04.03.2008 · Wer träumt nicht von Pippi Langstrumpf oder von Michel aus Lönneberga? In solche Häuser können auch Deutsche einziehen. Denn anders als in Dänemark sind Deutsche in Schweden willkommen, und Ferienhäuser sind dort auch noch bezahlbar.
Von Sybille WilhelmDie Idee des europäischen Binnenmarkts ist Freizügigkeit - des Warenverkehrs, des Arbeitsortes, der Dienstleistungen sowie des Kapital- und Zahlungsverkehrs. Doch von der Freizügigkeit des Ferienhäuschens steht nichts in den Verträgen. Und so ist der Kauf eines Urlaubsrefugiums in Dänemark für andere Europäer praktisch unmöglich: Man braucht eine Genehmigung des Justizministeriums, das aber „in der Regel keine Genehmigungen zum Erwerb von Ferienhäusern an Ausländer erteilt, die in Dänemark nicht wohnhaft sind“, wie die Botschaft in Berlin informiert. Angeblich wird streng kontrolliert, ob man in dem Haus tatsächlich die meiste Zeit des Jahres wohnt - mit Mülltonnenkontrolle und anderen Finessen.
Doch der deutsche Skandinavienfan muss nicht verzweifeln, sondern kann sich einfach noch ein bisschen weiter nördlich umschauen: Die Schweden sind gastfreundlich und verkaufen ihre „Stugas“ auch an Deutsche. Zwar ziehen in dem mit rund 9,2 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land im Norden die Immobilienpreise an, Interessenten finden aber neben luxuriösen noch immer bezahlbare Freizeithäuschen: mit oder ohne Nachbarn, am See oder in den Bergen, eher primitiv-naturnah oder mit den Errungenschaften der Zivilisation ausgestattet. Nicht wenige Häuschen sehen dabei wie Drehorte für Astrid-Lindgren-Filme aus: Man erwartet jede Sekunde, dass Michel aus Lönneberga in den Holzschuppen flitzt oder die Kinder aus Bullerbü auf dem Heimweg trödeln.
Die Häuser werden in „Faluröd“ angemalt
Die roten Holzhäuschen sind im Übrigen mit dem in Falun produzierten „Faluröd“ angemalt. Die Produktion des dunkelroten Farbpigments, das Eisenoxid mit Spuren von Silikaten von Aluminium, Zink, Kupfer und Blei enthält, ist eigentlich ein Nebenprodukt des inzwischen stillgelegten Kupferbergbaus. Durch das enthaltene Eisensulfat konserviert Faluröd das Holz und ist bis heute auf dem Land die traditionelle Farbe für alle Holzbauten geblieben.
Doch es gibt noch andere Besonderheiten im schwedischen Immobilienmarkt, wie ein Bericht des schwedischen Maklerverbundes über den Markt für Ferienimmobilien aus dem Jahre 2006 vermerkt. Es gebe nicht nur Häuser und Höfe aus den unterschiedlichsten Epochen, die auf den schwedischen Immobilienmarkt kommen: „Das, was den Markt für Freizeitimmobilien von dem anderer Immobilien unterscheidet, ist die Tatsache, dass diese Häuser öfter als andere von Generation zu Generation vererbt werden. Das führt dazu, dass auf dem Immobilienmarkt nicht so viele Freizeithäuser wie etwa Einfamilienhäuser angeboten werden.“
Mindestens 700.000 Ferienhäuser gibt es in Schweden
Gleichzeitig verwischen die Grenzen zwischen Ferienhaus und normalem Wohnraum mehr und mehr. Von den rund 700.000 Ferienhäuschen, die der Maklerverband zählt, werden inzwischen mehr als ein Drittel das ganze Jahr bewohnt - vor allem im Dunstkreis der Großstädte. Etwa in Stockholm ist es fast unmöglich, eine (Miet-)Wohnung zu finden. Zudem ziehen sich auch „Rentner“ häufig in ihre komfortablen Hütten zurück, um ihren Lebensabend in Ruhe zu genießen.
So treiben die relative Knappheit bei immer größerer Nachfrage wie auch die immer häufigere Umwidmung der „Stuga“ zur „Villa“, wie die Einfamilienhäuser heißen, die Preise hoch: Zwischen den Jahren 2000 und 2005 stieg nach Angaben des schwedischen Maklerverbundes der Durchschnittspreis für ein Freizeithäuschen um 48 Prozent, im Jahr 2006 um 13 und im vergangenen Jahr um acht Prozent; während der durchschnittliche Quadratmeterpreis für das Jahr 2000 umgerechnet rund 1050 Euro betrug, sind es heute 1900 Euro.
In den Schären bei Stockholm wird es teuer
Mit den Durchschnittspreisen ist es so eine Sache: Während man in den Schären bei Stockholm ein paar Millionen Euro für ein Häuschen hinblättern kann, findet sich auch schon mal eine renovierungsbedürftige Immobilie im nördlichen Småland mit 50 Quadratmetern Wohnfläche für nur 17.000 Euro. Zwar ist der überwiegende Teil der Ferienhäuser in schwedischer Hand, aber auch Deutsche finden zunehmend den Weg ins Königreich.
Das beobachtet Stephan Metreveli, der deutsche Immobilienmakler mit einer Zulassung für den schwedischen Markt. „Wie viele Deutsche ein Ferienhäuschen in Schweden haben, ist schwer festzustellen, ich gehe aber von rund 20.000 bis 30.000 aus“, sagt der Inhaber des Unternehmens Schweden-Immobilien, der seit 1983 die Schwedenhausträume der Deutschen makelt.
Dabei ist es immer seltener die Ferienfrische, die die Deutschen anlockt: „Ich weiß nicht, ob es an den Auswanderersendungen im Fernsehen liegt, aber die Motivation der Käufer hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher wollten fast alle Interessenten ein Ferienhaus kaufen, heute wollen sich drei von vier Interessenten dauerhaft in Schweden niederlassen.“ Darunter sind seiner Beobachtung nach viele Familien.
In Schweden ist das Leben nicht viel teurer
Interessant wurde Schweden für Deutsche schon vor rund 15 Jahren unter anderem durch die Abwertung der schwedischen Krone. Sie ist heute knapp 11 Cent wert. Auch „gefühlt“ ist das Leben in Schweden nicht mehr so viel teurer als in Deutschland, aber offiziell sind die Lebenshaltungskosten etwas höher: Ein Euro hatte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Schweden eine Kaufkraft von 84 Cent. In den neunziger Jahren bewegte sich Schweden bildlich gesprochen mehr in Richtung Festland-Europa, 1995 führte diese Öffnung zum EU-Beitritt. Den Deutschen gab das offensichtlich ein Gefühl der Sicherheit in Rechts- und anderen relevanten Fragen rund um den Immobilienerwerb.
Deutsche Käufer zieht es vor allem in südschwedische Regionen, die von Norddeutschland aus schnell erreichbar sind. „Grundstücke in der Nähe des Meeres und an Binnenseen kommen heute für die meisten hingegen nicht mehr in Frage, da sie sich so stark verteuert haben“, beobachtet Makler Metreveli. Das liegt wohl vor allem an der Einführung des sogenannten Startpreises (utgångspris), bei dem die Immobilie wie in einer Auktion versteigert wird und der Höchstbietende den Zuschlag erhält: „Vor allem in den begehrten Lagen am Wasser und am Strand werden die Preise dadurch nach oben getrieben. Bei allen anderen Immobilien wirkt sich diese Regelung aber praktisch nicht aus.“
Ein Häuschen in Schweden