13.06.2008 · In Deutschland werden weniger Wohnungen gebaut als beispielsweise in Irland oder in Spanien. Allerdings sind die Preise für Einfamilienhäuser auch abschreckend hoch. Die Landesbausparkassen werben dennoch für die Anschaffung eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung.
Das im langfristigen Durchschnitt niedrige Zinsniveau und die deutliche Erholung am Arbeitsmarkt werden nach Ansicht der Landesbausparkassen (LBS) die Wohnungsnachfrage in Deutschland spürbar beleben. „Wir gehen davon aus, dass der lange aufgestaute Wunsch nach mehr Wohneigentum sich in den kommenden Monaten und Jahren deutlich auf dem Markt bemerkbar machen wird“, sagte der LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm in Berlin. Das werde auch dem seit Jahren rückläufigen Neubau Impulse verleihen.
Nach Angaben der LBS wurde im vergangenen Jahr mit 182.000 Einheiten das niedrigste Niveau an Baugenehmigungen seit dem Jahr 1949 erreicht. Berechnungen des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zeigten, dass der Bedarf an neuen Wohnungen mindestens 50 Prozent über den fertiggestellten Einheiten liege, fügte Hamm an und wies auf die vom Statistischen Bundesamt prognostizierte Zunahme von privaten Haushalten um eine Million bis 2020.
Nur 2,4 neue Wohnungen je 1000 Einwohner
Je später sich die Investitionen in Neubauten belebten, desto kräftiger fielen dann die Preissteigerungen vor allem in den attraktiven Ballungsräumen aus, mahnte Hamm. Deutschland hinke seinen europäischen Nachbarn beim Wohnungsneubau hinterher. Während in Irland und Spanien im vergangenen Jahr mehr als 17 Wohnungen je 1000 Einwohner fertiggestellt worden seien, habe der Wert für Deutschland 2,4 betragen - damit belege die Bundesrepublik im Vergleich von 19 europäischen Ländern den letzten Platz.
Die von der LBS veröffentlichten Zahlen über den Markt für Wohnimmobilien in Deutschland für 650 Städte zeigen freilich deutliche regionale Unterschiede. So kostet ein gebrauchtes und freistehendes Einfamilienhaus in guter Gegend und mit einer Wohnfläche von 120 Quadratmetern in München 650.000 Euro.
Auch die Einfamilienhäuser in den Regionen um Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf und München sind überdurchschnittlich teuer. So kostet ein gebrauchtes Einfamilienhaus in Hofheim im Taunus mit 640.000 Euro deutlich mehr als in Frankfurt mit 430.000 Euro. Erheblich preiswerter sind die Einfamilienhäuser in Bremerhaven mit 110.000 Euro und in ostdeutschen Städten wie Gera (130.000 Euro) oder Halle (125.000 Euro).
Preise für Eigentumswohnungen steigen
Bei neuen Eigentumswohnungen rechnet die LBS erstmals seit zehn Jahren wieder mit leicht steigenden Preisen. Die Objekte entstünden an touristisch interessanten Standorten sowie in den Ballungsräumen als preisgünstigere Alternative zu den Eigenheimen. Mit 3600 Euro je Quadratmeter führt Hofheim die Liste an, gefolgt von Garmisch-Partenkirchen und Starnberg mit jeweils 3300 Euro je Quadratmeter. Dagegen weisen Städte im Ruhrgebiet wie Duisburg und Essen sowie die norddeutschen Städte Bremen und Hannover mit 1400 bis 1800 Euro je Quadratmeter ein deutlich niedrigeres Preisniveau auf.
Preisunterschiede gibt es nach Berechnungen der LBS auch beim Bauland. So kostet ein Quadratmeter Boden in den süddeutschen Groß- und Mittelstädten mit 280 Euro mehr als doppelt so viel wie im Norden mit 130 Euro und sogar viermal so viel wie in den neuen Ländern mit 70 Euro. Vor allem die Grundstückspreise in Heidelberg (650 Euro), Stuttgart (630 Euro), München (600 Euro) sowie Frankfurt und Wiesbaden (jeweils 500 Euro) signalisierten extreme Knappheiten.