Home
http://www.faz.net/-gzb-6kk29
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Garten Teures Drumherum

13.09.2010 ·  Ein Hausbau kostet viel Geld und Energie. Der Garten gerät da leicht aus dem Blick der Bauherren. Das rächt sich zuweilen.

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (3)

Zwei Jahre ging alles gut. Zwar war nicht viel Geld übrig geblieben am Ende der langen Bauphase, doch für Rasen, ein paar Gehölze und eine kleine Terrasse hatte es gereicht. „Alles sah prima aus“, wundert sich Lina Winkler noch heute. Die Pracht hielt bis zum Herbst vergangenen Jahres, als nach und nach immer mehr Anpflanzungen eingingen und sich immer mehr Steinfliesen lockerten. Die Katastrophe kam dann im Frühling: Tagelange Regenfälle unterspülten nicht nur die Veranda. „Inzwischen“, lautet das Resümee der genervten Hausbesitzerin, „ist der gesamte Garten unbrauchbar.“

Zugegeben, ganz so schlimm wie im Fall der Schongauer Familie kommt es nicht immer. So ungewöhnlich, wie es vielleicht erscheint, ist das Beispiel aber auch nicht. „Das Gebäude ordentlich durchzuplanen und zu kalkulieren ist in der Regel selbstverständlich“, bestätigt Peter Buchloh, freier Architekt in München. „Aber der Garten wird von vielen Bauherren unterschätzt.“ Immer wieder beobachtet er zwei Phänomene: Entweder wird die ganze Geschichte nach hinten geschoben, getreu dem Motto Mal sehen was übrig bleibt. Oder es wird zwar zunächst eine angemessene Summe eingeplant, „aber dann nach und nach runter reduziert.“

Falsche Einstellung

Das Problem: Fast bei jedem Bau entstehen irgendwo nicht kalkulierte Zusatzkosten. Aber an Kaminen, Badeinbauten oder an der Küche will niemand sparen. „Und dann trifft es halt das Grün drumherum.“ Auch Lina Winkler dachte so. Das mit den Außenflächen, lautete ihre damalige Einschätzung, könne man am Ende auch selbst machen.

Genau diese Einstellung aber ist falsch, stellt Wolf-Marcus Knape klar, Gärtnermeister und Gartenplaner in Altenmedingen bei Hannover. Was viele Bauherren nicht wissen: Wer zu wenig oder falsch in den heimischen Park investiert, hat später nicht nur eine weniger attraktive Erholungsfläche. „Stimmt schon die Grundanlage nicht, wird die Sache nach ein paar Jahren dann erst richtig teuer.“ Denn dann müssen die verpfuschten Altanlagen erst einmal entfernt werden, bevor es an die Neuplanung geht.

Doch was ist eine angemessene Summe? Architekten und Gartenexperten sind sich einig: Sollen die gesamten Arbeiten von Fachleuten gemacht werden, müssen für ein Einfamilienhaus im Minimum 10 Prozent der Bausumme kalkuliert werden. Darin enthalten sind dann Konzeption und Anlage von Terrassen, Zufahrten und Wegen sowie Beeteinfassungen. Außerdem die passende Erstbepflanzung. Wer Extras will, muss noch einmal deutlich drauflegen: 1500 bis 3000 Euro kostet beispielsweise ein Zierteich, wer darin auch schwimmen will, hängt noch eine Null dran.

Hauptfehler: Bodenbehandlung

Grundsätzlich, auch darin ist sich die Fachwelt einig, ist es zwar durchaus möglich, zwischen den heimischen vier Zäunen Kosten durch Eigeninitiative zu reduzieren. Allerdings gilt dies nicht für alle Arbeiten. „Terrassen oder Zufahrten sollten vom Fachmann gemacht werden“, findet nicht nur Gartenbauer Knape, auch wenn das mit rund 110 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt. Auch Architekt Buchloh stimmt zu. Werde beispielsweise bei der Bodenbefestigung und beim Unterbau geschlampt, reiche ein Winter mit strammen Minustemperaturen - „und alle Mühe war umsonst“.

Hand anlegen, können Häuslebauer dagegen bei den zumeist deutlich großflächigeren Grünflächen. Gartenbauunternehmen kalkulieren hierfür Quadratmeterpreisen von 10 Euro (Rasen) bis 25 Euro (Pflanzungen). Da lässt sich durchaus die Hälfte sparen. Allerdings: Einfach loslegen sollte auch hier niemand. Zirka 100 Euro veranschlagen Profis wie Knape für eine Kurzberatung. Für einen korrekt gezeichneten Plan mit Pflanzempfehlungen müssen Bauherren noch ein bis zwei Hunderter drauflegen. Dafür ist die Kultivierung dann aber so, dass das Grünland tatsächlich nach zwei Monaten nutzbar ist.

