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Kunst Messe und Fine Art & Antiques Miteinander oder gegeneinander?

19.10.2008 ·  München gönnt sich zwei Messen: Die traditionelle Kunst Messe verjüngt dieses Jahr ihr Angebot und ist geschrumpft, während die Fine Art & Antiques im Haus der Kunst sich zur Premiere im Salon-Format präsentiert.

Von Brita Sachs, München
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Nicht nur von der Kunst Messe München ist zu berichten, sondern auch von der aufsässigen kleinen Tochter Fine Art & Antiques München, die sich der Muttermesse unmittelbar anschließen wird. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Münchner Messe als das ganz große Ereignis im deutschen Kunstherbst galt. Aber jetzt zogen schon zum zweiten Mal - voran ging der Ausstieg der Munich-Highlights-Gruppe - namhafte Händler die Konsequenz aus ihrer Unzufriedenheit mit der Messepolitik, sagten ab und machen eigene Sache.

Denn auf einen Auftritt in der Stadt, die sie den bedeutendsten Kunsthandelsstandort im Land nennen, verzichtet keiner der Messeabtrünnigen gern - weshalb das Angebot des Kieler Ausstellungsmanagers Wolf Krey, eine Gegenmesse im Haus der Kunst aufzuziehen, wie gerufen kam. Wie nun sieht die Kunst Messe nach dieser jüngsten Fahnenflucht aus? Zunächst ist sie noch schlanker geworden; statt hundert Ausstellern im Vorjahr teilen sich jetzt neunzig die Halle auf dem Riemer Messegelände.

Eine Verjüngungskur

Und sie wirkt jünger; denn als Reaktion auf den Exodus füllte man im Bereich der modernen und zeitgenössischen Kunst auf, baute ihn sogar zur größten Fraktion aus. Das aber bedeutet eine beträchtliche Verschiebung des Schwerpunkts, der traditionell beim Kunsthandwerk lag. Peter Mühlbauer gehört zu denen, die hier weiter hohes Niveau repräsentieren: Er hat einen sächsischen Schreibschrank mitgebracht - Meisterstück des August Pletsch, das gewandt zwischen Rokoko und Klassizismus vermittelt -, dessen Schubladen sogar innen intarsiert sind (480.000 Euro).

Auch Gertrud Rudigier ist der Messe treu geblieben mit ihrer stets mit Trouvaillen von der Miniatur über Möbel bis zu Kuriosa wohlgefüllten Koje. Noch immer gibt es viel zu entdecken, aber das Fehlen der großen Renommierstände ist nicht zu übersehen, auch wenn das Spektrum von der Antike, die David Cahn aus Basel mit marmornen Häuptern und Torsi in die Halle holt, lückenlos reicht bis zu der Badenden, die Georg Dokoupil mit dem Ruß einer Kerzenflamme gemalt hat; sie hängt bei Karl Pfefferle, der schon zum elften Mal teilnimmt und viele Münchner Kollegen mit seinen guten Erfahrungen bei der Gegenwartskunst vom Mitmachen überzeugte.

Ein Stillleben von Jawlensky

Mehr Zugereiste kümmern sich um die Klassische Moderne, zum Beispiel mit Jawlenskys Gemälde „Rote Blumen in Blauer Vase“, das als eines der teuersten Stücke bei Ludorff aus Düsseldorf hängt. Ausgezeichnet behauptet die große Sektion Kunst auf Papier ihren Ruf als eine der Stärken; Thole Rotermund aus Hamburg erklärt, warum er Kirchners herrliche, große farbakzentuierte Aktzeichnung seiner Modelle Fränzi und Marcella (378.000 Euro) in München anbietet: Das kaufkräftigste und interessierteste Publikum finde er stets hier. Auch Fichter aus Frankfurt legt den umfangreichen Katalog zu Hans Thomas Nachlass nicht von ungefähr jetzt in München vor.

Mit dem Haus der Kunst hat die Fine Art & Antiques München genau das Los gezogen, das so viele wollten. Dort fand die Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse von 1956 bis 1993 statt, und dorthin, nah ans Herz der Stadt, wünschten sich viele zurück, aber es war zu wenig Raum für die groß gewordene Messe. Auch jetzt steht im Westflügel nur Platz für 28 Aussteller zur Verfügung, die meisten spezialisiert auf Antiquitäten, aufgemischt mit Antiken, Schmuck, Teppichen und Klassischer Moderne. „Ich bin begeistert, dass sich die Alte Kunst so auf die Hinterbeine stellt“, freut sich Christian Eduard Franke. Er zählt zur Gruppe der Bamberger Händler, die das neue Unterfangen maßgeblich gestaltet, allen voran Ulf Härtl, der sein Paar französischer Rokoko-Konsolen jetzt hochzufrieden ins neue Ambiente stellen dürfte.

Mit Sicherheit ausgewählte Möbel

Auch bei Senger nimmt man die räumliche Einschränkung gern in Kauf; für den Sprung ins Neue bleiben eben ein paar große Möbel zu Hause, auch die bezaubernde Reliquienbüste der heiligen Barbara vom Ulmer Meister Michel Erhart kann die Besucher auf den Stand locken. Albrecht Neuhaus aus Würzburg wird mit herrlichen französischen Möbeln aufwarten, Neuse aus Bremen ein Reisebesteck mit Meissener Porzellangriffen anbieten, und bei Nolte wird eine Louis-VX.-Pendule auf dem Rücken eines dicken Elefanten ticken.

Obgleich für das nächste Jahr vom Haus der Kunst bereits eine längere Laufzeit in Aussicht gestellt wurde und auch mehr Platz, glaubt wohl niemand, dass der Neuling mit seinem Salon-Zuschnitt echter Ersatz für eine Messe sein kann. Aber er ist ein Anfang, er wird Reaktionen provozieren und die Diskussion um eine derzeit restlos zerfaserte Veranstaltung in Gang bringen.

Kunst Messe München, Neue Messe München, Halle B6. Bis 22. Oktober. Täglich von 14 bis 22 Uhr, am Sonntag, dem 19. Oktober, von 11 bis 19 Uhr. Eintritt 12 Euro, Katalog 8,50 Euro. - Fine Arts & Antiques München, Haus der Kunst. Vom 22. (Vernissage; Eintritt 40 Euro)) bis zum 26. Oktober. Täglich von 11 bis 20 Uhr, am Samstag bis 22 Uhr, am Sonntag bis 18 Uhr. Eintritt 15 Euro. Katalog 10 Euro.

Quelle: F.A.Z.
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