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Malerei der Gegenwart Linientreu: Die japanische Malerin Hana Usui bei Oko Berlin

In Hana Usuis Werken ist zu beobachten, wie das gekonnt hingeworfene Zeichen des klassischen Kalligraphen immer freier wird, bis es sich in sperrigen Rhythmusbildern auflöst oder ganz zum abstrakten Ornament mutiert.

© Galerie Oko Vergrößern Tabubruch für 1500 Euro: Hana Usui benutzt noch gesiebtes Papier, mengt aber der Tusche Ölfarbe bei.

Klassischen Kalligraphen dürften die Haare zu Berge stehen, wenn sie das soeben veröffentlichte Logo der Documenta 12 sehen: Es besteht aus zwölf leidenschaftslos hingekritzelten Strichen. Keine Dynamik, kein Rhythmus, einfach so mit dem Stift hingewurstet. Neben den Linienassemblagen der 1974 in Tokio geborenen Künstlerin Hana Usui sieht der Documenta-Strichcode aus wie ein Haufen bleicher deutscher Bratwürste.

Niklas Maak Folgen:  

Die ehemalige Kalligraphin zeigt in ihren Arbeiten, welche subtilen Proportionen und Harmonien eine Aneinanderreihung von Strichen haben kann, wie zwischen ihnen Räume, Brechungen, Wiederholungen, Verdichtungen und Auflösungen entstehen - kurz, wie die abstrakte Form erzählerisch und das Kunstwerk sozusagen zur Partitur seiner selbst wird.

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Hana Usui, deren Mann Marcello Farabegoli in Berlin die auf Japanisches spezialisierte Galerie „Oko“ betreibt, benutzt traditionelles gesiebtes Papier, mischt allerdings - ein Tabu unter Kalligraphen - in ihren neueren Arbeiten der Tusche Ölfarbe bei. Ihre Gemälde sind symptomatisch für eine Entwicklung der modernen japanischen Kalligraphie. Auch bei Hana Usui ist zu beobachten, wie das gekonnt hingeworfene Zeichen des klassischen Kalligraphen immer freier wird, bis es sich in sperrigen Rhythmusbildern auflöst oder ganz zum abstrakten Ornament mutiert.

In diesen dynamischen Formen zeigt sich der wechselseitige Einfluß von Abstraktem Expressionismus und traditioneller japanischer Kalligraphie. Doch anders als in den Action Paintings der Amerikaner erinnern viele Gesten, viele brüchige Kurven auf dem Papier noch an klassische japanische Zeichen: So bleiben Spuren von Bedeutung erhalten, und der Pinselschwung führt vor, was das verschwindende Symbol bezeichnete; Wort und Bild bleiben eine Einheit.

Daß die neue japanische Kunst dabei nicht nur feine Abstraktionen, sondern auch dixsche Drastik hervorbringt, zeigen die Arbeiten von Ebato Kiyoshi, dessen bizarre Radierungen (ab 230 Euro) ebenfalls in der Galerie Oko zu sehen sind.

Bis 4. März

Quelle: F.A.Z., 25. Februar 2006

 
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Veröffentlicht: 25.02.2006, 00:03 Uhr