17.09.2008 · Die Errichtung eines zusammenhängenden, modernen hochwertigen Gebäude- und Infrastrukturkomplexes in einem grünen Landschaftsraum? Die Suche nach einer neuen Nutzung für das Areal des Flughafens Berlin-Tempelhof bietet Raum für spannende Ideen.
Von Christiane HarriehausenDer Flughafen Berlin-Tempelhof gehört zu jenen Orten, an denen Geschichte geschrieben wurde. Nicht unumstritten und von Bürgerprotesten begleitet war daher auch der Beschluss, den Flugbetrieb am 1. November 2008 einzustellen. Doch nun steht die Sachlage fest, und alles dreht sich jetzt um die Frage, wie das 386 Hektar große Areal künftig genutzt werden soll.
„Wir haben es bei dem Tempelhofer Feld mit einer außergewöhnlichen Lage mitten in Berlin zu tun. Außerdem handelt es sich bei dem Flughafen Tempelhof um ein international bekanntes denkmalgeschütztes Gebäude“, sagt die Berliner Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer. Zwar wird das Flughafengebäude schon heute für Kongresse und Großveranstaltungen genutzt, und die Hangars sind intensiv von der Filmindustrie nachgefragt. Ein Konzept für die Nutzung des Areals muss jedoch noch gefunden werden.
So groß wie der Central Park in New York
Außerdem stehen Entscheidungen über einen möglichen Verkauf an, denn bisher hält der Bund noch 80 Prozent des Flughafengebäudes und die Hälfte der Flächen in seinem Eigentum. „Im Moment werden die Wertermittelungen vorgenommen, denn das Land Berlin ist bereit, dem Bund das Areal abzukaufen, allerdings nicht um jeden Preis. Wenn das nicht gelingt, dann muss man sich miteinander verständigen. Auch mit mehreren Eigentümern wird eine Planung möglich sein“, sagt Junge-Reyer.
Ideen für das Areal, das etwa so groß ist wie der Central Park in New York, gibt es viele. Die Senatorin geht davon aus, dass sich vor allem die kreativen Branchen für Tempelhof interessieren werden. Auch dem Vorschlag, einen Themenpark in Erinnerung an die Luftbrücke zu errichten, steht sie offen gegenüber. „Tatsächlich bietet der Standort so viele Möglichkeiten wie kein anderer im Zentrum einer europäischen Großstadt“, sagt Junge-Reyer.
Areal aus der Isolation führen
Wichtig ist der Senatorin, die große Freifläche in der Mitte des Areals zu erhalten. „Wir brauchen einen Landschaftspark, den man zum Beispiel mit einer internationalen Bauausstellung (IBA) und einer Gartenausstellung entwickeln kann. Dabei wird sich zeigen, dass das Gebäude und das Gelände zusammengehören“, meint Junge-Reyer. Die besondere stadtplanerische Aufgabe bestehe darin, das Areal aus der vollständigen Isolation herauszuführen und in Beziehung zu den anschließenden Stadtteilen treten zu lassen. „Das birgt Herausforderungen, denen wir mit attraktiven und nachhaltigen Konzepten begegnen wollen, zum Beispiel im Rahmen einer IBA. Sie ist ein gut geeignetes Instrument, um die Potentiale und Chancen, auch von angrenzenden Gebieten wie Neukölln und Kreuzberg, umfassend zu aktivieren“, sagt die Senatorin.
Die Stadt sucht außerdem den Austausch mit der Öffentlichkeit. „Bei unserem Online-Dialog über die künftige Nutzung des Areals haben sich inzwischen 70.000 Personen als Besucher eingetragen“, berichtet die Senatorin nicht ohne Stolz. Die Ideen reichten vom autofreien Wohnen bis zu einer dem Umweltschutz verpflichteten privaten Universität oder der Schaffung von gemeinschaftlichen Gärten.
„Stadtentwicklungspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik“
„Ein ähnlicher ,call for ideas' würde auch Investoren zu Phantasie anregen“, prognostiziert Junge-Reyer. „Ich will ein international ausgeschriebenes Interessenbekundungsverfahren durchführen für das Gebäude und für den Ring um den Landschaftspark.“ Dadurch könnte man sich ein Bild über mögliche Nutzungskonzepte und die Nachfragesituation machen. „Stadtentwicklungspolitik ist immer auch Wirtschaftspolitik. Daher ist es wichtig zu wissen, was der Markt will und welche Strategien hier verfolgt werden.“
Für den Wohnungsbau erhofft sich die Senatorin ebenfalls zukunftsweisende Ideen. „Auf dem Areal gibt es Wohngebiete, die unter den Aspekten des Klimaschutzes entwickelt werden müssen. Hierin sehe ich eine Zukunftsaufgabe.“ Ziel sei es, die Grundstücke und Gebäude mit erneuerbaren Energien zu versorgen.
Bisher wird jedoch nur über mögliche Potentiale gesprochen. Konkrete Projekte oder gar Vermarktungsaktivitäten gibt es noch nicht. „Für das Columbia-Quartier im Norden des Areals werden wir einen städtebaulichen Wettbewerb starten und sehen, ob wir dort autofreie Zonen, Wohnen für Familien und den Rückzug in die Stadt ermöglichen können“, sagt die Senatorin. Anschließend solle die Vermarktung vorbereitet werden.
