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Künstler für alle! Saatchi, der Befreier

 ·  „Free the Artist“ ist Charles Saatchis neustes Motto. Gemeinsam mit einer Werbefirma will er zusammenführen, was zusammen gehört: Sammler und Künstler. Die Galeristen haben das Nachsehen.

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Ungewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Einmal mehr ist Charles Saatchi, der englische Sammler- und Museumsmogul, der Mann, der da Maßstäbe setzt. „Free the Artist“ heißt sein jüngster Coup, der nach Befreiung einer gefährdeten Tierart aus der Gefangenschaft klingt und den er am 15. April in London lancieren wird, gemeinsam mit der Firma „Clear Channel“, einem globalen Marktführer in Sachen Werbung im öffentlichen Raum.

Es geht um eine nationenweite Plakatkampagne in England, die in der anhaltenden Finanzkrise Künstler und solche Leute, die Kunst kaufen wollen, zusammenführen soll. Saatchi war schon immer ein begnadeter Werber. Und im Grunde weitet er ja nur seine Website Saatchi Online, auf der zurzeit 120 000 Künstler firmieren und die angeblich siebzig Millionen Klicks am Tag verzeichnet, unter den freien Frühlingshimmel aus. Aber die Botschaft – nicht mehr nur im Internet, sondern jetzt an jede Wand geschrieben – gewinnt doch an Schärfe; denn die Devise lautet: Kunstwerke direkt kaufen, ohne jede Kommission.

Damien Hirst ist bereits frei?

Gemeint sind die zumeist fünfzig Prozent, die vom Kaufpreis eines Kunstwerks an den Galeristen oder Händler gehen. So sparen Sammler zeitgemäß! Noch sind Saatchis Schützlinge junge, unbekannte und nicht im Markt etablierte Künstler. Aber noch ist auch nicht aller Krisentage Abend. Was also, wenn der Befreiungsschrei eines Tages von den bekannten, den etablierten und teuer bezahlten Kollegen erhört wird? (Einer der prominentesten, Damien Hirst nämlich, hat den Alleingang in anderer, aber durchaus vergleichbarer Form mit seiner Auktion im September 2008 schon vorgemacht.)

Dann könnten demnächst die Galeristen und Händler ihre Arbeitsplatzbeschreibung überdenken müssen. Zweifellos wird Saatchi dafür sorgen, dass London und ganz England mit seinen Künstlern und deren Werken möbliert werden. Übrigens soll „Free the Artist“ dann auch auf Deutschland übergreifen.

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Jahrgang 1956, Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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