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Wärmeschutz Dämmung fängt von innen an

24.02.2009 ·  Das Problem kennen viele Hauseigentümer, besonders die von Altbauten: Die Wände sind kalt, doch Styropor und Putz würden die Fassade verhunzen. Die Lösung ist eine Dämmung im Innern.

Von Jörg Niendorf
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„Ziehen Sie Ihr Haus warm an“, heißt es auf Plakaten, mit denen das Bundesbauministerium derzeit für seine Förderprogramme zur Gebäudedämmung wirbt. Und natürlich ist dort ein Haus unter einer warmen Haube zu sehen. In diesem Falle einer Pudelmütze, sie soll die Thermohülle darstellen. Diese gilt schließlich als die optimale Form der energetischen Sanierung. Besser als von außen kann man ein Haus nicht gegen Kälte und Feuchtigkeit abdichten.

Was aber, wenn ebendieses nicht möglich ist oder nicht gewollt wird? Dann bleibt immerhin das Zwiebelschalenprinzip. Das heißt, die Innenwand erhält eine hocheffektive Dämmschicht. Das ist, als trage das Haus Thermounterwäsche statt Wollmütze und Schal - um das Bild aus der Werbung aufzugreifen.

Plakate, die dafür werben, gibt es zwar noch nicht, doch: „Betrachtet man den Gebäudebestand in Deutschland, ist dieses das große Thema der kommenden Jahre“, sagt John Grunewald, Leiter des Instituts für Bauklimatik an der Technischen Hochschule Dresden. Etwa 90 Prozent des heutigen Wohnungsbestandes sind vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 erbaut worden.

Innendämmung ist individuell machbar

Die Innendämmung bietet nach Ansicht Grunewalds Wege, die individuell handhabbar sind. „Nicht jeder Hausbesitzer kann doch gleich eine zehn Zentimeter dicke Außenhülle aufbringen oder sogar mehr, wenn das Gesetz dieses in Zukunft erfordern wird“, sagt Grunewald. Vielmehr seien flexible Lösungen bei der energetischen Aufrüstung der Bestandsbauten gefragt. „Wärmeschutz muss praktikabel bleiben“, fordert der Professor. Notwendig sind attraktive Alternativen zur Außendämmung. Allein der Umgang mit Baudenkmalen, deren Fassaden oft gar nicht verändert werden dürfen, zwingt dazu.

Genauso gibt es Hausbesitzer, die auch ohne Denkmalschutzauflagen die äußere Hülle nicht verändern wollen. Vielen ist zum Beispiel die Ziegelfassade ihres Gebäudes wichtig. Sie wollen die hübsche Backsteinoptik nicht mit Styroporplatten zukleben oder verputzen lassen. Zudem sorgen sich manche Eigenheimbesitzer ganz grundsätzlich um die Proportionen ihres Hauses, wenn dieses mit einer Dämmung gleichsam aufgebläht würde wie ein Michelin-Männchen. Fenster werden da leicht zu Schießscharten.

Interesse an finanziell splitbaren Lösungen

Die Vorbehalte sind oft groß. Gleichzeitig steigt das Interesse an Lösungen, die auch in kleineren Bauetappen zu verwirklichen sind und dementsprechend auch finanziell gesplittet werden können: etwa Etage für Etage oder Wohnung für Wohnung in einem Mehrparteienhaus - und alles ohne ein aufwendiges Baugerüst. Mit einer Dämmung im Hausinneren sind derartige Stufenpläne durchaus möglich.

Mehrere Denkmalsanierungen hat das Dresdener Institut für Bauklimatik in den vergangenen Jahren begleitet und dabei neuartige Werkstoffe zur Innendämmung erprobt. In Gründerzeithäusern und genauso in Fachwerkbauten. Eindeutiger Favorit der Bauforscher waren dabei Platten aus Kalziumsilikat, die mit der auftretenden Feuchtigkeit aus den Wohnräumen am besten fertig werden, weil sie Wasser in ihrem Inneren gut verteilen können. Sie bestehen aus Kalk, Sand und Zement und haben einen Dämmwert, der in etwa dem von Mineralwolle entspricht.

