18.03.2009 · Frankfurt ist eine der großen deutschen Metropolen, die mit dem neuen Einkaufszentrum „My Zeil“ noch gewonnen hat. Die Einnahmen aus Ladenmieten sind in zehn Jahren um ein Drittel gestiegen.
Von Jens FriedemannFrankfurt ist die Stadt der zwei Gesichter: einerseits schillernd international, andererseits bodenständig hessisch. Die einzigartige Mischung aus weiter Welt und tiefer Provinz ist Segen und Fluch zugleich - auch im Einzelhandel. So gehört die Stadt zwar eindeutig zu den wichtigsten deutschen Einkaufsmetropolen.
Für einen Platz auf dem Treppchen der besten drei reicht es aber nicht ganz. Das Ansehen von München, Hamburg und Köln wiegt noch zu schwer. Dennoch ist der Einzelhandel gesund und in der Region ohne Konkurrenz. Mit Zeil und Fressgass' hat Frankfurt eine Einkaufsmeile von nationalem Zuschnitt, die ganz oben in der Liga der ersten Einkaufsplätze Deutschlands mitspielen will.
Alte Rechte im Handel
Bereits 1240 erhielt die Stadt Frankfurt das Recht, jährlich Handelsmessen abzuhalten - ein Privileg, das die Metropole seither redlich genutzt hat: Heute zählt die Frankfurter Messe zu den größten Messeplätzen der Welt. Unter den 40 Ausstellungen im Jahr finden sich so bekannte wie die Internationale Automobil-Ausstellung oder die Frankfurter Buchmesse. Von Vorteil ist die zentrale Lage.
Als einer der wichtigsten europäischen Verkehrsknotenpunkte mit dem Frankfurter Flughafen, den Autobahnanschlüssen und dem Hauptbahnhof dient die kleinste Stadt von Weltformat mit nur 650.000 Einwohnern als Drehscheibe für Pendler, Touristen und Geschäftsleute. Die S-Bahn führt in wenigen Minuten vom Flughafen in das Bankenviertel - eine Stadt der kurzen Wege.
Eine besondere Mischung
Auch kulturell hat Goethes Geburtsort einiges zu bieten: eine ausgeprägte Museumslandschaft mit mehr als 60 Museen und Ausstellungshäusern sowie die lebendige Theater-, Konzert- und Opernszene von der Kunsthalle Schirn bis zur Alten Oper. „Es ist die besondere Mischung aus großer Welt und kleiner Provinz, die Frankfurt sympathisch macht“, sagt Oliver Küppers aus dem Frankfurter Büro der auf 1-a-Lagen spezialisierten Maklergesellschaft Lührmann. Es ist ein Konglomerat aus Hochfinanz und Ebbelwoi - und im Hintergrund Deutsche Bundesbank und Europäische Zentralbank.
Auch im Vergleich zu München und Hamburg kann die Stadt mit Blick auf Einkaufen und Gastronomie mithalten. Wer hier vor längerer Zeit investiert hat, blickt auf eine starke Zunahme der Spitzenmieten und eine damit einhergehende Wertsteigerung zurück. Seit 1999 stiegen die durchschnittlichen Ladenmieteinnahmen in der Frankfurter 1-a-Lage um ein Drittel. Die Wertentwicklung lag im gleichen Zeitraum mit durchschnittlich 77 Prozent noch darüber. Beeindruckende Werte, die im Vergleich mit anderen deutschen Metropolen einzigartig gut sind.
Die Spitzenmieten reichen an 240 Euro heran - je Quadratmeter für ein 80 bis 120 Quadratmeter großes Ladenlokal. Damit können nur München, Hamburg und Köln mithalten. Mitunter liege die absolute Spitzenmiete sogar darüber, wie im neuen Einkaufszentrum „My Zeil“, berichtet Küppers. Dort entsteht die Einkaufs- und Erlebniswelt Palais-Quartier mit zwei Hochhäusern und dem ehemaligen Palais Thurn und Taxis. Fast in Sichtweite wird am neuen Bienenkorbhaus gebaut - in den fünfziger Jahren Frankfurts erstes Hochhaus und Domizil der Frankfurter Sparkasse. Und hinter dem Messeturm wartet das Europaviertel auf Bauherren aus aller Welt.