4 Millionen Euro für die Planung und die Öffnung eines Teilbereichs
Außerdem plant das Land Berlin, die Entwicklung und Vermarktung des Areals durch eine landeseigene Gesellschaft durchführen zu lassen. „Dies wollen wir ausschreiben.“ Auch Investitionen werden nötig sein. „Berlin hat 2008 und 2009 rund 4 Millionen Euro für die Planung und die Öffnung eines Teilbereichs des Geländes vorgesehen“, erläutert Junge-Reyer. Zukünftig werde es dann um die Frage der Finanzierung von Infrastruktur gehen. Dabei stünden Erschließungsmaßnahmen im Mittelpunkt. Es müsse aber auch über städtebauliche Verträge nachgedacht werden. „Diese Fragen können wir beantworten, wenn wir die Ergebnisse der städtebaulichen Wettbewerbe haben.“
Über einen Zeithorizont will die Senatorin noch nicht sprechen. „Wir befinden uns im Ideenfindungsprozess, denn schließlich gibt es in Berlin viel Raum für Investitionen. Dies ist der Reichtum der Stadt.“
Gedanken darüber, wie das Areal neu genutzt werden könnte, hat sich auch die Assoziation StrassenHaus e.V. gemacht. Bei der Gesellschaft handelt es sich um eine Vereinigung von deutschen und russischen Wissenschaftlern, Architekten und Stadtplanern, die sich mit Konzepten für urbane Räume, neuen Umwelttechnologien und Aspekten zur besseren Gestaltung von Städten beschäftigen. Dazu gehören unter anderem die Moskauer Universität für Transportwesen MIIT, die Siemens AG und die Russische Akademie für Architektur und Bauwissenschaften ZNIIP in Moskau.
Hochwertiger Gebäude- und Infrastrukturkomplex
„Unser städtebauliches Konzept ,ElCity - Tempelhof' (www.elcity.net) sieht die Errichtung eines zusammenhängenden, modernen hochwertigen Gebäude- und Infrastrukturkomplexes in einem grünen Landschaftsraum vor. Ziel ist es, die höchsten Anforderungen der ökologischen und energiekonzeptionellen Nachhaltigkeit urbaner Räume zukunftsweisend zu erfüllen“, erläutert Roland Lipp, Vorstand der Assoziation StrassenHaus. Das Konzept sieht einen Wegfall von Straßen und Parkflächen vor. Dafür sind die Transportwege für motorisierte Transportmittel oberirdisch angeordnet. Beispiel hierfür sei ein Stadtteil für etwa 10.000 Bewohner, der als „Zifferblattstadt“ bezeichnet wurde, erläutert Lipp. Dabei umschließt ein multifunktionales Bauwerk in Form eines Parkhausringes mit oberirdisch gelegener Fahrbahn das verkehrsfreie Wohngebiet, in dem die Wohngebäude jedoch unmittelbar mit dem Ring verbunden sind.
Der Auto-Stellplatz kann so in wenigen Minuten erreicht werden. „Das Auto als auch in Zukunft wichtigstes innerstädtisches Transportmittel wird also ausdrücklich in das Konzept einbezogen“, hebt Lipp hervor. Allerdings sei der Verkehr auf dem oberen Transportweg von außen nicht sichtbar, akustisch kaum wahrnehmbar und gebäudeseitig schwingungs- und brandschutzisoliert. Nur Rad- und Wanderwege seien ebenerdig gelegen. Sie werden so gebaut, dass für den Notfall Feuerwehr oder Lkw problemlos jedes Gebäude erreichen können.
Neue Maßstäbe für Großstadtentwicklungen?
„Die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Effekte, die durch das Zusammenwirken der neuen modernen Stadtkonzepte und Technologien entstehen, lassen sich heute nur abschätzen und sollen genau untersucht werden“, berichtet Lipp. „ElCity - Tempelhof als großes Forschungslabor für Weiterentwicklungen sei ein wichtiger Projektbestandteil. Insofern ist der städtebauliche Weg das Ziel, welches mit der Errichtung des Komplexes nicht abgeschlossen ist“, hebt er hervor.
Das Konzept sieht die Finanzierung der Infrastruktur für Wege und alle Ver- und Entsorgungen auf dem Grundstück durch ein Investorenkonsortium vor. „Inwieweit die Kommune an Eigentums- und Nutzungsrechten oder Kosten für die Infrastruktur partizipiert, obliegt entsprechenden öffentlich-privaten Verträgen (PPP-Verträgen).
„Mit ElCity - Tempelhof hätte Berlin die Chance, Deutschland als führenden Wirtschafts- und Technologiestandort zu präsentieren und die eigene Bedeutung als Standort für Innovationen in Wissenschaft und Technik zu fördern“, meint Lipp. Zudem könnten mit dem Konzept neue Maßstäbe für Großstadtentwicklungen, deren Planung und Sanierung gesetzt werden.
Nonsense....
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 19.09.2008, 15:27 Uhr
hoert sich alles toll an......
YIN YANG (YANGI)
- 20.09.2008, 17:07 Uhr