Quader wie Ytongsteine

Im Baustoffhandel gibt es die leichten, weiß-grauen Quader in Stärken zwischen drei und 20 Zentimetern, die wie überdimensionierte Ytongsteine aussehen. Ihre Kanten kann man zwischen den Fingern zerreiben, so porös ist das Material. Genau das ist jedoch seine Stärke. Eine mit ihm verkleidete Wand atmet, Tauwasserbildung und Schimmel treten nicht mehr auf. Außerdem sind die mineralischen Platten baubiologisch einwandfrei und vollständig recycelbar.

Erst seit wenigen Jahren sind diese speziellen Innenraum-Dämmplatten überhaupt auf dem Markt. Bisher galten sie als vergleichsweise teuer - „doch mittlerweile bewegt sich der Preis nach unten“, sagt Bernd Reimers, Architekt in Berlin, der gerade mehrere fünfziger Jahre-Wohnbauten für die Freie Universität von innen mit dem Material auskleiden lässt. Dort sind die Platten zehn Zentimeter stark. „Pro Quadratmeter kostet diese Dämmung 85 Euro, inklusive des Putzes und aller zugehörigen Arbeiten“, lautet Reimers Preisangabe.

Wärmer als zuvor

Das ist teuer. Aber dafür werden die künftig um eine Handbreit dickeren Außenmauern in den Zimmern sogar um mehrere Grad Celsius wärmer sein als zuvor. Sie werden sich mit der Raumtemperatur schnell und besser aufheizen lassen. Sonst ist die Oberflächentemperatur der äußeren Wände in alten Häusern oft sehr niedrig.

Selbst bei voll aufgedrehter Heizung bleiben die Mauern kalt. „Die Luft zirkuliert ständig, man fühlt sich unwohl, obwohl es eigentlich warm im Zimmer ist“, sagt Architekt Reimers. „Ein behagliches Raumklima ist das nicht.“ An Energiesparen ist dabei nicht zu denken. Im Gegenteil, die Bewohner spüren den Zwang, ständig gegen das eisige Mauerwerk anzuheizen.

Kleinere Räume

Nach der Dämmung steigt die Wohnbehaglichkeit. Auch mit einem ökologischen Baustoff wie Lehm, der nachweislich ein ausgewogenes Raumklima garantiert, lassen sich die mineralischen Platten vereinen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie diffusionsoffen, also durchlässig sind. Das poröse Kalksilikat übertrumpft Lehm in dieser Eigenschaft sogar noch bei weitem, weil es auch Kälte abhalten kann. Aus eisigen, feuchten Außenmauern ließen sich mit den „Klimaplatten“ sowie einem Lehmputz an der Innenwand relativ leicht wohltemperierte Wände machen, versprechen Fachleute aus der Fraktion des ökologisch korrekten Bauens.

Doch auch das hat seinen Preis: Wenn die Wand verstärkt wird, schrumpft der Raum. „Das ist schmerzhaft, weil es die ökonomisch wichtige Fläche des Hauses betrifft“, gibt Reimers zu. In kleinen Räumen kann es sich schließlich stark bemerkbar machen, wenn ein oder zwei Außenwände jeweils zehn Zentimeter weiter in den Raum hineingewachsen sind.

Die Wand als Heizung

Doch manchmal wird sogar aus dieser Not eine Tugend. So haben Reimers und sein Partner Rainer Autzen vor kurzem in dem Kurort Malchow an der Mecklenburgischen Seenplatte das alte Rathaus saniert und mit einer Innendämmung versehen. Die neue verstärkte Wand haben sie kurzerhand zur Heizung des Gebäudes gemacht.

Zuerst bekam der denkmalgeschützte Fachwerkbau vor seine bis dahin dünnen Wände aus Holz und Lehm eine weitere Lehmschicht als Dämmung. Dort wurden dann Heizstäbe hineinmontiert. Sie wärmen den Lehm und sorgen so für einen höheren Dämmwert und trocknen gleichzeitig die Holzbauteile, falls von außen doch einmal Nässe in die Wand eindringt.

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