01.04.2009 · Attraktive Aussichten locken überregionale Einzelhandelsketten wie Bijou Brigitte, Douglas oder Gerry Weber in die kleineren Städte. Die Ladenmieten steigen vielerorts. So weist Plauen die höchsten Steigerungen auf.
Von Jens FriedemannFast unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzieht sich in vielen kleineren Städten ein erstaunlicher Wandel. Die Ladenmieten in den bevorzugten Einkaufszonen steigen in einem überraschenden Tempo. Kapitalstarke Filialisten wie Douglas, Bijou Brigitte oder auch Gerry Weber und die bekannten Mobilfunkanbieter zieht es nun offenbar auch in Städte unter 100.000 Einwohner - vor allem wenn deren Kaufkraft noch nicht mit Anbietern großflächiger Einkaufszentren geteilt werden muss.
An der Spitze der Miet- und Wertentwicklung der Ladengeschäfte steht das sächsische Plauen mit nicht einmal 70.000 Einwohnern. Die Steigerung der Ladenmiete um mehr als zwei Drittel im vergangenen Jahr und einer entsprechend hochgerechneten Wertentwicklung überrascht Achim Weitkamp nicht so sehr. Der geschäftsführende Gesellschafter des auf einzelhandelsgenutzte Immobilien spezialisierten Maklerhauses Lührmann hat eine Vergleichsstudie über die bevorzugten Einkaufszonen in kleineren Städten vorgelegt und schwärmt von deren Potentialen, vor allem wenn die Innenstädte „Shopping-Touristen“ aus dem Umland anlocken.
Erfolg zieht an
Mit dem Einzug der Filialisten verändere sich zwangsläufig auch die Positionierung der Stadt im Wettbewerb um Kaufkraft und Menschen, sagt er. Die anziehende Wirkung auf Finanzinvestoren bleibe dann ebenfalls nicht aus. Wenn dann auch noch in das Erscheinungsbild der Innenstadtkerne investiert werde - vor allem, wenn ausrangierte Gebäude und unansehnliche Brachflächen in Sichtweite aufgewertet werden-, sei das eine gute Voraussetzung für steigende Wettbewerbsfähigkeit auch für den Einzelhandel. So profitiere Zweibrücken von der geplanten Aufwertung der Fußgängerzone und der Sanierung mehrerer anliegender Geschäftshäuser.
Anziehungskraft übt sicherlich auch das vielfach noch niedrige Mietniveau aus. Mit 25 Euro je Quadratmeter im Monat für neue Vermietungen liegt es in Plauen, Görlitz und im saarländischen Zweibrücken nur bei annähernd einem Zehntel dessen, was in vielen der großen Metropolen verlangt wird. Vor diesem Hintergrund versprächen sich die Filialisten nachhaltige Renditen.
Einige dieser „Perlen“ - wie Lüneburg - würden aus allen Nähten platzen. Als ähnlich attraktiv und mit hohen Steigerungsraten bei den Ladenmieten beurteilt Lührmann die Städte Erding, Coburg und Trier. Es lohne sich, kleinere Städte unter die Lupe zu nehmen und das Geschäftsklima und die Bevölkerungsentwicklung zu beobachten. Zum Teil fänden regelrechte Strukturveränderungen statt. Als Beispiel nennt Lührmann Görlitz, dessen mittelalterliche Innenstadt allmählich vom internationalen Tourismus entdeckt wird und dessen niedrige Mieten locken - auch aus Polen von der anderen Seite der Neiße.