10.06.2006 · Für 78.000 Euro wurde Johann Friedrich Overbecks Tuschpinselzeichnung der Grablegung Christi bei Winterberg in Heidelberg einem deutschen Privatsammler zugeschlagen. Das ist ein absoluter Rekordpreis für ein Werk des Nazareners, der sich einer wahren Bilderbuch-Provenienz verdankt.
Von Rose-Maria GroppDas gerade 28,3 mal 29,9 Zentimeter messende Blatt war in der jüngsten Kunstauktion von Winterberg in Heidelberg auf 14 500 Euro geschätzt. Dargestellt ist die Grablegung Christi. Zugeschlagen wurde Johann Friedrich Overbecks Tuschpinselzeichnung schließlich, gegen private und händlerische Konkurrenz, bei 78.000 Euro an einen deutschen Privatsammler.
Das ist ein absoluter Rekordpreis für ein Werk des Nazareners; er verdankt sich einer wahren Bilderbuch-Provenienz: Overbeck, der mit Goethe befreundet war, schenkte die Zeichnung einst selbst Goethes Schwester Cornelia und ihrem Mann, dem Juristen, Privatgelehrten und Frankfurter Rat Fritz Schlosser. Im Jahr 1825 erwarben die Schlossers das Stift Neuburg bei Heidelberg, ein ehemaliges Kloster, das ein Mittelpunkt der Goethe-Verehrung wurde. Dort hing auch Overbecks Zeichnung seit 1825, Das Blatt ist rückseitig mit „Bernus“ bezeichnet. Der Dichter, Philosoph und Alchimist Alexander von Bernus hatte Stift Neuburg von Sophie Schlosser geerbt und machte es wieder zu einem Zentrum von Literaten. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ging das Kloster an den Benediktinerorden zurück. Die Benediktiner gaben die Zeichnung nun zur Auktion.
Rose-Maria Gropp Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.
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