Home
http://www.faz.net/-gzb-12da8
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Energieeffizienz Der Klimaschutz wird verschärft

21.04.2009 ·  Eine neue europäische Richtlinie zur Energieeffizienz soll den Klimaschutz in der Immobilienwirtschaft beschleunigen. Doch es gibt Widerstand. Er wird voraussichtlich aus Deutschland kommen.

Von Jens Friedemann
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (7)

Die Tinte unter der Energieeinsparverordnung 2009 - die zum 1. Oktober in Kraft treten soll - ist kaum getrocknet, da müssen sich Immobilieneigentümer auf noch schärfere Klimaschutzverpflichtungen einstellen. Das Europäische Parlament will jetzt das am 31. März vom Energieausschuss mit großer Mehrheit verabschiedete „Kompromisspaket zur Neufassung der Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ absegnen.

Widerstand ist aus Deutschland zu erwarten. So will die EU vorschreiben, dass sämtliche Neubauten von Ende 2018 an Nullenergiehäuser sein müssen - wie in Großbritannien bereits vorgesehen. Das lehnen die Spitzenverbände der deutschen Wohnungswirtschaft als illusorisch ab. Sie sagen, das wäre der Todesstoß für den Wohnungsbau.

Doch im Europäischen Parlament zweifelt kaum jemand daran, dass das „Kompromisspaket“ durchgewinkt wird. Auch der Energieausweis für Gebäude wird von Brüssel neu verordnet: Er soll neben der Gesamtenergieeffizienz und Vergleichswerten mit Mindestanforderungen auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Empfehlungen für „kostenoptimale Maßnahmen“ enthalten. Auch muss die ausgewiesene Gesamtenergieeffizienz in allen Verkaufs- und Vermietungsanzeigen aufgeführt werden. Dazu aber ist der deutsche Energieausweis mit seinen unverständlichen Kennzahlen unbrauchbar.

Verbindliche Methode

Bis April kommenden Jahres will die Europäische Kommission eine verbindliche Berechnungsmethode für die Gesamtenergieeffizienz vorlegen. Fördermittel sollen von 2012 an nur noch vergeben werden, wenn die Mindestanforderungen an die Energieeffizienz eingehalten werden. Bei Neubauten müssen Smart-Meter-Stromzähler eingebaut werden. Die Vorschriften sollen für sämtliche Gebäude gelten, also auch für Ferienhäuser. Auch sollen die Energieanlagen in Gebäuden regelmäßig inspiziert werden.

Vielen Beobachtern erscheint die Regelungsflut allmählich wie ein Albtraum. Das war auf einer von RWE-Energy initiierten Denkwerkstatt „Enreso 2020“ (Energy - Real Estate - Economy - Society) zum Thema „Energie als Dienstleistung in dezentralen Versorgungsstrukturen“ zu spüren; von der Gefahr der Fremdbestimmung war die Rede. Nicht der Klimaschutz sei es, sondern wie er in Deutschland verordnet werde. Das derzeitige System der Energieversorgung sei zentral geprägt. Lange Planungszeiten und ein immenser Investitionsaufwand erschwerten die Anpassung in Richtung Dezentralität.

Dezentrale Energiequellen

Der zunehmende Übergang zu dezentralen und regenerativen Energiequellen müsse vor dem Hintergrund der Segmentierung der Lebensräume und der Bevölkerungsentwicklung gesehen und der Zusammenhang zwischen Netzwerkmanagement und Versorgungsstrukturen stärker berücksichtigt werden. Das fordert in ihrer Doktorarbeit über „Siedlungsentwicklung und Energielogistik im Spannungsfeld von Zentralität und Dezentralität“ Annika Stelter von der Beratungsgesellschaft Schlegel & Partner aus Weinheim. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass nur ein ganzheitliches Versorgungskonzept aus einer Hand - vor allem durch Leasing - für Immobilien und Umwelt sinnvoll erscheint.

„Zwar ist die in Deutschland beheimatete Technik und Produktführerschaft wesentlich für eine zukunftsfähige und innovationsorientierte Unternehmens- und Wirtschaftspolitik auch für die energieintensiven Immobilien“, sagte Stelters Doktorvater Professor Hans-Dietrich Haasis von der Universität Bremen auf der Enreso-Tagung.

Doch schafften die vielfältigen Variationen der Tarife, Produkte und der praktischen Umsetzung ein Labyrinth für Bauherrn und Immobiliennutzer. Im Vordergrund der Überlegungen für den Klimaschutz in den Siedlungsräumen müsse nicht nur die Frage stehen, wer wen mit Energie versorgt, sondern auch womit - und ob beides nicht zum Wohle der Umwelt optimaler gestaltet werden müsste.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
13.02.2012 09:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.758,66 +0,98%
 OK