27.11.2008 · Täglich sind mehr als 100 000 Menschen unterwegs
Trotz der Schwäche der Automobilindustrie steht Stuttgart augenblicklich in wirtschaftlicher Hinsicht gut da: Mit einer Einzelhandelskaufkraft von 5930 Euro je Einwohner liegt die Stadt im Metropolenvergleich nach München und Düsseldorf auf dem dritten Rang - und kann mit 5,5 Prozent auf die niedrigste Arbeitslosenquote im Großstadtvergleich verweisen.
Dazu kommt eine starke Anziehungskraft auf das Umland. Die Zentralitätskennziffer der baden-württembergischen Landeshauptstadt liegt mit 130,52 deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt und an fünfter Stelle im Metropolenvergleich.
Eine seltene Mischung
„In Stuttgart ist eine seltene Mischung aus Modernität und historischem Ambiente anzutreffen“, sagt Guido Kleinschmidt, Geschäftsführer der Lührmann Maklermanagement GmbH. Mitten in Stuttgarts beliebter Einkaufsstraße, der Königstraße, befindet sich der Schlossplatz, barocke Gartenanlage mit Brunnen und Musik-Pavillon - der innerstädtische Mittelpunkt der schwäbischen Hauptstadt.
„Die Königstraße bietet den Einzelhändlern eine gute Flächenmischung von kleinteiligen und großflächigeren Objekten“, sagt Kleinschmidt. Mit 1200 Metern ist die Straße eine der längsten verkehrsberuhigten Einkaufsmeilen in Europa. An Spitzentagen passieren mehr als 100.000 Menschen die Königstraße. Die Spitzenlage erstreckt sich über die obere Königstraße vom Rotebühlplatz bis zum Schloss sowie über die untere Königstraße vom Schlossplatz in Richtung Hauptbahnhof bis zur Kreuzung Thouretstraße.
Im oberen Abschnitt sind bekannte Filialisten wie Hennes & Mauritz, Orsay und Fielmann vertreten. Im unteren Bereich finden sich Peek & Cloppenburg, Hallhuber oder die Galeria Kaufhof. Seit Jahren steigen Stuttgarts Ladenmieten für beste Objekte in der bevorzugten Fußgängerzone. In den vergangenen zehn Jahren sind sie je Quadratmeter um annähernd 40 Prozent gestiegen. Sie liegen in Spitzenlagen bei 225 Euro je Quadratmeter. Die Tendenz bleibt angesichts des großen Interesses steigend. „Wir sehen in der Spitzenlage eine starke Nachfrage überregionaler Filialisten“, sagt Kleinschmidt.
Ein neuer Höhepunkt für die City
Ein weiterer Höhepunkt war nach seinen Beobachtungen die kürzliche Eröffnung des „Phoenixbaus“ an der Königstraße mit 18.000 Quadratmeter Nutzfläche, davon 10.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche im Neubau auf dem ehemaligen Gelände der Landesbank. Auch andere innerstädtische Lagen zeigen eine steigende Entwicklung der Ladenmieten. Kleinschmidt nennt die Schulstraße einen interessanten Standort für Filialisten.
Die Königstraße sei zwar unangefochten die Spitzenlage, die Schulstraße ziehe aber nach. So hat sich der an die Schulstraße anschließende Marktplatz als stabile und gute 1-a-Lage etabliert. Am Marktplatz liegen die Spitzenmieten bei 120 Euro je Quadratmeter. Noch etwas höher - mit 135 Euro je Quadratmeter - werden die Stiftstraße und die Kirchstraße notiert. Mit Anbietern wie Louis Vuitton, Cartier oder Jil Sander sind mehrere Luxus-Segmente vertreten.
Weitere Großprojekte stehen noch zur Disposition: An der Paulinenbrücke soll ein Einkaufszentrum mit 27.000 Quadratmetern entstehen. Zusätzlich gibt es Überlegungen, die Querspange und die Eberhardstraße zu revitalisieren und umzubauen. Darüber hinaus wollen das Kaufhaus Breuninger und die Landesregierung gemeinsam den Breuninger-Standort am Marktplatz - zwischen Karlsplatz und Willy-Brandt-Straße - neu gestalten. Dort soll ein Luxusquartier mit Geschäften, Büros, Restaurants, einem Fünf-Sterne-Hotel und mehreren Ministerien entstehen. Das Projekt mit dem Namen „Da-Vinci-Quartier“ könnte - wenn alle finanziellen und gesellschaftsrechtlichen Fragen geklärt werden - frühestens 2014 fertiggestellt sein.