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Bauen mit Holz "Ein gewaltiges Innovationspotential"

20.05.2009 ·  Holz ist aus seiner Nische zwischen Öko-Tristesse und Fachwerkromantik herausgekommen. Der Baustoff wird zu einem Qualitätsbegriff am Bau. Nach ihrem Solarhaus setzt die TU Darmstadt nun mit Holz ein Zeichen.

Von Jens Friedemann
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Man kann darüber streiten, ob das Fachwerkhaus in den mittelalterlichen Städten der Vorläufer des Fertigbaus war. Zumindest wurden die Baumstämme in den wasserkraftgetriebenen Sägewerken vorgefertigt und auf dem Bauplatz zusammengefügt.

Holz ist auch heute noch der beliebteste Baustoff im Fertigbau. Doch hat das Fertighaus von heute nichts mehr mit seinen Vorgängern zu tun, vor allem seit explodierende Rohstoff- und Energiepreise im vergangenen Jahr einen Vorgeschmack auf kommende Zeiten gegeben haben.

Ungewöhnliche Unterstützung hat der verstärkte Einsatz von Holz am Bau von einem Wissenschaftler der TU Darmstadt erhalten: Manfred Hegger, Professor für Architektur, Entwerfen und energieeffizientes Bauen. Hegger hat einen für die gesamte Immobilien- und Baubranche beachtlichen Orientierungspunkt mit einem „Solar Decathlon 2007“ gesetzt.

Zweites Projekt

Mit seinen Studenten hat er das Solarhaus entworfen und gebaut, das in Washington gegen 19 amerikanische Universitäten die Preise abgeräumt hat (Solarenergie: High-Tech in puristischer Form). Es ist ein innovatives und auch optisch attraktives Holzhaus, das mehr Strom erzeugt, als es verbraucht. Die Besucher hatten auf dem Gelände an der National Mall in Washington Schlange gestanden, um sich das Solarhaus aus Deutschland anzusehen. Heute steht es auf dem Campus der TU Darmstadt.

Ein zweites „Decathlon“ - ein Begriff aus dem computerisierten Zehnkampf - wird augenblicklich in Berlin aufgebaut. Ob „das Haus als Kraftwerk“ Nachahmer in der Fertigbau-Branche findet, bleibt abzuwarten. Wichtiger erscheint dem Team um Hegger, dass sich solche Konzepte am Markt durchsetzen. Das könnte schon bald der Fall sein, denn von 2019 an will die Europäische Kommission das Nullenergiehaus für sämtliche Neubauten vorschreiben.

Nicht geheuer

So manchem Architekten erscheint die Entwicklung zum nachhaltigen Bauen mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Energiesparen nicht ganz geheuer. Sie befürchten eine Einschränkung ihrer Gestaltungsfreiheit, mehr aber noch eine Benotung ihrer Leistungen, wenn Nachhaltigkeit und Energieeffizienz von Dritten überprüft oder gar zertifiziert werden.

Das aber steht in Ansätzen auch auf dem Plan der Europäischen Union. Denn tatsächlich hält vieles, was als umweltfreundlich und energieeffizient angepriesen wird, dem Test nicht stand - nicht etwa weil die Umwelttechnik versagt, sondern weil bei der Planung und Implementierung so manches schiefläuft. Schlimmer noch, in manchen Gebäuden ist die Innenluftqualität gesundheitsgefährdend, weil chemische Ausdünstungen die Luft verseuchen und ein ausreichender Luftaustausch nicht erfolgt.

Enormes Potential

„Architekten, Ingenieure und Bauunternehmen haben nunmehr die große Chance, ihre kreative Meinungsführerschaft über nachhaltiges und energieeffizientes Bauen wieder verstärkt gesellschaftlich wirksam zu machen“, sagt Hegger. In einem lange nicht mehr besonders innovationsverdächtigen Wirtschaftszweig könnten auf diesem Weg neue Exportchancen für Immobilien „Made in Germany“ und ein Impulsgeber für langfristige gesellschaftliche Entwicklungslinien entstehen.

Das Innovationspotential sei gewaltig und bisher kaum ausgeschöpft. Hegger: „Architekten können über eine an Ökobilanzierungen orientierte Materialwahl, sowie über eine verbesserte Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen die ihnen vertraute Formensprache weiter entwickeln.“ Er spricht von einem Paradigmenwechsel in der Material- und Energienutzung zur Entwicklung von Bildern für eine wohltemperierte Architektur. Holz sei dafür der umweltfreundlichste Baustoff.

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25.05.2012 17:45 Uhr
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