Home
http://www.faz.net/-gza-qcxk
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Amerikanische Immobilien Die Stunde der Discounter

20.04.2009 ·  Die Stimmung bei Handelsimmobilien hat sich nach einigen guten Jahren in den Vereinigten Staaten wieder eingetrübt. Steigende Arbeitslosenzahlen und ein sinkender Konsum tragen dazu bei. Allein die Discounter schlagen sich gut.

Von Ruth Vierbuchen
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Krise hat die Konsumlaune der Amerikaner arg getrübt und verändert: Bevorzugt ist das geld- und zeitsparende One-Stop-Shopping - dort, wo alles unter einem Dach und möglichst billig zu haben ist. Das zeigt auch der Index des Verbrauchervertrauens. Er bietet keinen erfreulichen Anblick. Mit einem Wert von 56,3 Punkten sackte dieses Barometer für die Kaufbereitschaft von der Universität Michigan auf den niedrigsten Wert seit fast drei Jahrzehnten.

Die schlechte Kauflaune findet ihre Entsprechung in den Einzelhandelsumsätzen: Im vergangenen Jahr gingen die Erlöse sechs Monate in Folge zurück, allein im Dezember um 3 Prozent. Dass der Einzelhandelsumsatz (ohne Autos) im Januar völlig überraschend um 0,9 Prozent gestiegen ist, werten Experten eher als die Schwalbe, die noch keinen Sommer macht.

Steigende Arbeitslosigkeit

Zu gravierend sind die Faktoren, die den privaten Konsum belasten. Allein im Januar und Februar gingen 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren - weitere Stellenstreichungen sind zu befürchten, bevor in diesem Krisenszenario die Bodenbildung erreicht sein wird. Wie stark sich das 75 Milliarden Dollar schwere Konjunktur-Programm der Regierung zur Unterstützung überschuldeter Hauseigentümer auswirken wird, wird sich zeigen. Zunächst einmal entfalten die desolate Verfassung des Arbeitsmarkts und die Vermögenseinbußen durch fallende Aktienkurse und Hauspreise ihre deprimierende Wirkung auf die Kauflaune.

Selbst nach dem 11. September 2001, der in Amerika eine Schockwelle und Konsumverzicht ausgelöst hatte, erlebte der Einzelhandel nach einer Statistik des Immobilienmakler- und Beratungsunternehmens Cushman & Wakefield 2001 und 2002 noch ein Wachstum von 3 Prozent, ein Wert, von dem der deutsche Einzelhandel selbst in guten Zeiten nur träumen kann. Ansonsten wuchsen die Einzelhandelserlöse von 1993 bis 2007 zwischen 4 und mehr als 7 Prozent in den Spitzenjahren 2004 und 2005. Damals genährt durch hohe Kredite auf stetig steigende Häuserpreise.

Viele neue Handelsflächen

Von dem hohen Konsum und den gesunden Mieten in diesem Segment profitierte bis Anfang 2006 auch der Markt für Handelsimmobilien. So sind nach Angaben der Deutsche-Bank-Immobiliengesellschaft RREEF auf dem Höhepunkt 2005 knapp 2,7 Millionen Quadratmeter Handelsfläche vom Markt aufgenommen worden.

Das war die höchste Absorptionsrate seit 14 Jahren. Seit 2006, mit Einsetzen der Krise auf dem Häusermarkt, ist die Entwicklung rückläufig. Inzwischen übertrifft die Fertigstellung neuer Flächen die Aufnahmefähigkeit des Marktes, so dass die Leerstandsquote laut RREEF mit 7,5 Prozent auf den höchsten Wert seit 1996 gestiegen ist.

Florierende Discounter

„Wer noch Geld verdient, das sind die Discounter“, sagt Michael Sauer, Senior Vice President bei der BVT (Beratungs-, Verwaltungs- und Treuhandgesellschaft für internationale Vermögensanlagen) mbH in Atlanta/Georgia. Als Beispiel nennt er die Kette Sam's Club, eine Tochtergesellschaft von Wal-Mart, die 2008 gegen den Markttrend um 3,1 Prozent zulegen konnte. Für eine 100 Dollar teure Mitgliedschaft können die Kunden zu Preisen unter Wal-Mart-Niveau einkaufen.

Wie sehr sich die Gewichte verschieben, zeigt der Vergleich der Umsatzzahlen: Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart konnte im vierten Quartal den Umsatz um 2 Prozent steigern und war 2008 der High-Flyer im Dow-Jones-Aktienindex. Der preisaggressive Lebensmitteleinzelhändler Dollar Tree legte im vierten Quartal 6,8 Prozent zu, Family Dollar Stores (September bis November) um 4,2 Prozent.

Auch die preisaggressive Bekleidungskette Cato konnte 2008 nach einer Aufstellung von Yahoo Finance mit einem kleinen Plus von einem Prozent abschließen: Aber es gibt auch Wettbewerber, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes verloren haben.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK