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Tierkarikaturen Katzenliebe: Tomi Ungerer bei Irene Lehr

23.03.2006 ·  Die Ausstellung „Katzen, Mäuse, Flugobjekte“ in der Galerie von Irene Lehr in Berlin zeigt Originalzeichnungen von Tomi Ungerer, dem Interpreten des skurrilen Verhaltens unberechenbarer Haustiere.

Von Camilla Blechen
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In Tomi Ungerers lebenslanger ironischer Beschäftigung mit der Tierwelt spielen Katzen die unangefochtene Hauptrolle. Bereits 1973 gewann Toby Tatze, ein ebenso freches wie liebenswertes Exemplar aus der Familie der Felis domestica, in der Bildergeschichte „Kein Kuß für Mutter“ die Herzen von Lesern aller Generationen. Die seltene Gelegenheit, Originalzeichnungen des 1931 in Straßburg geborenen Moralisten zu bewundern, bietet sich gegenwärtig in der Galerie der Berliner Kunsthändlerin Irene Lehr.

„Katzen, Mäuse, Flugobjekte“, dem Nachlaß eines privaten Sammlers entstammend, offenbaren dessen Faible für die unberechenbaren Haustiere und den Interpreten ihres skurrilen Verhaltens. Zu Preisen zwischen 900 und 1800 Euro angeboten, lassen die teilweise kolorierten Tuschezeichnungen Tomi Ungerers frappierendes Vermögen erkennen, einerseits der Eigenart eines Tieres gerecht zu werden, andererseits seine karikatureske Vermenschlichung voranzutreiben.

„Alle Ratten sind gleich“, urteilt eine als Justitia verkleidete Katze. „Himmlische Gedanken“ gelten unerreichbaren Vögeln, deren Spiegelbild in gierig aufgerissenen Augen erscheint. Den genüßlichen Verzehr eines Artgenossen rächen die Mäuse, indem sie den Erbfeind mit dem Nudelholz platt machen.

In Ermangelung eines Schreibinstrumentes signiert ein gleich E.T.A. Hoffmanns Kater Murr als Buchautor hervorgetretener Zimmertiger sein Werk mit Pfotenabdrücken, während der Dame seines Herzens im Café Frucht-Eis mit toter Maus serviert wird. Ungerers kurzgefaßte Tierfabeln kulminieren in dem Blatt „Metamorphose“: Da verwandelt sich die Eule peu à peu in eine Katze, der die heißbegehrte Maus entkommt, weil ihr wunderbarerweise Flügel wachsen.

Bis 31. März.

Quelle: F.A.Z., 18. März 2006
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