08.11.2008 · Eine bessere Energieeffizienz ist derzeit das große Thema an den Immobilienmärkten. In Brüssel überbieten sich die politischen Gremien mit Vorschlägen dazu. Die Franzosen würden gerne ganze Stadtteile zertifizieren.
Die Europäische Union arbeitet derzeit intensiv an einem umfassenden Paket zur Steigerung der Energieeffizienz und zum Umweltschutz. Es wird weitreichende Konsequenzen für die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft haben. Hintergrund ist der Beschluss der Staats- und Regierungschefs vom März 2007, bis 2020 den Treibhausgasausstoß sowie den Energieverbrauch um 20 Prozent zu senken und den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent zu erhöhen.
Ein genauer Blick auf die verschiedenen Richtlinienvorschläge und die laufenden Diskussionen im Europaparlament zeigt, dass sich die verschiedenen Gremien mit Vorschlägen zur Energieeinsparung überbieten. Darauf hat Hans-Michael Brey, Generalsekretär „Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung“, auf einem Treffen des von RWE Energy initiierten Arbeitskreises „Enreso 2020“ in Berlin hingewiesen. Enreso (Energy - Real Estate - Economy - Society) ist eine Denkwerkstatt, deren vordringliche Aufgabe in der Dynamisierung konkreter Dienstleistungsprojekte unter dem Motto „Energieeffizient die Zukunft gestalten“ gesehen wird.
Die Richtlinie wird überarbeitet
Ein aktuelles Vorhaben ist die Überarbeitung der Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden, wodurch laut Kommission in erster Linie Klarstellungen und Vereinfachungen erfolgen sollen. Gleichzeitig wird der bisherige Grenzwert von 1000 Quadratmeter bei Renovierungen gestrichen. Durch diese Grenze seien in vielen EU-Staaten bisher fast drei Viertel des Gebäudebestandes von energetischen Vorschriften ausgenommen. In Deutschland liegt diese Schwelle nach aktueller Gesetzeslage bereits bei 50 Quadratmetern.
Außerdem soll der Energieausweis für Gebäude verbessert und Vergleichsmöglichkeiten (benchmarks) für Berechnungsmethoden geschaffen werden. Auf seiner Sitzung am 11. September dieses Jahres hat sich der „Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie“ (ITRE) des Europäischen Parlaments außerdem für den Entwurf einer Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien ausgesprochen, die eine Pflicht zur Nutzung von Energien aus erneuerbaren Quellen auch bei der Renovierung bestehender Gebäude vorsieht, wie im Landesgesetz Baden-Württemberg von 2010 avisiert.
Zwar haben die Vertreter der Wohnungswirtschaft Bedenken angemeldet und auf Hürden aufmerksam gemacht, darunter das Steuer- und Mietrecht und die restriktive Vergabe von Darlehen durch die Kreditinstitute. Die Vertreter der Bau- und Zuliefererindustrie befürworten dagegen eine Verschärfung energetischer Standards.
Bauqualitäten messbar machen
Unter dem Einfluss der französischen Ratspräsidentschaft wird nun auch über eine Zertifizierung von ganzen Stadtteilen diskutiert; das sei als Indikator für eine nachhaltige Stadt- und Immobilienentwicklung unentbehrlich. Auch gewinne eine Zertifizierung im Bau- und Planungssektor auf internationaler Ebene eine immer größere Bedeutung.
Die Idee der Messbarmachung von baulichen Qualitäten greife zunehmend auf die Stadtentwicklung über. Hier wird jetzt über einen „Urban-Index“ diskutiert. Er soll gute und schlechte Wohn- und Geschäftsquartiere identifizieren - ähnlich wie das „Deutsche Gütesiegel für nachhaltiges Bauen“ der im Vorjahr gegründeten „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB) in Stuttgart, der heute annähernd 400 bekannte Unternehmen angehören. Augenblicklich werden dreißig Gewerbeimmobilien nach dem Kritierienkatalog des DGNB untersucht. Die Zertifizierung soll Mitte Januar kommenden Jahres erfolgen.