24.05.2009 · Qualitätssiegel in der Immobilienwirtschaft und kein Ende: Die Mode greift weiter um sich. Nun sollen ein Wohnwertbarometer und Wohlfühlquartiere die Nachhaltigkeit in der Wohnungswirtschaft dokumentieren.
Qualitätssiegel als Nachweis für bestimmte zugesicherte Eigenschaften sind Immobilieneigentümern und Anbietern von Wohn- und Geschäftshäusern nicht fremd. Ein Fertighausunternehmen (Fingerhut aus Nordhessen) hat sogar den „Oskar für den Mittelstand“ erhalten. Doch der eigentliche TÜV für nachhaltige Gebäudequalität kommt erst jetzt, nachdem Energieausweise für Wohngebäude - und vom 1. Juli an für Nichtwohngebäude - gesetzlich vorgeschrieben sind.
So hat die vor zwei Jahren gegründete „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ (DGNB) im Januar die ersten 16 Nachhaltigkeitszertifikate für Bürogebäude verliehen. Auf der „Consense“ in der Neuen Messe Stuttgart vom 23. bis 24. Juni sollen weitere DGNB-Zertifizierungen vorgestellt werden. Daneben ist das Bundesverkehrs- und Bauministerium in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur, der Förderbank KfW und dem Bundesverband Deutscher Fertigbau vorgeprescht: Unter dem Namen „Effizienzhaus“ haben sie ein Qualitätssiegel für Energiesparen in Wohnobjekten entwickelt, das die bekannten Fertighaushersteller bereits nutzen.
Wohnwertbarometer im Auftrag
Einen Schritt weiter soll ein Zertifizierungssystem für die Wohnungswirtschaft gehen, das Pirelli Real Estate zusammen mit der TU Darmstadt in Kürze vorstellen will. Auftraggeber für dieses „Wohnwertbarometer“ ist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Das ganzheitliche Bewertungssystem für nachhaltige Wohnqualität reicht bis zu Kriterien wie Wohlbefinden, Identität und schließt soziale Bezüge ein. Parallel dazu entwickelt Professor Manfred Hegger von der TU Darmstadt eine Online-Plattform, auf der Bestände nach den Kriterien des Wohnwertbarometers beurteilt werden können.
Die Idee der Messbarkeit von baulichen Qualitäten greift nun auch auf die Stadtentwicklung über. Hier wird bei der Europäischen Kommission über einen „Urban Index“ diskutiert, der gute und schlechte Wohnquartiere identifizieren soll. Ein Vorreiter für ein solches Bewertungssystem existiert bereits.
Urban Index aus Darmstadt
Wolfgang Christ, Professor an der Bauhaus-Universität Weimar, hat ein „Urban Index Institut“ in Darmstadt eingerichtet. Sein „Urban Index“ soll Stadtqualität vor Augen führen, wobei nicht allein der Ist-Zustand bewertet wird, sondern das zu erwartende Entwicklungspotential des Quartiers. Dabei geht es auch um Ästhetik und Konzepte für den öffentlichen Raum und die Energieeffizienz.
Bis zu fünf Sterne können verliehen werden. Der Wert einer Immobilie stehe und falle mit seiner Umgebung und dessen Entwicklungspotential. Eine Pilotversion mit Stadtquartieren in Speyer, Mannheim, Ludwigshafen und Worms liegt bereits vor. Nicht die Städte, sondern bestimmte Problemzonen würden nach einem 32-Punkte-Kriterienkatalog verifiziert, sagt Christ.
Es gehe um Aufwertungsstrategien, so dass der Wert des Standortes erkennbar wird und darauf aufbauend Lösungswege für eine schnelle und kostengünstige Strategie möglich werden.