„Wir Fußballspieler“ schrieb Alexander Rodtschenko neben zwei roboterartig am Ball agierende Kicker, die er 1920 in konstruktivistischer Façon auf Holztafeln malte. Das attraktive Bildpaar wird in Hampels Frühjahrsauktion getrennt aufgerufen, die Taxe beträgt je 120.000 Euro.
Von vier Katalogen, mit denen Hampel am 23. und 24. März antritt, dürfte der zur russischen Kunst auf besonderes Interesse stoßen. Denn starke Kunstkaufkraft aus dem Osten trifft dort auf große Namen der russischen Moderne und auf mindestens ebenso gefragte Malerei und angewandte Kunst älteren Datums. Wie schon zur Dezember-Auktion würde man sich weiter zurückreichende Provenienzangaben wünschen als die zur Herkunft aus einer europäischen Privatsammlung sowie detaillierte Angaben zu den vorliegenden Zertifikaten der Moskauer Tretjakow-Galerie. Diese sollen sowohl den Rodtschenko-Tafeln beiliegen als auch einer Flächen, Kreise und Stäbe schichtenden Komposition Ivan Kljuns, die 140.000 Euro einspielen soll.
Lichtsplitterndes Fensterstillleben
Eine leuchtend farbige Abstraktion aus der reifen Zeit Natalja Gontscharowas erfordert um 35.000 Euro, Larionows rayonnistisch lichtsplitterndes Fensterstillleben 85.000 Euro. Dem westlichen Jugendstil angenähert, malte Mikhail Nesterow seinen weißgekleideten Hirtenknaben mit Flöte vor einem Stück Landschaft am See (Taxe 150.000 Euro). Liebhabern gefühlvoller Stimmungsveduten dürfte vor Iwan Aiwasowskis Ansicht Konstantinopels im Abendrot das Herz aufgehen (180.000).
Noch früher im 19. Jahrhundert malte Petr Vereshchagin einen prächtigen, breitformatigen Blick auf den Kreml von jenseits des Flusses (120.000). Zar Alexander II. gab in der Petersburger Porzellan-Manufaktur ein Déjeuner für seine Schwester, Königin Olga Nikolajewna von Württemberg, in Auftrag, das er mit Motiven ihres Lieblingsmalers Jean-Baptiste Greuze dekorieren ließ. Im Lederkasten mit den alten Besitzermarken erwartet man für das Service um 150.000 Euro, und für eine silberne Fabergé-Dose, deren Deckel kämpfende Tscherkessen in Emailmalerei trägt, könnten 12.000 Euro erforderlich sein.
Kommodenpaar als höchstdotiertes Los
Schon der Titel des Möbelkatalogs zeigt den Stolz der Abteilung: Es ist ein Kommodenpaar Abraham Roentgens, von 1755 bis 1760, mit elegantem Rautenfurnier und originalen Rokoko-Beschlägen. Mit 350.000 Euro stellt das in Dietrich Fabians Werkverzeichnis angeführte und abgebildete Duo wohl das höchsttaxierte Los der gesamten Auktion. Zusammen bleiben auch Sankt Sebastian und der Heilige Bartholomeus, die Andrea Brustolon, einem hauptsächlich in Venedig aktiven Bildhauer des italienischen Barocks zugeschrieben wurden. Beide Märtyrer leiden an Bäume gefesselt, was der Schönheit ihrer aus hartem Buchsbaum meisterlich geschnitzten Körper keinen Abbruch tut (100.000 Euro).
Und noch ein Paar: Die Altmeister-Malerei präsentiert zwei Bilder des Florentiners Alessandro Salucci, der im 17. Jahrhundert prächtige gigantomane Portikusarchitekturen auf die Leinwand phantasierte und mit antiken Figurengruppen staffierte (180.000). Eine rheinische Privatsammlung sorgt für Kunst der Moderne; darunter Otto Muellers lithographierte „Polnische Familie“ von 1920/21 (25.000) oder Picassos seltene Lithographie „Deux Femmes“ von 1946, die Dora Maar und Françoise Gilot zueinandergesellt (35.000). Eine blaue Vase, von Hans Hofmann im selben Jahr virtuos auf feuerroten, grünen und weiß-cremigen Grund gedroschen, setzt ihre Schätzung von 120.000 Euro auf die Liste der Höhepunkte.