16.05.2008 · In Südafrika können auch Ausländer Wildparkbesitzer werden. Die Immobilienbranche verdient kräftig am Traum vom romantischen Leben. Denn wer sich Elefanten auf seinem Landsitz halten will, sollte schon 10.000 Hektar Land dazu kaufen. Bei 250 Hektar sind nur Impalas und Kudus drin.
Von Claudia Bröll, Johannesburg„Ich hatte eine Farm in Afrika.“ Der berühmte Satz aus dem Film „Jenseits von Afrika“ übt nicht nur auf Kinogänger eine ungeminderte Faszination aus. Ein eigener Wildpark, in dem Zebras, Löwen und Elefanten durch das hohe Gras pirschen, ist für viele ein Traum - und ein Statussymbol.
Vor allem in Südafrika boomt der Markt. Und es sind nicht nur die einheimischen Millionäre, denen es die Wildnis am Wochenende angetan hat. Auch Ausländer haben sich in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren ein „Stück von Afrika“ gesichert. Virgin-Chef Richard Branson beispielsweise lädt regelmäßig Staatschefs wie den ehemaligen Premierminister Tony Blair in sein 25.000 Hektar großes Ulusaba-Reservat in der Provinz Mpumalanga im Nordosten Südafrikas ein. Dort nächtigte bereits die High Society aus der ganzen Welt zum Preis von 700 Euro pro Person. Inbegriffen sind die Benutzung der privaten Fluglandebahn und Tennis bei Flutlicht.
Auch die Familie Getty ist schon da
Auch Tara Gabriel Getty ist dem Reiz des südlichen Afrikas verfallen. Der Enkel des amerikanischen Ölmilliardärs Jean Paul Getty besitzt eine Privatfarm mit mehreren exklusiven Lodges im Phinda-Nationalreservat in der Provinz Kwa-Zulu-Natal. Seine Gäste können dort unter anderem eine seltene Art von Nashörnern bestaunen. Selbst Prinzessin Diana soll kurz vor ihrem tödlichen Unfall ernsthaft über den Kauf einer Farm in Südafrika nachgedacht und sich bereits nach Investitionsmöglichkeiten umgesehen haben.
„Wildfarmen werden nicht wegen ihres landwirtschaftlichen Potentials gekauft. Es ist eine Freizeitbeschäftigung für die Reichen dieser Welt wie Yachten oder Ferienvillen“, erklärt Tjaka Erasmus, spezialisierter Makler und Anwalt. Kurz nach der Wahl Nelson Mandelas zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes seien ausländische Investoren Schlange gestanden, um eine Farm zu ergattern. Seitdem schwankt die Nachfrage je nach der politischen Lage stark.
Als der umstrittene Politiker Jacob Zuma jüngst zum Präsidenten der Regierungspartei ANC gewählt wurde, wollte kaum noch jemand Geld in so ein Luxusvergnügen stecken. Mittlerweile hat sich der Markt wieder erholt. Der Bedarf übersteigt bei weitem das Angebot, obwohl immer mehr Landwirte ihre Bauernhöfe zu Wildfarmen umrüsten und zu hohen Preisen verkaufen.
Die Preise klettern enorm
In den vergangenen Jahren kletterten die Preise für Wildfarmen in Südafrika mit zweistelligen Wachstumsraten im Jahr. Im Jahr 1980 habe ein Hektar in einer Gegend mit den „Big Five“ - Löwe, Elefant, Nashorn, Büffel und Leopard - 300 Rand gekostet, sagt Immobilienentwickler Trevor Jordan. Heute koste der Hektar in den meist gefragten Regionen bis zu 40.000 Rand (3400 Euro). Da eine Farm mit Elefanten mindestens 10.000 Hektar groß sein sollte, kann der Preis leicht einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag erreichen.
Das Maklerunternehmen Afrika Game Farm Estates bietet derzeit eine 17.000 Hektar große Wildfarm an der Grenze zu Botswana an, die zu den letzten Großfarmen in privatem Familienbesitz in Südafrika gehört. Der Käufer, der allein für den Kauf neun Millionen Euro übrig haben sollte, kann sich stolzer Besitzer von hundert Löwen, Dutzenden Elefanten, Leoparden, Nashörnern und eines kompletten Fuhrparks an Buschfahrzeugen nennen.
Wildnisbegeisterte mit weniger Bargeld können freilich auch für eine halbe Million Euro eine - für afrikanische Verhältnisse - bescheidene 250 Hektar große Farm erwerben. Allerdings müssen sie dann mit wenig exotischen Tieren wie Impalas und Kudus vorliebnehmen.
Manche wollen mit der Farm Geld verdienen
„Die Besitzer nutzen eine private Wildfarm zur Entspannung am Wochenende oder zum Jagen“, erklärt Erasmus. Einige versuchten auch finanziellen Nutzen daraus zu ziehen und böten Touristen Safaris an. Die Zahl derer, die damit Gewinn verbuchten, sei jedoch gering. „Wenn die Farm nicht mit Löwen und Elefanten aufwarten kann und sich fern der großen Reservate wie dem Kruger Park befindet, ist es sehr schwer.“ Ein Bett auf einer Wildfarm inmitten von Afrika koste Hoteliers mehr als ein Bett in Manhattan.
