfnissen der Nutzer könne das Grundmodell innerhalb eines bestimmten Rasters verändert werden, verspricht Vertriebsleiter Victor Gerz. Die Türen der Häuser, die unter der Marke Gartana verkauft werden, sind niemals mittig, sondern stets an der Seite angeordnet. Wie sehr die Mode im Einfamilienhausbau auf die Gartenhausplaner wirkt, zeigt sich nicht nur am Pultdach, über das viele der neuen Lauben verfügen, sondern auch an den großen Glasflächen, mit denen einige der Häuschen zu haben sind.
Für Gartenhäuser ist Holz der Baustoff Nummer eins - manche Anbieter setzen Schichtholzplatten ein, andere geben Massivholz den Vorzug. Die Preise schwanken je nach Ausstattung, Material und Größe. Das kleinste Gartana-Modell XS, das 2,49 mal 1,70 Meter misst, kostet inklusive Lieferung und Aufbau fast 4000 Euro. Für das bunte, 3 mal 3,1o Meter große „Nautic“ von Jorkisch zahlen Selbstbauer knapp 3000 Euro. Schwörer verlangt, ohne Aufbau und Transport, zum Beispiel für das 2,37 mal 2,37 große Häuschen „Modern Style“ 2755 Euro.
Schwedische Hütte
In all dem Bemühen um Frische, um ein mal mehr edles, mal mehr jugendliches Erscheinungsbild sticht ausgerechnet die Hütte eines schwedischen Designers heraus. Die acht Quadratmeter große „Hermit's Cabin“ von Mats Theselius kommt zunächst unprätentiös daher. Theselius hat das Häuschen als Rückzugsort für ruhebedürftige Städter geplant. Doch wenn es an einem weitläufigen Grundstück inmitten unberührter Natur fehlt, kann er sich die Hütte auch im Garten vorstellen. Gefertigt wird das Modell von einem auf den Fertighausbau spezialisierten Tischlerbetrieb, in der Grundvariante aus Fichte (6150 Euro). Ein Sondermodell besteht aus dem Holz alter schwedischer Häuser (8950 Euro).
Birgit Ochs Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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