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Kunst-Investition Wer Herr Flöttl ist

08.02.2007 ·  Wolfgang Flöttl hat hunderte von Millionen für Kunst ausgegeben. Leider war es nicht sein eigenes Geld. Während er nun von der österreichischen Staatsanwaltschaft wegen Veruntreuung angeklagt wird, beginnt das Rätselraten, wem Flöttel „Doktor Gachet“ von van Gogh verkauft hat.

Von Lisa Zeitz, New York
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Mit der Wiener Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) versinkt auch Wolfgang Flöttl, der Sohn ihres einstigen Generaldirektors Walter Flöttl, im Sumpf der Milliardenverluste. Der 1955 geborene Investmentbanker ist mit Anne Eisenhower, der Enkelin des amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower, verheiratet und wurde wegen seiner österreichischen Herkunft und seines sagenhaften Aufstiegs in Amerika einst mit seinem Landsmann Arnold Schwarzenegger verglichen. Flöttl nennt Wohnsitze an der New Yorker Park Avenue und auf den Bermudas sein Eigen.

Doch nun ist er von der österreichischen Staatsanwaltschaft der Veruntreuung vieler Millionen angeklagt worden - von denen er Hunderte für Kunst ausgegeben hat. In den achtziger und neunziger Jahren, als die von Vater und Sohn betriebenen sogenannten „Karibik-Geschäfte“ noch Gewinn abwarfen, gehörten zu den Besitztümern von Flöttl junior nicht nur die eigene Insel und der eigene Jet, sondern er war auch einer der größten Kunden der Auktionshäuser. Das „Wall Street Journal“ berichtet, dass er bei Sotheby's einen Kredit von 244 Millionen Dollar zur Verfügung hatte.

Van Gogh bei Ronald Lauder?

Flöttls Sammlung umfasste neben Manet, Degas, Seurat, Cézanne, Renoir auch zwei der teuersten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts: Das eine von ihnen ist Picassos „Le Rêve“ aus dem Jahr 1932, den er wohl im Jahr 1997 für 48,4 Millionen Dollar bei Christie's ersteigerte. Wenige Jahre später ging das Gemälde für rund sechzig Millionen Dollar an den Casino-Mogul Steve Wynn (der es, wie berichtet, kurz vor dem vereinbarten Rekordverkauf für 139 Millionen Dollar an den Hedge-Fonds-Manager Stephen Cohen mit dem Ellbogen durchbohrte; was ihm die Versicherung Lloyd's auszahlen muss, wird derzeit verhandelt).

Das andere Hauptwerk in Flöttls Sammlung soll tatsächlich van Goghs „Porträt des Doktor Gachet“ gewesen sein, das der japanische Industrielle Ryoei Saito im Frühjahr 1990 für den damaligen Rekordpreis von 82,5 Millionen Dollar bei Christie's ersteigerte. Den Verkauf an Flöttl für angeblich neunzig Millionen Dollar soll Sotheby's 1997 vermittelt haben. Als ein Jahr später Flöttls Spekulationsgeschäfte Verluste im neunstelligen Euro-Bereich verursachten, verkaufte er einen Großteil der Kunst wieder. Wo sich der „Doktor Gachet“ heute befindet, bleibt weiterhin ein Rätsel. Das „Wall Street Journal“ mutmaßt, dass Sotheby's das Porträt gern zurückgenommen habe, um es einem begierigen Kunden weiterzuverkaufen. Nun wird also spekuliert: Hat Ronald Lauder sich den nachdenklichen Arzt ins Haus geholt - und wird ihn demnächst in seiner „Neuen Galerie“ vorführen -, bevor er sich auch der kränklichen „Adele“ auf goldenem Grund zuwandte? Oder hat sich „Doktor Gachet“ auf seine älteren Tage doch vorübergehend in die Schweiz zurückgezogen?

Quelle: F.A.Z., 03.02.2007, Nr. 29 / Seite 43
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