Juan Murillo haben solche Kalkulationen nie abgeschreckt. Vor zehn Jahren kaufte der gebürtige Spanier und Gebäckfabrikant aus Johannesburg für seine Familie eine Wildfarm in der Waterberg-Region, drei Stunden Autofahrt von Johannesburg entfernt. Zunächst war es ein 600 Hektar großes Anwesen mit einem Bauernhaus, einer Kuh und einem Kudu, wobei Letzterer vermutlich versehentlich auf die Farm geraten war.
Die Familie investierte kräftig in die Entwicklung des Landes, legte Wasserlöcher an, zog Zäune, kaufte Tiere. Später nahm sie das Nachbargrundstück dazu, baute ein weiteres Haus mit Swimmingpool, Sonnendeck und Baumhäuser als Aussichtsplattformen. Anstelle des einen Kudu leben mittlerweile Giraffen, Zebras, verschiedene Bockarten sowie große Straußherden in dem mehr als 1000 Hektar großen Gelände. Einmal im Jahr fliegen die Murillos mit dem Hubschrauber über die Farm, um ihre Tiere zu zählen.
Eine Wildfarm braucht auch Angestellte
Der Betrieb einer Wildfarm ist für Laien kein leichtes Spiel. „Eine Farm kaufen und ein paar Tiere hineinstellen allein reicht nicht“, sagt Erasmus. Mindestens drei Angestellte sollten permanent nach dem Rechten sehen und dafür sorgen, dass Elefanten nicht den Zaun niedertrampeln, Löwen eindringen oder Fremde während der Woche einen unerlaubten Jagdausflug in dem Gelände veranstalten. Der Makler warnt, dass diese Kosten häufig unterschätzt würden.
„Man kann von einer Wildfarm keinen Gewinn erwarten, solange man nicht wieder verkauft“, sagen die Murillos, „es ist wie eine Tasche mit einem großen Loch. Man steckt viel Geld hinein und bekommt nichts zurück - abgesehen vom aufregenden Leben mitten in der afrikanischen Tier- und Pflanzenwelt.“ Die Familie hat einmal ein Babyzebra mit der Flasche großgezogen, das vor ihren Augen von seiner Mutter verstoßen wurde. Die vier Kinder können mit einem Mini-Land-Rover im Busch besser umgehen als viele ihrer Altersgenossen mit dem Fahrrad.
Streit mit Nachbarn gibt es sogar auf einer einsamen Farm
Das Abenteuer einer solchen Investition birgt freilich auch Risiken. Ausländer dürfen sich von den rasanten Berg-und-Talfahrten der südafrikanischen Landeswährung Rand, die unter den Schwellenländern als volatilste Währung gilt, nicht schrecken lassen. Außerdem sollten sie sicherstellen, dass niemand, der während der Apartheidszeit enteignet oder vertrieben wurde, Ansprüche an dem erworbenen Grund und Boden erheben kann.
Hobby-Farmer Branson etwa steht demnächst ein Rechtsstreit mit Ziegenhirten der Nxumalo-Gemeinschaft bevor. Die Hirten behaupten, das Land unfreiwillig verlassen zu haben und zum Leben auf eine unfruchtbare Ebene in der Nähe gezwungen worden zu sein. Branson will sich gütlich mit den Nxumalo einigen, die von ihm nie zuvor gehört haben.
Selbst in Reservaten stehen Farmen zum Verkauf
Wem der Betrieb einer unabhängigen Wildfarm zu aufwendig ist, kann sich auch in einem bereits entwickelten privaten Wildschutzreservat niederlassen. Die berühmten südafrikanischen Parks wie Timbavati oder Sabi Sands bieten immer wieder Farmen zum Verkauf an. Neuerdings entstehen - zum Schrecken eingefleischter Farmen - auch Wohnkomplexe in vergleichsweise kleinem Gelände. Geworben wird mit der Aussicht auf den Busch. Kümmern muss man sich dort um fast nichts mehr.
Klein und exklusiv indes will es Lodgebetreiber Getty halten, der gerade für die gutbetuchte Klientel 15 Villen im Phinda-Wildschutzpark baut. Jedes der 600 Quadratmeter großen Häuser wartet mit kleinem Fitness-Studio und Pool auf. Zur Erleichterung stellt Getty auch Dienstmädchen, Butler, einen Koch und einen Wildhüter für die Fahrten in den Busch zur Seite. Es sei der „totale Luxus“, schwärmt der Unternehmer - zumal die 3,5 Millionen Euro teuren Häuser nicht an Touristen vermietet werden dürfen und damit wohl die meiste Zeit im Jahr leer stehen werden.
Mit der afrikanischen Wildnis, wie sie Tania Blixen einst in „Jenseits von Afrika“ beschrieb, haben die modernen Wildfarmen freilich wenig zu tun. Es geht nicht mehr nur um einen romantischen Lebensstil. Mit dem Busch lässt sich heute ein Milliardengeschäft machen, von dem vor allem die Immobilienbranche kräftig profitiert.