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Ars Nobilis Berlin Mit Perlmutt bedeckt

08.11.2009 ·  Hüfthoch und 23 Kilo schwer: Auf der Kunst- und Antiquitätenmesse Ars Nobilis ist ein sächsischer Riesenhumpen die Attraktion.

Von Camilla Blechen, Berlin
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Ein Riesenhumpen des Historismus empfängt den Besucher der zehnten Ausgabe der Kunst- und Antiquitätenmesse Ars Nobilis in Berlin. Gut neunzig Zentimeter hoch und 23 Kilo schwer ist das überreich dekorierte Hochzeitsgeschenk der Provinz Sachsen für Prinz Wilhelm von Preußen, später Kaiser Wilhelm II. Die Galerie Neuse aus Bremen bietet den silbervergoldeten Humpen „im unteren sechsstelligen Bereich“ an.

Vorbei an der Monstrosität von 1881 gelangt man am Stand von Martin Moeller aus Hamburg zu subtilen Zeugnissen preußischen Kunstverstands wie Menzels akribisch ausgeführter Raumzeichnung des Treppenhauses zu Neiße, dem Ort der Begegnung Friedrichs des Großen mit Kaiser Joseph II. (48.000 Euro). Das Stuttgarter Kunsthaus Bühler offeriert ein Gemälde von Carl Blechen, die „Prozession von Mönchen in einem italienischen Kloster“ für 280.000 Euro, Wittenborn-Czubaszek aus Berlin einen der Werkstatt des Ebenisten Bernhardt Wanschaff entstammenden Sekretär für 48.000 Euro.

Ein Château ganz aus Kork

Dominiert wird die zehnte Ars Nobilis von Miniaturmöbeln: Einen kleinen Aufsatzschrank bietet Christian Eduard Franke aus Bamberg für 29.600 Euro an. Unter zahlreichen Architekturmodellen beeindruckt die mit schimmerndem Perlmutt gedeckte Kuppel des Florentiner Doms bei Albrecht Neuhaus aus Würzburg für 36.000 Euro und das aus Kork gefertigte Château de Digoine bei Ariane Laue aus München für 18.500 Euro. Mit dem Modell eines Wachturms aus dem alten China (32.000 Euro) setzt sich das Thema bei Günter Venzke aus Berlin fort. Bei den ostasiatischen Objekten von Peter Hardt aus Radevormwald besticht ein nepalesischer Tempel im Puppenstubenformat für 72.500 Euro.

Altmeisterliche Malerei lässt sich außerdem noch bei Albrecht Neuhaus bewundern, der Giacomo Legis Stillleben mit weißem Pfau, Turteltauben und waidmännisch erlegtem Getier aus spanischem Privatbesitz akquiriert hat (300.000 Euro). Bei Frye & Sohn aus Münster kostet eine Waldlandschaft mit Jägern und Hirschen von Roelandt Savery 55.000 Euro.

Zum Schmunzeln verführen bei Seidel und Sohn aus Berlin/Potsdam zwei überlebensgroße Porträts der deutschen Kaiser Wilhelm I. und II. in Uniformen von Feldmarschällen für 15.000 und 17.500 Euro. Schmuckstücke aus Gold und Silber, Smaragden und Rubinen, Glasperlen und Eisenguss bilden einen zweiten Schwerpunkt der Herbstmesse. In einem Jugendstilspiegel aus Kiew, den Sigrid Kleihues für 11.200 Euro anbietet, kann die zögernde Kundin prüfen, ob ihr das Wunschobjekt gut zu Gesicht steht.

Bis 15. November im Automobilforum. Täglich von 11 bis 20 Uhr, am Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Quelle: F.A.Z.
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