Es war der englische Gartendesigner William Kent, der im achtzehnten Jahrhundert über den Zaun sprang und entdeckte, dass die Natur ein einziger Garten war. In Neuseeland könnte er weit springen und fände nicht einmal einen Zaun. Die Gärten am anderen Ende der Welt waren bisher ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Nun sind sie in aller Größe und Pracht zu besichtigen, oft grenzenlos in die üppige Natur übergehend, in die sie gebettet sind. Das Klima auf den beiden Inseln reicht von den Subtropen bis zu gemäßigten Breiten. Entsprechend artenreich sind die Gärten: Palmen und Baumfarne, Rosen und Lavendel, Kies und Gräser. Ein Dschungel, der seiner Besitzerin über den Kopf zu wachsen droht, ist ebenso vertreten wie minimalistische Strenge, gebändigte Staudenpracht und formelle Parterres. Eine Besonderheit sind Hochzeitsgärten, oft mit einer kleinen Kapelle für die Trauung und mit einer Opulenz und Exzentrik ausgestattet - eine "Schleppe" weißer Callas, ein in Buchs geschnittenes Vaterunser -, die den Hochzeitstag romantisch rahmen und in denen vielleicht nur eine weite, leere, von blickdichten Hecken eingeschlossene Rasenfläche über den Tag hinausweist. Ein unbeschriebenes Blatt in Bildbänden sind meist auch die Gärtner. Hier werden sie samt ihrer Scholle vorgestellt. Der Maori im Gemüsebeet ist eine Ausnahme; die herrlichen Anlagen mit Blick aufs Meer werden meist von Damen und Herren gepflegt, denen englische Kolonisten ihre grünen Daumen vererbt haben. Leider entspricht der Text nicht den brillanten Fotos. Die ungelenke Syntax bringt zusammen mit einer inflationär schwärmerischen Note und ärgerlichen Anglizismen manchen sinnfreien Satz zustande. Springen reicht nicht, man muss auch mal landen können.
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"Grenzenlose Gärten" von Kristin Lammerting (Text) und Ferdinand Graf von Luckner (Fotos). Deutsche Verlagsanstalt, München 2009. 200 Seiten, 296 Farbabbildungen. Gebunden, 49,95 Euro.