Der Hauptfehler, den klamme Bauherren und unerfahrene Hobbygärtner machen, ist jedoch auch hier die Bodenbehandlung. Muss er für Veranden oder Zufahrten noch zusätzlich befestigt werden, gilt für Ackerland das Gegenteil. Hobbygärtner wissen dies jedoch oft nicht und schütten nach Abzug der Baumaschinen einfach Mutterboden auf. Dann folgen Rasen und ein paar Beete.

Mickrige Pflanzen

Auf einer Baustelle, auf der Bagger und Kräne unterwegs waren, erläutert Knape, ist die Erde aber so verdichtet, dass Wurzeln nicht hindurch kommen und - schlimmer noch - Regen- und Gießwasser gestaut wird und zu verrotten beginnt. Das ist Gift für die Anpflanzungen. Sie wachsen dann mickrig vor sich hin oder sterben ganz ab.

Auch der Versuch, den Boden mit dem Spaten aufzulockern, hilft da wenig. Geeignet sind nur Maschinen, die sich mindestens 60 Zentimeter tief in den Boden fräsen. Diese müssen nicht unbedingt vom Profi bedient werden, sollten aber Profiniveau haben, rät Knape. Sein Tipp: Fast alle Gartenbaubetriebe leihen ihre Maschinen gegen geringe Gebühr auch aus.

Im Idealfall, erläutert Gartenbauingenieur Johannes Windt, beginnt die Gartenkonzeption mit der Planung des Hauses. Schon die Anordnung des Gebäudes berücksichtigt dann Sonne und Schatten für Pflanzungen. Terrasse und Haus liegen so erhöht, dass Regenwasser in den Garten abfließt - und nicht umgekehrt Wasser über eine falsch konzipierte Terrasse ins Haus läuft. Und auch Zisternen, Versorgungsrohre und beispielsweise Bohrungen für Erdwärme kollidieren nicht mit späteren Baumbepflanzungen oder Teichanlagen.

Falsche Gewächse

Selbst die ersten Arbeiten für den Garten werden am sinnvollsten vor den Bauarbeiten ausgeführt, betont der in Jülich ansässige Pflanzfachmann, der auch Geschäftsführer eines bundesweit tätigen Online-Netzwerkes von Gartenplanern ist. Schon bevor die Baumaschinen kommen, wird die obere Grasnarbe abgetragen, Unkraut entfernt und die gute Erde dann in einer Erdmiete, das ist ein abgedeckter Erdhügel, vor Schädigungen durch die Baustelle geschützt. Nach Bauende muss der Boden dann nicht mehr ganz so tief aufgelockert werden, und auch ein Zukauf neuer Erde ist, wenn überhaupt, nur in geringem Umfang notwendig.

Fehler jedoch können auch dann noch gemacht werden - allein schon durch die Auswahl der Pflanzen. Dabei geht es nicht nur darum, dass viele beliebte Pflanzen in unseren Gefilden nicht lange überleben. Viel schlimmer ist es, dass fremdartige Pflanzen auch fremdartige Schädlinge mitbringen. Oft mit fatalen Folgen wie das Beispiel des immer beliebter werdenden Fächerahorn zeigt. Der aus Japan stammende Baum wird in immer mehr Gärten heimisch - und mit ihm Laus- und Käferarten, die anderen Arten den Garaus machen.

Doch nicht nur die falschen Gewächse machen das Leben im Garten später kompliziert. Auch zu viele. Weil Neuanpflanzungen am Anfang kahl aussehen, neigen Hobbygärtner dazu, sie mit Büschen und Bäumen zu überfrachten. Dabei, so noch einmal Experte Windt, reichen für das normal große Grundstück eines Einfamilienhauses ein bis zwei Bäume aus. „Schatten lässt sich auch anders erzeugen.“ Fehlt später die Sonne, hilft nur eines: die Motorsäge.

Familie Winkler hat die Konsequenzen gezogen. In diesen Tagen beginnt das Projekt Grünanlage neu - diesmal fachmännisch. Eigentlich war das Geld für eine Reise geplant, jetzt fließt es doch in den eigenen Lustgarten. „Schließlich wollen wir uns noch mindestens 30 Jahre darin aufhalten.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
30.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.280,80 −1,81%
 OK