08.05.2010 · Die Viennafair sucht ihr Heil in der Hoffnung auf Neues. Ein Rundgang über die 6. Ausgabe der Schau für Gegenwartskunst.
Von Nicole Scheyerer, WienViele neue Namen nennt die Liste der sechsten Viennafair; 31 Erstaussteller sind zu verbuchen - Zeichen für eine Krise der Etablierten oder Lust auf Neues? Prinzipiell trägt die Messe mit ihrem Schwerpunkt auf Osteuropa den Wechsel in sich. Dank des Sponsorings geben Galerien von Estland bis Bulgarien in Wien ihr Debüt. Die Messeleitung bemüht sich, die erfolgreichen Newcomer als reguläre Teilnehmer zu gewinnen. Weniger zufrieden gibt sich die heimische Stammklientel, die teils fernblieb: Sammlermangel lautet einer der Gründe dafür, dass Ropac, Meyer Kainer, Janda, Mezzanin, Engholm und Steinek der Messe nicht die Stange hielten.
Wer sich unvoreingenommen ins Geschehen wirft, kann viele Entdeckungen machen. Junge Galerien wie Sabot aus dem rumänischen Cluj oder der Londoner Waterside Project Space vertreten ihr Programm mit Leidenschaft. Wille zum Stil beweisen auch der fein ironische Konzeptualismus bei Tulips & Roses aus Vilnius oder die expressive Berserker-Kunst bei der Kölner Galerie Teapot: Ganz in Schwarzweiß flankieren dort Thomas Palmes „Künstlerhuren“, die Pornokörper mit den Köpfen von Schubert oder Schopenhauer kombinieren (6500 Euro), und die Plastiken von Christian Eisenberger, zu denen auch eine riesige, für Besucherbeine durchaus gefährliche Mausefalle zählt (5500 Euro).
Einer neuen Unübersichtlichkeit huldigen viele Kojen mit Tapeten oder dicht gepflasterter Hängung. Charim, Christine König und Gabriele Senn haben mit der Fotografin Elfie Semotan einen aufwendigen Stand ausgeheckt. Unzählige Fotos aus den letzten vierzig Jahren bedecken als Kopien die Wände, auf denen die Kunstwerke hängen. Bei der Galerie Knoll schlagen auf Tapeten von Paul Horn meterhohe Wellen, und in der Einzelpräsentation von Viktoria Tremmel bei Hamish Morrison aus Berlin führen Wandarbeiten und Zeichnungen ins Gestrüpp des Unbewussten. Die Pariser Galerie Gutharc zeigt die kindlich-surrealen Gemälde von Marlène Mocquet, auf deren größtem Bild lustige Himmelswesen Marienkäfer spucken (22.000 Euro).
Hochkarätig Rares von Arnulf Rainer führt die Galerie Thoman. Bei den auf perforierten, zerkratzten Leinwänden gemalten Bildern aus den neunziger Jahren handelt es sich um Rainers letzte Gemälde, er arbeitet seither nurmehr auf Papier (63 800 Euro). Ein Statement setzt Rosemarie Schwarzwälder von der Galerie nächst St. Stephan mit einem fünf mal drei Meter großen Gemälde von Herbert Brandl, dessen braune Farbbahnen kraftvoll auf und ab schießen (88.000 Euro). Ein Großformat prangt auch bei Ursula Krinzinger, allerdings britischer Herkunft: „Screen Fright“ heißt ein Siebdruck, bei dem Gavin Turk sein Gesicht mit dem Warhols morpht (44.000 Euro). Zu den Eyecatchern zählen auch ein Jägerhochstand aus Mark Dions letzter Serie bei Georg Kargl (66.000 Euro) oder ein mit Spiegelscherben bedeckter Totenschädel von Bruno Peinado bei Mario Mauroner (62.000 Euro).