Herr Marsiske, Häuser zu dämmen heißt, dem eigentlichen Mauerwerk eine Schicht von außen hinzuzufügen. Wie aber soll das bei Backsteingebäuden gehen?
Backstein ist ein wunderbarer Baustoff. Gebrannte Backsteine halten ewig. Das zeigen die jahrhundertealten norddeutschen Backsteinkirchen. Backstein hat relativ gute Dämmeigenschaften - vor allem der alte, handgeformte Backstein mit seinen Luftporen. Er kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und nach und nach wieder abgeben. Eine 36 Zentimeter dicke Backsteinwand galt noch bis in die sechziger Jahre hinein als für die Dämmung eines Gebäudes völlig ausreichend. Heutigen Ansprüchen an sparsamen Energieverbrauch genügt das freilich nicht mehr.
Dämmung also von innen (Wärmeschutz: Dämmung fängt von innen an)?
Ja. Wahr ist, Dämmung von außen - ob nun mit Styropor, Mineralwolle oder mit einer Luftschicht zwischen Mauerwerk und davor gesetzter Fassade - ist immer besser, weil so der Taupunkt, also der Punkt, bei dem Wasserdampf zu Wasser wird, so weit wie möglich im Mauerwerk nach außen hin liegt. Bei der Dämmung von innen ist das also ein heikler Punkt.
Welche Möglichkeiten gibt es?
Jahrelang war es üblich, eine Dampfsperre auf das Mauerwerk von innen aufzubringen, also eine undurchlässige Folie. Darauf kam dann die Innendämmung, etwa aus Mineralwolle, und darauf wiederum Gipskartonplatten oder die sogenannten Sauerkrautplatten, die, verputzt, besonders gut mit Feuchtigkeit umgehen können. Bei dieser Dämmung aber stoßen sozusagen zwei Feuchtbereiche an einer undurchdringlichen Grenze aneinander.
Mit welchen Folgen?
Als in den siebziger Jahren Fachwerkgebäude saniert wurden, passierte es, dass die Fachwerkständer regelrecht im Nassen standen und verrotteten. Um das zu verhindern, verwendet man seit einigen Jahren einen Kalzium-Silikatbaustoff. Der wird direkt auf das innere, natürlich gut gesäuberte Mauerwerk aufgebracht. Er ist porös genug, um die Feuchtigkeit aufzunehmen und allmählich wieder abzugeben, um so wärmedämmend zu wirken.
Aber das Problem bleibt: Der Taupunkt liegt dann in der Wand.
Generell gilt bei unseren modernen, extrem gedämmten Häusern, dass die Feuchtigkeit innen sogar noch problematischer ist als die von außen. Deshalb muss stoßgelüftet werden. Fenster ankippen - das bringt gar nichts. Die Feuchtigkeit, die wir als Bewohner produzieren, muss raus. Also am besten zweimal am Tag alle Türen und Fenster aufreißen. Übrigens kommt da auch Beton ins Spiel. Mit Beton innen zu dämmen wäre wegen seiner Undurchlässigkeit der Tod jedes Hauses. Aber es ist klug, eine Betonplatte im Raum aufzustellen. Beton hat ein enormes Speichervermögen von Wärme und gibt sie nur sehr langsam wieder ab. Das muss man sich so vorstellen wie früher warme Steine im Bett.
Das ist äußerst "trivial"
Heinz Mayer (Bundespraesident)
- 26.02.2009, 10:03 Uhr
Feuchtigkeit bei Dämmung von Ziegelmauerwerk innen an der Aussenwand
Heinz Wieland (Sammelplatz)
- 26.02.2009, 21:32 Uhr
